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Emre Can muss wohl deutliche Gehaltseibußen hinnehmen.

Emre Can

Wackelkandidat im Fokus

Dortmund statt Turin: Nationalspieler Emre Can nimmt den nächsten Anlauf und will sich für die EM empfehlen.

Die Haare fein säuberlich zurecht gegelt, die Winterjacke trotz milder Temperaturen übergestreift, und angebraust im schwarzen SUV. Am Freitagvormittag machte der zweite namhafte Winterneuzugang von Borussia Dortmund am Knappschaftskrankenhaus im Osten der Ruhrpottstadt Halt und ließ sich anschließend von den Ärzten auf seine Fußballtauglichkeit prüfen: Dem Wechsel von Emre Can vom italienischen Spitzenklub Juventus Turin zum deutschen Tabellenvierten nach Dortmund standen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nur noch Formalien im Weg. Denn dem Vernehmen nach leiht die Borussia den Defensivallrounder zunächst bis zum Saisonende aus, im Sommer wird er vom Revierklub für 23 Millionen Euro plus Bonuszahlungen gekauft.

Rund zwei Wochen nach dem vielbeachteten 20-Millionen-Euro-Kaufs des norwegischen Angreifers Erling Haaland von RB Salzburg langte die Borussia also erneut auf dem Transfermarkt zu. Emre Can, geboren und aufgewachsen in Frankfurt, fußballerisch erst ausgebildet bei der Eintracht und später mit jungen 14 Jahren zum FC Bayern gewechselt, soll die mitunter wackelige BVB-Defensive stabilisieren. „Ich bin vom Spielstil so, dass ich auch mal dazwischenhaue“, sagte Can einst im Gespräch mit der FR über seine Qualitäten.

Vor allem die Vielseitigkeit des auf mehreren Positionen einsetzbaren 26-Jährigen, der in Turin bei seinen gerade mal acht Einsätzen in dieser Saison meist im Mittelfeld auflief, in der deutschen Nationalmannschaft aber auch in der Abwehrkette verteidigte, veranlasste die Dortmunder Chefetage zu einem weiteren tiefen Griff in die Vereinskasse. Die finanziellen Grundlagen für den Can-Transfer wurden durch den Abgang von Stürmer Paco Alcacer geschaffen. Aus Frust über sein anhaltendes Reservistendasein kehrte der 26 Jahre alte Torjäger nach nur eineinhalb Jahren beim BVB in seine spanische Heimat zurück. Die Einigung mit dem FC Villarreal am Donnerstagabend bescherte der Borussia 25 Millionen Euro.

Ähnliche Gründe wie Alcacer trieben wohl auch Can zu einem Vereinswechsel. Schließlich hatte er beim italienischen Rekordmeister unter der Leitung von Trainer Maurizio Sarri seinen Stammplatz verloren. Can war nicht einmal mehr für den Champions-League-Kader nominiert worden und hatte daher schon im Sommer kurz vor dem Absprung gestanden – damals scheiterte jedoch der Wechsel zu Paris Saint-Germain und Trainer Thomas Tuchel. „Der Umgang mit mir war nicht ehrlich“, klagte Can im vergangenen September an.

Auch andere europäische Klubs – vornehmlich aus der Premier League - sollen nun Interesse am einstigen Profi des FC Liverpool gezeigt haben. Doch Can bevorzugt offenbar eine Rückkehr in die Bundesliga. Möglicherweise verspricht er sich dadurch bessere Chancen auf einen Platz in der Nationalmannschaft bei der EM im Sommer. Er gilt jedenfalls als ein Wackelkandidat für eine Nominierung.

Can begann beim Frankfurter Stadtteilverein Blau-Gelb mit dem Kicken, ehe er später zur Eintracht wechselte. Die Stadt am Main ist noch heute sein Zuhause, dorthin kehrt er immer wieder zurück. Seine Eltern und die Schwester wohnen hier. Als er 2018 an der Schilddrüse operiert werden musste, und deshalb länger ausfiel, ließ er den Eingriff im Frankfurter Bürgerhospital durchführen. „Ich bin oft in Frankfurt, der Bezug ist groß“, sagte er selbst.

Mit dem Wechsel nach Dortmund würde Can laut mehrerer Medienberichten deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssen, in Turin verdiente er rund 14 Millionen Euro per annum, in Dortmund sollen es künftig etwa 8,5 Millionen Euro sein. Damit dürfte er aber auch im Edelkader der Borussia ganz sicher nicht zu den Geringverdienern zählen. dpa/dani

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