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Generationswechsel zwischen Pfosten: Die junge Garde drängt auf Wachablösung.

Die Wachablösung

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Bei Schalke hat der junge Alexander Nübel den erfahrenen Ralf Fährmann abgelöst. Der Generationswechsel ist kein Einzelfall - die brisantesten Torhüterwechsel der letzten Jahre.

Bei Schalke 04 steht anstelle des erfahrenen Ralf Fährmann künftig der acht Jahre jüngere Alexander Nübel im Tor. Ein gewagter Generationswechsel zwischen den Pfosten, der aber längst kein Einzelfall in der Bundesliga ist. Eine Übersicht über die brisantesten Torhüterwechsel aus diesem Jahrtausend - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

2019: Schalke 04

Von Ralf Fährmann (30) zu Alexander Nübel (22): Ist Nübel ein neuer Neuer? Zumindest steht der U21-Nationaltorhüter nun ähnlich überraschend im Tor der Schalker, wie es einst der deutsche Nationalkeeper bei den Königsblauen getan hatte. Zwar gilt Nübel als großes Talent, auch vertrat er in der Hinrunde dreimal den verletzten Fährmann mit soliden Leistungen, mutig war die Entscheidung von Trainer Tedesco aber allemal, war Fährmann doch in den vergangenen Jahren nicht nur Leistungs-, sondern auch Sympathieträger. Und nicht zuletzt als Keeper auch Kapitän. Nübel also wird sich nach seinem gelungenen Debüt gegen Wolfsburg (2:1) beweisen müssen, schon am Freitagabend in Berlin.

2012: Eintracht Frankfurt

Von Oka Nikolov (38) zu Kevin Trapp (21): Der „Ewige Oka“ war die Gelassenheit in Person. Ob da nun Konkurrenten wie Dirk Heinen, Markus Pröll, Ralf Fährmann oder Thomas Kessler kamen, über kurz oder lang stand doch wieder der Frankfurter Methusalem zwischen den Pfosten. 414 Pflichtspiele machte er in seiner Laufbahn für die Hessen. Erst mit 38 Jahren musste Nikolov schließlich einem jüngeren Schlussmann weichen: Kevin Trapp. Dabei erwischte die heutige Nummer eins der Eintracht einen denkbar schlechten Start: Bei seinem Debüt in der ersten Runde des DFB-Pokals bekam er in Aue nach nur 19 Minuten wegen einer Notbremse die Rote Karte gezeigt. Nikolov übernahm, diesmal noch übergangsweise.

2011: Borussia Mönchengladbach

Von Logan Bailly (26) zu Marc-Andre ter Stegen (19): Der Druck für Marc-Andre ter Stegen hätte bei seinem Debüt kaum höher sein können. Die Borussia war sechs Spieltage vor Saisonende Tabellenletzter und hatte ausgerechnet das Derby gegen den 1. FC Köln vor der Brust, da entschied sich Trainer Lucien Favre für den überraschenden Wechsel im Tor. Die Begründung des Schweizers: „Marc-Andre ist einfach gut.“ Wie so oft sollte Favre Recht behalten. Gladbach gewann erst gegen Köln mit 5:1, sicherte dann in der Relegation auch dank eines starken ter Stegens die Klasse, der schließlich 2014 von seinem Jugendverein für zwölf Millionen Euro zum FC Barcelona verkauft wurde. Mittlerweile ist der 26-Jährige längst einer der besten seiner Zunft und wurde gerade erst von der Uefa in deren Mannschaft des Jahres 2018 gewählt.  

2011: FC Bayern München

Von Hans-Jörg Butt (36) zu Thomas Kraft (22): Selten einmal war die T-Frage so sehr von Vereinspolitik geprägt wie Anfang 2011 bei den Bayern. Die Bosse waren hinter den Kulissen längst bemüht, den Wechsel von Manuel Neuer dingfest zu machen, da fuhr ihnen Louis van Gaal dazwischen. Der Trainer dachte gar nicht daran, sich an die Abmachung zu halten, den Oldie Hans-Jörg Butt sanft in den Ruhestand zu überführen. Er sah in Thomas Kraft einen besseren Keeper. Und tauschte im Winter. Sportdirektor Christian Nerlinger warnte den Niederländer, seine Mission in München könne deswegen beendet sein. Van Gaal blieb stur. Doch in Hannover (1:3) und Nürnberg (1:1) patzte der Trainer-Intimus zwischen den Pfosten folgenschwer. Einen Tag nach dem Auftritt bei den Franken wütete Uli Hoeneß: „Mit der Entscheidung, Jörg Butt aus dem Tor zu nehmen, ging die ganze Scheiße los.“ An jenem Sonntag war der Trainer bereits entlassen.

2007: Bayer Leverkusen

Von Hans-Jörg Butt (32) zu René Adler (22): Als Naohiro Takahara auf ihn zustürmte, da wusste sich Hans-Jörg Butt nicht mehr anders zu helfen. Der Torhüter von Bayer Leverkusen nahm gegen den Stürmer von Eintracht Frankfurt die Hände zur Hilfe, er schnappte sich die Kugel - allerdings außerhalb des Strafraums. Die Folgen für Butt: ein Platzverweis, zwei Spiele Sperre und schließlich die Wachablösung durch René Adler. Der heutige Mainzer, der zu diesem Zeitpunkt noch nie im Bayer-Kader gestanden hatte, hielt bei seinem Debüt auf Schalke (1:0) derart „sensationell“ und „fulminant“, wie es Michael Skibbe formulierte, dass der Trainer fortan auf sein Torwarttalent baute. Adler reifte zum Stammkeeper in Leverkusen und in der Nationalmannschaft, für die er drei Jahre später als Nummer eins zur WM nach Südafrika reisen sollte. Eine Rippen-OP verhinderte diesen Traum. Der Nutznießer? Ja klar, Hans-Jörg Butt natürlich, der mittlerweile beim FC Bayern angestellt war und das DFB-Torwarttrio um Manuel Neuer und Tim Wiese komplettierte.

2006: Schalke 04

Von Frank Rost (33) zu Manuel Neuer (20): Die meisten Protagonisten lassen ungern in die Torwartseele blicken. Der äußere Schutzpanzer wird als Teil des Geschäfts angesehen. Doch wenn Frank Rost an den zehnten Spieltag der Saison 2006/07 denkt, dreht sich ihm noch heute der Magen um. Irgendwie hatte es der gebürtige Leipziger ja geahnt, dass da einer von hinten enorm Druck macht – aber der Platzhirsch wollte wenigstens diese Saison, in der Schalke berechtigte Chancen auf die Meisterschaft hatte, noch durchziehen. Doch immer häufiger griff er nicht mehr richtig zu, kam nicht schnell genug aus dem Kasten raus. Trainer Mirko Slomka reagierte ausgerechnet vor dem Spitzenspiel gegen den FC Bayern. Ganz Gelsenkirchen stockte der Atem: Rost auf der Bank, Manuel Neuer im Tor. 2:2 ging das Debüt aus – und der leidenschaftliche Auftritt seiner Feldspieler übertünchte einige Wackler des begabten Schalker Torwarts. Rost flüchtete im selben Winter zum Hamburger SV. Neuer wurde mit Schalke aber auch nicht Meister.

2001: 1. FC Kaiserslautern

Von Georg Koch (29) zu Roman Weidenfeller (21): Es genügte ein Fluchtlichtspiel an einem milden Märztag am Betzenberg – und Fußball-Deutschland wusste nach einem 1:0 des FCK im Uefa-Cup gegen den PSV Eindhoven, dass in der Pfalz ein besonderer Torhüter heranwächst. Die ersten Feuertaufen hatte Roman Weidenfeller in der Bundesliga schon hinter sich, aber von der Nummer eins war der junge Mann, von den Sportfreunden Eisbachtal gekommen, eigentlich noch entfernt. Georg Koch, deutlich älter und erfahrener, stand in der Hierarchie vor ihm, doch ein Ermüdungsbruch im Fuß machte dem 20 Jahre alten Vertreter die Tür auf. An jenem Europapokalabend wuchs Weidenfeller über sich hinaus. „Wir haben nur dank Roman glücklich gewonnen“, sagte FCK-Coach Andreas Brehme. Gästetrainer Erik Gerets sollte seine Spielanalyse auf den Satz beschränken: „Einer stand uns im Weg.“ Schon 2002 wechselte das Lauterer Torwarttalent übrigens zu Borussia Dortmund.

2000: VfB Stuttgart

Von Franz Wohlfahrt (35) zu Timo Hildebrand (21): Insgesamt 118 Ligaspiele absolvierte Franz Wohlfahrt für den VfB. Nachdem der Österreicher Anfang 2000 jedoch bekannt gegeben hatte, nach der Saison zu seinem Herzensverein Austria Wien zurückzukehren, schaltete Trainer Ralf Rangnick auf stur. Er beorderte Timo Hildebrand in den Kasten - fünf Spiele durfte der Juniorennationaltorhüter im Saisonendspurt noch ran. Der Anfang einer Erfolgsstory: Erst mischte Hildebrand gemeinsam mit den „jungen Wilden“ wie Mario Gomez, Andreas Hinkel, Aliaksandr Hleb oder Kevin Kuranyi die Bundesliga auf und wurde 2003 deutscher Vizemeister, ehe er vier Jahre später unter Anleitung von Coach Armin Veh gar den Titel holte.

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