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DFB-Manager Oliver Bierhoff denkt laut darüber nach, ob man die Dritte Liga wieder mehrgleisig laufen lassen sollte: „Das könnte eine Möglichkeit sein, jüngeren Spielern mehr Spielmöglichkeiten zu geben.“

Dritte Liga

Vorschlag abgelehnt

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Oliver Bierhoffs Idee, die Dritte Liga zu teilen, kommt dort nicht gut an.

Der gerade erst neugegründete Ausschuss Dritte Liga im Deutschen Fußball-Bund ist noch vor seiner ersten Sitzung mit einer Idee von DFB-Direktor Oliver Bierhoff konfrontiert worden, an der die Interessensvertreter der Dritten Liga keinesfalls Gefallen finden. Sie wollen Bierhoff deshalb zum persönlichen Gespräch einladen. Der im Verband mit dem neu aufgelegten Nachwuchsprojekt Zukunft betraute Manager der Nationalmannschaft hatte dieser Tage in einem „Kicker“-Interview formuliert: „Würde es helfen, die Dritte Liga in Zukunft wieder zweigleisig laufen zu lassen, oder sogar dreigleisig? Das könnte eine Möglichkeit sein, jüngeren Spielern mehr Spielmöglichkeiten zu geben.“

Die öffentlich vorgetragenen Überlegungen des 51-Jährigen wurden in der Dritten Liga mit Erstaunen aufgenommen – und mit Ablehnung. Tom Eilers (Darmstadt 98), der Vorsitzende des neuen Drittliga-Ausschusses, übte sich am Mittwoch den zugeschalteten Medien bei einer Videokonferenz im verbalen Defensivverhalten und wurde dabei sehr konkret. Die Dritte Liga leiste bereits einen „wesentlichen Beitrag zur Nachwuchsförderung“. Denn: 19 von 20 Drittligisten unterhalten ein Nachwuchsleistungszentrum (8 Klubs) oder bauen es gerade auf (11 Klubs), zudem seien 90 Prozent der Spieler in der Dritten Liga deutscher Herkunft und kämen somit für Auswahlmannschaften des DFB in Betracht.

Ausbildung kein Kernziel

„Ob wir hier die Weltmeister ausbilden, wird sich zeigen“, ergänzte der Darmstädter, der trotz der Zweitligazugehörigkeit der Südhessen das Vertrauen der Dritten Liga genießt. „Fußballklubs sehen sich erst in zweiter Linie für die Ausbildung künftiger Nationalspielern verantwortlich, sondern in erster Linie für ihren eigenen sportlichen Erfolg.“ Gerade in der Dritten Liga mit ihren vielen Traditionsvereinen „wollen die Klubs dahin, wo ihre Fans sie sehen“. Darüber wolle man gern mit Bierhoff „intern diskutieren“. Er glaube, „dass unsere Argumente dann auch auf offene Ohren stoßen“.

Mario Kallnik, der Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg, ergänzte zum Bierhoff-Vorschlag: „Eine Verwässerung der Dritten Liga macht keinen Sinn. Ich sehe derzeit überhaupt keinen sportlich-inhaltlichen Ansatz dafür. Die Spieler müssen sich auf hohem Niveau messen.“ Er halte es zudem für „wichtig, die Dritte Liga nicht zum Spielball öffentlicher Debatten zu machen“. Ohnehin drohe sie, „in den Schredder“ zwischen Zweiter Fußball-Bundesliga und den fünf Regionalligen zu geraten. Kallnik möchte die „riesige sportliche Attraktivität“ wahren und würde lieber über eine Reduzierung auf zwei Regionalligen nachdenken, um dort das Spielniveau und die Professionalität zu erhöhen.

Auch wirtschaftlich mache eine Zwei- oder gar Dreiteilung laut Eilers keinen Sinn. Er sehe durchaus Potenzial, die wirtschaftlich angespannte Situation in Liga drei in den Griff zu bekommen und „höhere Erlöse zu erzielen“, dies sei aber nur in einer eingleisigen Dritten Liga möglich. Die Verbindlichkeiten sind zuletzt trotz Rekordzuschauerzahlen von durchschnittlich fast 9000 Besuchern pro Spiel und einem Rekordumsatz von insgesamt 185 Millionen Euro gestiegen. Im Schnitt haben die 20 Klubs in der vergangenen Saison je 1,5 Millionen Euro Verlust gemacht. Hauptproblem: die ausufernden Personalkosten, durchschnittlich verdient ein Drittligaspieler zwischen 70.000 und 80.000 Euro im Jahr, weniger als ein Zwanzigstel eines Erstligaprofis.

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