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Vorrundenbilanz

EM 2021: Viele Tore, gute Schiedsrichter, ansehnliche Spiele – eine Bilanz der Vorrunde

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Bislang hält diese Europameisterschaft mehr als sie versprochen hat.

Vermutlich hat ihn die Sonne geblendet, oder eine Fliege ist ihm ins Auge geflogen, denn normalerweise kann Martin Dubravka einen hohen Ball schon über die Latte boxen, schließlich ist er Torwart der Auswahl der Slowakei und an normalen Tagen bei Newcastle United angestellt. Aber dieses Mal pritschte sich der 32-Jährige den Ball wie ein Volleyballerspieler selbst ins Tor, das sah ziemlich unclever aus, dafür bekam er ein nicht ernst gemeintes „Vertragsangebot“ von den Berlion Volleys, und es bedeutete den Anfang vom Ende, 0:1 gegen Spanien, nach 90 Minuten stand es 0:5 und die Slowakei, vor dem letzten Gruppenspiel noch Zweiter, war raus aus dem Turnier. Dabei schien der arme Dubravka auf dem besten Weg zum Helden, in der Anfangsphase parierte er prima einen Elfmeter von Alvaro Morata.

Viele Eigentore und verschossene Strafstöße sind ein Merkmal der EM 2021 in halb Europa, achtmal schossen sich die Kicker die Kugel ins eigene Tor, wobei gleich drei Torhüter (Dubrvaka, der Finne Lukas Hradecky und der Pole Wojciech Szczesny) dieses Kunststück schafften. So viele Selbsttore gab es den letzten fünf Turnieren zusammen. Sechs Mal scheiterten die Herren Nationalspieler vom Punkt (von 14 Versuchen), nur Cristiano Ronaldo nicht, der allein drei seiner fünf Treffer aus elf Metern erzielte. Achtmal landete der freie Ball im Tor (Trefferquote: schwache 57 Prozent). 

Gab keine gute Figur ab: Torhüter Martin Dubravka boxt sich den Ball ins eigene Tor.

EM 2021: Im Schnitt fallen 2,6 Treffer pro Spiel

Apropos Tore: Bei diesem Turnier fallen sie reichlich, nach Abschluss der Vorrunde mit 36 Spielen gab es 94 Tore, und lediglich zwei müde 0:0 (Spanien gegen Schweden, und Schottland gegen England). England und Italien sind die Mannschaften, deren Torhüter (Pickford und Donnarumma) noch eine weiße Weste haben. Für die 94 Treffer (EM 2016: 69) benötigten die Spieler 833 Torschüsse, im Schnitt fielen 2,6 Treffer pro Spiel, das ist mehr als ordentlich.

Und es waren viele, viele schöne Tore darunter. Das schönste jenes von Patrik Schick (Tschechien), am ersten Spieltag erzielt, sein Schuss von der Mittellinie über den schottischen Torhüter gebührt das Prädikat Weltklasse. Aber auch Luka Modric (2:1 gegen Schottland), Andrej Jarmolenko (1:2 gegen Niederlande), Xherdan Shaqiri (2:0 gegen die Türkei), Robert Lewandowski (1:2 gegen Schweden) hatten sehenswert getroffen, um nur die schönsten Tore herauszugreifen.

EM 2021: Schiedsrichter wissen zu überzeugen

Ohnehin hat dieses Turnier in elf Städten Europas spielerisch bislang sehr überzeugt, es waren durchweg Partien auf hohem Niveau, taktisch wie fußballerisch. Selbst vermeintliche Underdogs wie Finnland, Ungarn, Nordmazedonien oder Slowakei mussten mühsam niedergerungen werden, physisch waren alle Teams trotz Corona und einer kräfteraubenden Saison auf einem bemerkenswerten Level, ohnehin waren das bislang sehr ansehnliche Spiele - ein großes Leistungsgefälle war kaum festzustellen. Einzig die Türkei, im Vorfeld arg gehyped, fiel insgesamt etwas ab.

Zu dem erfreulich anspruchsvollem Niveau der Spiele trugen auch die Schiedsrichter bei, inklusive der dankenswerterweise sparsam eingesetzten Videoassistenten (VAR). Im Grunde hat es in den 36 Begegnungen kaum eine Fehlentscheidung gegeben, zumindest keine gravierende. Und es gab vergleichsweise wenig Fouls, schon gar keine bösartigen, entsprechend gering auch die Zahl der Platzverweise, nämlich zwei (Ethan Ampachu/Wales, Grezegorz Krychowiak/Polen). Und weil es kaum falsche Pfiffe gab, hielt sich etwa auch die Rudelbildung oder Theatralik in engen Grenzen. Was letztlich niemand vermisste.

EM 2021: Vier Favoriten auf den Titel

Nach 36 Spielen hat sich ein Quartett herausgebildet, das dann doch ein bisschen besser Fußball spielt als andere - die deutsche Nationalmannschaft gehört nicht dazu. Italien, das bisher kompakteste Team, die Niederlande mit ihrer modifizierten Offensive sowie Belgien und mit leichtem Abstrich Frankreich, Mannschaften mit hoher individueller Qualität. Unter diesen Mannschaften dürfte der kommende Europameister zu finden sein, selbst wenn im Viertelfinale schon Italien auf Belgien treffen könnte. Und im Kern stehen all jene Mannschaften im Achtelfinale, die dort erwartet wurden - mit Ausnahme Polens vielleicht, denen mehr zugetraut wurde. Diskussionswürdig bleibt die aufgeblähte Teilnehmerzahl von 24 Teams: Es brauchte bald zwei Wochen und 36 Spiele, um genau acht Mannschaft aus dem Turnier zu kegeln.

Einen frühen Gewinner hat das Turnier aber schon, es ist Christian Eriksen, der sein Leben zurückgewonnen, wenn auch vermutlich die Karriere verloren hat, nach seinem dramatischen Kollaps mir Herzstillstand auf dem Rasen in Kopenhagen. Auch die Dänen, die diese Tragödie so unglaublich stark weggesteckt haben, haben sich dadurch in die Herzen eingebrannt. Während die Uefa den Schwarzen Peter zog - aus freien Stücken und selbstverschuldet. Einer traumatisierten Elf kaum einen anderen Weg gelassen zu haben als zu spielen, das absurde Verbot von Regenbogenfarben am Münchner Stadion, der Zwang trotz Pandemie möglichst viele Fans in die Stadien zu lassen und das Umschmeicheln rechtsstaatlich bedenklicher Länder wirft kein gutes Licht auf den Verband, er ein schlechtes Bild abgibt. Aber das ist nichts Neues. (Thomas Kilchenstein)

Rubriklistenbild: © AFP

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