Jürgen Klopp ist in Liverpool sehr beliebt.
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Jürgen Klopp ist in Liverpool sehr beliebt.

Analyse

Vorbild Jürgen Klopp: Was die Bundesliga lernen kann

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Wie der von Jürgen Klopp trainierte FC Liverpool auch Schalke 04, Werder Bremen und die deutsche Nationalmannschaft besser machen kann. Eine Analyse.

Für den deutschen Fußball stellt Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool eine Benchmark dar, an der man sich hierzulande orientieren will. Die Hintergründe sind hochinteressant. Im Deutschen Fußball-Bund fragt man sich auch aufgrund der immens hohen Verletzungsquote bei Vereinen wie Schalke 04 (mit Klopps Trauzeugen David Wagner als Trainer) und Werder Bremen (mit Trainer Florian Kohfeldt, der von Klopps Berater Marc Kosicke betreut wird): Wie kriegt es Klopp hin, eine derart aufwendige Saison in Premier League und Champions League durchweg mit einem Kernteam von neun Stammkräften zu absolvieren und lediglich auf zwei Positionen regelmäßig zu rotieren? „Bei Klopp“, sagt DFB-Akademiechef Tobias Haupt, „spielt jeder Stammspieler fast immer 90 Minuten durch. Das bedeutet, dass individuelle Belastungssteuerung durch Regeneration und Training auf einem absoluten Top-Level sein müssen.“ Im Aufbau einer Mannschaft denke Klopp sehr strategisch, so Haupt, „das ist beeindruckend“.

Klopp verteilt klare Rollen an Spieler

Auffällig sei außerdem, „dass Klopp von Beginn an klare Rollen an seine Spieler verteilt, so dass sich jeder Spieler seines Werts fürs große Ganze bewusst“ ist. Mit einer ähnlichen Maxime habe auch Joachim Löw sein Team zum WM-Titel 2014 gecoacht.

Was beim FC Liverpool laut DFB-Mann Haupt auch ins Auge fällt: „Man vernimmt kaum Unzufriedenheit von Ersatzspielern.“ Im DFB sind diese Erkenntnisse mit in die Trainerausbildung eingeflossen: „Das Fachliche ist das eine, aber die weichen Faktoren im Umgang mit Menschen, das sind Themen, die wir stärker in den Fokus gerückt haben.“

Der DFB habe zudem, so Haupt, „Performance-Bereiche aufgebaut. Ob das Ernährung ist, Psychologie, neurozentriertes Training bis hin zur Datenanalyse und positionsspezifischem Training. Wir wollen jeden Bereich mit den besten Experten besetzen und diese bestmöglich vernetzen.“ Das Modell Liverpool diene dazu als Vorbild, „weil es dort gelingt, alle Performance-Bereiche auf einem absoluten Top-Niveau weiterzuentwickeln“. Beim DFB glaubt man: „Wenn wir in vielen verschiedenen Bereichen ein, zwei Prozent besser werden, können das die entscheidenden paar Prozent sein, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.“

Klopp: Wird er eines Tages Bundestrainer?

So könnte Klopps FC Liverpool auch Schalke, Werder und die deutsche Nationalmannschaft besser machen. Bis der Übermann dann hoffentlich selber eines Tages Bundestrainer wird.

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