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Turid Knaak im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
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Turid Knaak im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Frauenfußball

Vorbild an Verantwortung

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Warum der deutsche Frauenfußball bisher recht gut durch die Corona-Krise gekommen ist.

Im Sommer hat Turid Knaak ihren Wohnort aus dem Ruhrgebiet nach Spanien verlagert. Der Wechsel von der SGS Essen zu Atletico Madrid – mitten in der Corona-Krise – war für die deutsche Nationalspielerin ein Wagnis, rückblickend bereut ihn die Fußballerin aber „keine Sekunde“. Nur wundert sich die 29-Jährige gerade, wie unterschiedlich Europa mit der Pandemie umgeht. „In Madrid haben die Bars und Restaurants geöffnet, und es gibt nicht viele Einschränkungen. Wir können uns frei bewegen und recht viel machen. Trotzdem gehen die Fallzahlen nach unten.“

Die bis Sommer als Dozentin der Sonderpädagogik an der Universität Köln arbeitende Fußballerin, die derzeit aus dem Homeoffice an ihrer Doktorarbeit schreibt, gilt als klügster Kopf bei den DFB-Frauen. Eine wissenschaftliche Begründung kann sie natürlich auch nicht liefern, will dem deutschen Frauenfußball aber nicht den spanischen Umgang mit dem Virus empfehlen.

Deren Frauen-Liga hätte nämlich lange gestritten, wer die Corona-Tests macht und wer diese bezahlt – mit der Folge, dass die ersten Spieltage ganz ohne Testungen stattgefunden hätten. Erst seit kurzer Zeit wird so getestet, wie es für die Frauen-Bundesliga und die Frauen-Nationalmannschaft seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs obligatorisch ist, der sich streng am DFB-Hygienekonzept orientiert.

Die bereits für die EM qualifizierten DFB-Frauen nahmen ihre Vorbereitung auf die abschließenden Pflichtspiele in Ingolstadt gegen Griechenland am Freitag (16 Uhr/ZDF) und in Dublin gegen Irland am Dienstag (18 Uhr/Sport1) erst auf, nachdem alle Tests negativ ausgefallen waren. Damit fühlt sich auch Knaak sichtlich wohler.

Auffällig ist: Obwohl der deutsche Frauenfußball nicht flächendeckend professionell organisiert ist, gibt es vergleichsweise wenig Corona-Fälle. In dieser Saison sind es erst sechs in der seit September laufenden Frauen-Bundesliga. Diese geringe Zahl, glaubt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, würden „hohe Disziplin, hohe Bereitschaft und vielleicht auch das intensivere Auseinandersetzen mit der Thematik“ zeigen – und das trotz finanzieller Einschränkungen im Vergleich zum Männer-Profibereich.

Die DFB-Frauen wollen auch im Quartier im niederbayerischen Bad Gögging wieder eine Vorbildrolle einnehmen: Die Spielerinnen bewohnen Einzelzimmer auf einer eigenen Etage. Die Maske wird nur beim Training oder Essen abgenommen. Gegessen wird an Dreier- und Vierer-Tischen mit fester Sitzordnung – in zwei getrennten Räumen und zu zwei verschiedenen Zeiten. Jeder der drei Physiotherapeuten nutzt einen eigenen Raum und trägt sogar eine FFP2-Maske. Zwei Busse sind im Einsatz, und wenn eine Besprechung anberaumt ist, meidet das Hotelpersonal den Raum. Kontaktvermeidung, damit die Blase dicht bleibt.

Niemand will das Privileg gefährden, weiterhin Fußball spielen zu dürfen. Das für den 27. Oktober in Wiesbaden geplante Länderspiel gegen England platzte, weil die Gäste wegen einer infizierten Person im Funktionsteam nicht anreisten. „Die Einschläge sind auch bei uns zuletzt ein bisschen näher gekommen. Ich weiß einfach, dass wir von DFB-Seite, von den Klubverantwortlichen immer wieder extrem sensibilisiert werden“, sagt Voss-Tecklenburg. Sie ist von der Bundesliga beeindruckt, „welche Leidenschaft und Positivität dahintersteckt, die Spiele auszutragen.“ Und nirgendwo gebe es ein Jammern, „das ist extrem cool“. Erst zuletzt mussten mit den Partien Turbine Potsdam gegen Werder Bremen und FC Bayern gegen Bayer Leverkusen die ersten Spiele wegen Corona-Fällen abgesagt werden.

Zum Vergleich: In der strukturell ähnlichen dritten Männerliga sind bereits sieben Spiele aus diesem Anlass verlegt worden. Bei einzelnen Drittligisten hatten sich zeitweise an wenigen Tagen so viele Akteure angesteckt wie seit September bei den zwölf Frauen-Bundesligisten zusammen. „Es gibt bei uns ein großes Verantwortungsgefühl“, sagt Marina Hegering, die von der SGS Essen zum FC Bayern wechselte, will das aber mit den Männern „gar nicht so vergleichen“. Trotzdem betont die 30-Jährige: „Wir hatten bemerkenswert wenige Fälle, wenn man bedenkt, dass viele Spielerinnen ja noch arbeiten müssen und mehr soziale Kontakte haben.“

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