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Nicht mehr zu stoppen: Joshua Kimmichs (Mitte) artistischer Nachschuss auf dem Weg ins BVB-Tor. Foto: Andreas Gebert/Reuters/Pool/dpa

Sieg im Supercup

FC Bayern: Von Zuckerl zu Zuckerl

  • vonHanna Raif
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Nach dem Supercup-Erfolg visieren die „Quintuple“-Bayern trotz der ersten Anzeichen von Müdigkeit im eng getakteten Terminkalender schon den nächsten Titel an.

Nicht mal Konfetti-Regen wurde durch die Luft gewirbelt, die Szenerie für die Kür des Supercup-Gewinners war in der leeren Allianz Arena etwas trostlos. Darum musste der Sportvorstand höchstpersönlich ran. „Hasan“, brüllten die Profis beim Siegerfoto in Richtung Ersatzbank – und siehe da: Salihamidzic riss die Arme nach oben und gab den einsamen Fan. Er jubelte dem – gewissermaßen seinem – Team zu, das soeben den fünften Titel im Jahr 2020 gewonnen hatte. Trotz Ausfällen, trotz müder Beine, trotz Mammut-Programm – es gibt schlechtere Abende.

Ein „Riesenkompliment an die Mannschaft“ kam von Hansi Flick, kurz nachdem die offizielle Aufnahme für das DFL-Archiv im Kasten war. Der Coach hatte beim 3:2 gegen Borussia Dortmund beobachten können, was offensichtlich war. Dass das Gipfeltreffen der vermeintlich besten deutschen Teams „kein einfaches Spiel“ gewesen war, sondern eines „auf Augenhöhe“. Und dass „tolle Moral, Mentalität“ sowie ein Tor mehr den Ausschlag für den nächsten Erfolg gegeben hatten. „Letzlich“, das wollte Flick betonen, „auch verdient“. Denn sein Team habe „gekämpft und sich belohnt – mit der Einstellung, dass wir an uns glauben.“

Dieser Charakter zeichnet die Bayern ja seit bald einem Jahr aus, daran konnte auch eine Niederlage wie zuletzt in Hoffenheim nichts ändern. Selbst beim Blick auf die nächste Trophäe in der Kabine merkten das Team um die Torschützen Corentin Tolisso, Thomas Müller und Joshua Kimmich, dass es noch lange nicht genug hat. Noch vor dem Duschen war die Klub-WM – und somit der letzte noch zu vergebene Titel des Jahres – schon Gesprächsstoff. Flick stellte klar: „Ich glaube, dass unsere Spieler das möchten“, er würde ihnen das Zuckerl gönnen. Allerdings müsse man „einen Termin finden, was sicherlich nicht so einfach ist“. Ursprünglich war das Kräftemessen der weltbesten Teams für vor Weihnachten in Katar vorgesehen. Nun steht ein Termin Anfang 2021 im Raum. Also nach mindestens drei weiteren kräftezehrenden Monaten in diversen Wettbewerben.

Die ersten Verschleißerscheinungen haben sich in der laufenden Woche schon bemerkbar gemacht. Leroy Sané fällt länger aus, David Alaba ist wie Leon Goretzka (Rücken) angeschlagen. Und wie sich der hart erarbeitete Sieg gegen den BVB auf die Fitness der – Stand: fünf Tage vor Transferschluss – wenigen Stammkräfte auswirken wird, musste Flick erst abwarten. Immerhin die Köpfe seiner Spieler blieben nach dem Last-Minute-Erfolg oben, anders als jene der Dortmunder. Als „extrem bitter“ bezeichnete Keeper Marvin Hitz die Pleite, zu der Lucien Favre korrekt anmerkte: „Wir konnten dieses Spiel auch gewinnen.“

Dortmund nah an Führung

Der BVB-Trainer sprach dabei vor allem die Phase an, in der die Gäste nach Treffern von Julian Brandt und Erling Haaland plötzlich Oberwasser hatten – und die Bayern kurzzeitig schwammen. „Es war unsere Schuld, wir haben Dortmund wieder ins Spiel gebracht“, sagte Manuel Neuer, der das 3:2 durch Haaland stark verhindert hatte. Auch Flick sagte: „Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht.“ Wie schon beim 1:4 in Hoffenheim stimmte die Positionierung nicht mehr, das Stellungsspiel war mangelhaft, die Ballverluste häuften sich. „Das war nicht optimal, das müssen wir besser machen. Wir werden diese Punkte ansprechen“, führte der Coach aus.

Am Sonntag (18 Uhr) gastiert Hertha BSC Berlin in der Arena. Da gibt es keinen Titel, aber Punkte. Auch über die würde sich Salihamidzic freuen.

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