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Will endlich auch für Polen jubeln in einem großen Turnier: Robert Lewandowski.
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Will endlich auch für Polen jubeln in einem großen Turnier: Robert Lewandowski.

Fußball-EM

Von Weltstars und Weltverbesserern

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Jeder EM-Teilnehmer bringt seine eigene Geschichte mit – und manch einer schreibt sie sogar selbst.

Der Weltstar, der endlich auch sein Land beglücken will. Der Jungstar, der politischen Einfluss ausübt. Der Kapitän, der kluge Kolumnen schreibt – bei der EM geht’s nicht nur um das, auf dem Fußballplatz passiert.

Robert Lewandowski (Polen): Sein erstes großes Turnier war die EM 2012, die zur Hälfte in Polen stattfand. Man konnte damals an der Skyline Warschaus sehen, welche Bedeutung Lewandowski in seinem Heimatland hat: Sein Abbild nahm ganze Hochhausfassaden ein – Sponsor Nike hatte in großem Stil plakatiert. Damals war der Stürmer mit Borussia Dortmund zwar Deutscher Meister geworden und sicherlich die größte Pretiose im polnischen EM-Kader, doch eben noch nicht mehr als der Star seiner Generation. Neun Jahre später ist er das Beste, was das Land im Fußball je hervorgebracht hat. Er steht über Grzegorz Lato, dem Torschützenkönig der WM 1974, und über Zbigniew Boniek, der in den 80er-Jahren mit Juventus Turin Europa- und Weltpokal gewann und nun als Verbandspräsident fungiert. Robert Lewandowski ist der derzeitige Weltfußballer, er ist an Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, den Seriensiegern dieser Wahl, vorbeigezogen.

Das bedeutet allerdings auch: Er muss seinem Status als Spieler des FC Bayern München auch in der Nationalmannschaft gerecht werden. Obwohl dort ohne ihn nichts geht – auf einen Erfolg bei einem der großen Turniere wartet der Superstürmer noch. 2012 blockierten ihn die Erwartungen – er erzielte ein Tor. Für die WM 2014 konnte Polen sich gar nicht qualifizieren. Bei der EM 2016 gelang ihm nur ein Treffer, im Viertelfinale gegen Portugal, das sich im Elfmeterschießen durchsetzte.

Die WM 2018 in Russland geriet zum persönlichen Desaster Lewandowskis. Er war außer Form, blieb torlos, obwohl er jede der 270 Vorrundenminuten spielte. Vernehmbar war das auch über sein Management transportierte Klagen über zu wenig Unterstützung und über seinen Wunsch, auch einen neuen Klub zu erleben. Seine beiden Mannschaften haben ihm das nachgesehen, inzwischen sind die Beziehungen wieder glücklicher Natur. Für Polen anzutreten, ist für Lewandowski Ehrensache. Sogar gegen Andorra spielte er.

Marcus Rashford (England): Für seine 23 Jahre hat er schon viel erreicht. Er ist Dr. h.c. (Ehrendoktor) an der Universität von Manchester. Die Queen ernannte ihn zum Member des Order of the British Empire. Diese Auszeichnungen hatten primär natürlich nichts mit seiner Fußballkunst zu tun, allenfalls indirekt: Seine Popularität als Spieler von Manchester United nutzte er, um soziale Projekte durchzusetzen, die ihm am Herzen liegen.

1,7 Millionen englische Kinder aus prekären familiären Verhältnissen verdanken ihm ihr tägliches Mittagessen an der Schule. Auch während der Ferien und der Corona-Pandemie wurden sie dort versorgt – weil Rashford das teils aus eigener Tasche finanzierte, vor allem aber über seine Lobbyarbeit mit einer Petition an die Regierung erreichte. 190 Millionen Euro investierte die Politik. Rashfords Antrieb: Er hatte ebenfalls eine von Armut geprägte Kindheit im Vorort Manchesters. Noch heute besucht er diese Gegend regelmäßig. Rashford ist zu einem Wortführer und Influencer im englischen Fußball geworden. Auch bei der Kritik am Projekt Super League war er sofort vorne mit dabei, obwohl er finanziell sicher ein Nutznießer dieser Idee gewesen wäre. Er stellte sich gegen die Pläne des eigenen Vereins und auf die Seite der Fans. Und: Ein ganz guter Offensivspieler ist Marcus Rashford natürlich auch, ein Hoffnungsträger der Engländer. In vielen Bereichen.

Artjom Dsjuba (Russland): Für Russland lief es als Gastgeber der WM 2018 viel besser als erwartet, bis ins Viertelfinale spielte sich das Team, es bezwang sogar Spanien. Und er war einer der auffälligen Spieler: Artjom Dsjuba von Zenit St. Petersburg. Kein geschmeidiger Stürmer, sondern eine Kante. Einer, den man einwechselt, weil er dem Gegner schon Angst macht, wenn er spielbereit an der Seitenlinie steht.

Bei Dsjuba kam dazu: Kurz bevor Trainer Stanislav Tschertschessow ihn aufs Feld schickte, ließ er ihn immer noch an einem Fläschchen riechen. Um die Substanz darin machten die Russen ein Geheimnis und waren beleidigt, als man ihnen Doping unterstellte. Dsjuba soll neben dem derzeitigen Star des Landes, Alexander Golowin von AS Monaco, die „Sbornaja“ stützen – da St. Petersburg einer der zentralen Austragungsorte ist, findet er Heimspielatmosphäre vor, und er ist Teamkapitän.

Allerdings stand seine Nominierung auf der Kippe. Im Herbst 2020 war im Internet ein Video aufgetaucht, das zeigte, wie Dsjuba Hand an sich legte. Tschertschessow verzichtete bei der November-Maßnahme mit den letzten Partien der Nations League auf ihn. Dsjuba nannte sich selbst einen „Sünder“, inzwischen hat sich die Er..., äh, die Aufregung wieder gelegt.

Sasa Kalajdzic (Österreich): Stürmer mit Giraffenhals, zwei Meter groß. In Interviews überrascht der Österreicher mit bosnischen Wurzeln mit seinem Wiener Schmäh. Und mit besonderer Offenheit: Er kann sich auch mal ärgern, wenn er gut gespielt hat – was für den VfB Stuttgart in seiner ersten Bundesligasaison häufig der Fall war.

Legendär: Er hatte zwei Tore erzielt, aber haderte, dass er sich im Managerspiel „Kickbase“ nicht aufgestellt hatte. Die virtuelle Welt hat der 23-Jährige immer im Kopf, und sein Blick auf Spiele ist amüsant und ehrlich. In Österreichs Nationalteam spielt Sasa Kalajdzic noch nicht lange, er war als Jugendlicher an keiner Akademie, fiel durchs Sichtungsraster. Und beim VfB Stuttgart zog er sich 2019 kurz nach seiner Vertragsunterschrift für die zweite Liga einen Kreuzbandriss zu. Doch in der Saison 2020/21 war er dann einer der Aufsteiger in der Bundesliga.

Goran Pandev (Nordmazedonien): Im EM-Monat Juni feiert er tatsächlich das 20-jährige Jubiläum als Nationalspieler: Mit 17 erhielt Goran Pandev 2001 seine erste Berufung in die mazedonische Nationalelf, mit mittlerweile Nordmazedonien erlebt er nun bei der EM seine erste Turnierendrunde. „Das Nationaltrikot ist mir heilig“, sagt er. Als er im November 2020 sein Land zur EM schoss (natürlich gelang ihm das entscheidende Tor gegen Georgien), sagte er: „Gott hat mich auserwählt.“ Der Vereinsfußball zu Hause ist für ihn uninteressant. Seine Profikarriere hat der Stürmer in Italien (und mit einem Jahr Unterbrechung in der Türkei) verbracht, mit Inter Mailand hat er 2010 die Bayern im Champions-League-Finale geschlagen. Die vergangenen sechs Jahre kickte er für CFC Genua. Doch er ist seiner Geburtsstadt Strumica immer verbunden geblieben: Dort betreibt er ein Café. „19“ – wie seine Rückennummer, die zur Marke wurde.

Im März hat Pandev mit 37 das 2:1-Siegtor gegen Deutschland geschossen, die spontane Feier mit nordmazedonischen Fans vor dem Stadion in Duisburg hat gezeigt, welches Standing er bei seinen Landsleuten hat. Pandev will mit dann 38 das Rückspiel gegen die DFB-Elf noch mitnehmen und anschließend in einen neuen Job wechseln. Er wird Sportdirektor des nordmazedonischen Fußball-Verbandes.

Tim Sparv (Finnland): In einigen nerdigen Fußballgeschichten kam der Mittelfeldspieler schon vor. Da ging es um den dänischen Klub FC Midtylland, der mit innovativem Scouting und Datenerhebungen herauszufinden versucht, welcher Spieler besonders gut zu ihm passen könnte – und Tim Sparv, der Finne, der 2013/14 in der deutschen zweiten Liga bei SpVgg Greuther Fürth spielte, war einer. Mit Midtjylland gewann er dreimal die dänische Meisterschaft. Inzwischen hat ihn seine internationale Reise, die mit 16 beim FC Southampton in England begann, nach Griechenland geführt. Als Kapitän führte er Finnland zur ersten EM-Teilnahme. Das ist nun seine große Story. Denn Tim Sparv schreibt auch gerne. Auf seiner Website verfasst er auf Englisch regelmäßig Essays über Fußball, zudem gehört eine finnische Zeitung zu seinen Abnehmern, und einen Auftrag der „11Freunde“, den Aufstieg des finnischen Fußballs zu ergründen, nahm er mit dem Hinweis, es sei ihm eine Ehre, an. Der 34-Jährige lädt auch die Fans ein, mit ihm jederzeit über Social Media in Kontakt zu treten.

Marcus Berg (Schweden): Anhänger des Hamburger SV bekommen immer noch Zorneswallungen, wenn der Name fällt. Marcus Berg war einer der Transfers, mit denen der Klub seinen langsamen Niedergang einleitete. Zehn Millionen Euro ließ der HSV sich 2009 den Schweden kosten. Er war beeindruckt, dass der Schwede Torschützenkönig der U21-EM geworden war, und auch seine Quote beim FC Groningen in den Niederlanden hatte gestimmt. Vier Jahre verbrachte Berg dann beim HSV, der nach wenigen Wochen schon feststellen musste: Fehleinkauf. Nur eine Saison lang konnte man ihn verleihen, bis zum Vertragsende 2013 musste man ihn aber bezahlen. In der Bundesliga lief er nur 54 Mal auf. Er erzielte fünf Tore – kärglich für einen Mittelstürmer.

Bei der EM 2021 nun ein Wiedersehen mit Marcus Berg, inzwischen 34 Jahre alt – und bei den Schweden nach dem Ausfall von Zlatan Ibrahimovic wieder ein bisschen wichtiger geworden. Jedenfalls ist Berg ein Stehaufmännchen. Nach der ernüchternden Zeit beim HSV fiel ihm in Griechenland wieder ein, wo das Tor steht. 2017 wechselte er in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo viele Karrieren ausklingen. Seine nicht. Marcus Berg war gut genug, um den russischen Erstligisten FC Krasnodar für sich zu interessieren. Er kann noch immer mithalten. Stürmerkarrieren – oft unergründlich.

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