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Von Kletten befallene Riesen

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Von: Daniel Schmitt

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Darmstädter Freude: Torwart Schuhen und Traumtorschütze Holland sind Garanten für den Sieg. dpa
Darmstädter Freude: Torwart Schuhen und Traumtorschütze Holland sind Garanten für den Sieg. dpa © dpa

Die zweite Liga treibt es im Aufstiegsrennen auf die Spitze, kaum etwas ist vorhersehbar - die FR probiert es trotzdem.

Theorie eins, die wichtigste: Sicher ist in diesem fast schon absurd engen Aufstiegsrennen der Zweiten Bundesliga drei Runden vor Ultimo nichts.

Theorie zwei, die freilich wie alle folgenden von Theorie eins eingeschränkt wird: Werder Bremen zieht es durch nach dem überzeugenden 4:1-Erfolg im Spitzenspiel gegen Schalke 04 und kehrt nach nur einem Jahr Abstinenz sofort zurück in die Bundesliga. Der Punktevorsprung und ein vergleichbar leichtes Restprogramm (Kiel, Aue und Regensburg) genügen für den Aufstieg. „Wir wollen die Position, die wir haben, nicht mehr hergeben“, sagt der Werder-Erwecker und Trainer Ole Werner.

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Theorie drei: Die Gelsenkirchener, aktuell Zweiter, werden noch ein bisschen zittern, letztlich dem SV Werder aber folgen, haben sie doch trotz der Pleite weiterhin alles in eigener Hand. „Strich drunter, Kopf hoch, es ist gar nichts passiert“, sagt Sportchef Rouven Schröder. Wohlgemerkt: Derart sicher, wie manch einer die Königsblauen nach der 5:2-Demonstration von Darmstadt in der Vorwoche bereits zurück in Liga eins verortete, ist der Aufstieg nun nicht mehr. Schalke hat immerhin das schwierigste Restprogramm der Erstligakandidaten, muss noch zweimal auswärts ran, zudem mit St. Pauli und Nürnberg gegen zwei direkte Konkurrenten. „Wir haben in den vergangenen Wochen nicht angefangen zu spinnen und gedacht, wir könnten über Wasser gehen. Auch jetzt bleiben wir klar“, sagt Übergangscoach Mike Büskens. Wird also reichen, irgendwie halt.

Theorie vier: Der Hamburger SV, dritter Zweitligariese im Bunde, hat noch einmal Mut gefasst, wirft jetzt alles rein, wird nach dem überaus dramatischen 4:2-Sieg in Regensburg auch seine drei verbleibenden Begegnung gegen schwächere Teams gewinnen, packt’s am Ende aber doch knapp nicht. Warum? Weil der HSV eben immer Vierter wird, ist längst so was wie ein Zweitligagesetz.

Darmstadt ist wieder Dritter

Theorie fünf: Der 1. FC Nürnberg, zurückgefallen auf Rang sechs nach dem sonntäglichen 2:4-Tiefschlag gegen Sandhausen, gibt natürlich nicht auf, wird vor dem finalen Spieltag aber keine Aufstiegschance mehr haben. Immerhin: Dann ist Schalke 04 zu Gast im Frankenland, der befreundete Klub aus dem Pott. Kann man wenigstens gemeinsam deren Erstligarückkehr feiern.

Theorie sechs, die aus lokalpatriotischer Sicht ausführlichste: Darmstadt 98 hat dem FC St. Pauli im Spitzenspiel light, Dritter gegen Vierter, mit seinem 2:1 (2:0)-Auswärtserfolg den entscheidenden Hieb versetzt und schafft es deshalb, den aktuell besetzten Relegationsrang drei mit einem vergleichsweise leichten Restprogramm (Heimspiele gegen Aue und Paderborn, dazwischen in Düsseldorf) abzusichern. St. Pauli gibt sich zwar nicht auf, scheitert aber am harten Restprogramm (Nürnberg, Schalke, Düsseldorf). Die beiden Entscheidungsspiele gegen den Sechzehnten der Bundesliga am 19. und 23. Mai können im Darmstädter Kalender daher bereits vorgemerkt werden.

Lilien-Trainer Torsten Lieberknecht, der die Partie im ausverkauften Stadion am Millerntor wegen einer Gelbsperre weit droben auf der Haupttribüne im Stehen beobachtete,sagt: „Jetzt haben wir 54 Punkte und damit mehr als zum Ende der vergangenen Saison. Wir wissen, dass es weiter eng bleiben wird und wollen entsprechend wie eine Klette dranbleiben und uns nicht abschütteln lassen.“

Den Erfolg in Hamburg errangen die Darmstädter im Übrigen so, wie sie die restlichen Spiele auch bestreiten wollen: leidenschaftlich. Nach den Toren von Luca Pfeiffer zum 1:0 (9.) und Fabian Holland zum 2:0 (35.), der den Ball aus spitzestem Winkel ins Gästetor drosch und damit für den schönsten Fußballmoment des Spieltages sorgte, verteidigten die Hessen in Abschnitt zwei (fast) alles weg. Nur Paulis Lukas Daschner (81.) traf noch. „Wir waren ein totales Bollwerk“, sagt der starke Darmstädter Torwart Marcel Schuhen und bilanziert: „Es ist total geil.“ Eine Aussage, die nicht nur für die Lage des SVD im Speziellen, sondern auch für den spannenden Aufstiegskampf im Allgemeinen herhalten kann.

Denn, Theorie sieben: Am besten erneut Theorie eins lesen.

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