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Von Gräben zu Schluchten

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Von: Jan Christian Müller

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Verzichtet ab sofort auf den Sponsorenname auf dem Trikot: Schalke 04. Foto: dpa
Verzichtet ab sofort auf den Sponsorenname auf dem Trikot: Schalke 04. © dpa

Es ist ein Jammer, dass der Sport im großen Weltgeschehen keinen Halt als Klebstoff entfalten konnte. So stark ist er nicht. Ein Kommentar.

Vorweg ein besonderes Lob an den FC Schalke 04: kein Rumgeeiere, kein Sich-Winden, sondern eine unmissverständliche Reaktion: Gazprom runter vom königsblauen Trikot, raus mit dem Gazprom-Mann aus dem Aufsichtsrat. Der Verzicht auf die Trikotwerbung mit dem russischen Gaskonzern kann teuer werden für die Knappen mit ihrer knappen Kasse. Deshalb, weil es so wehtut, gebührt Königsblau Respekt für den Vertragsbruch. Was ihm Verträge wert sind, demonstriert ja gerade Wladimir Putin: nichts!

Der klare Kante der Schalker sollten und müssen weitere Reaktionen folgen. Solche, die sich an Sebastian Vettel orientieren, der einen Start beim Formel-1-Rennen im russischen Sotschi für sich ausschließt. Das Rennen im September dort am schönen Schwarzen Meer gehört abgesagt, das Champions-League-Finale im Mai darf nicht in Wladimir Putins Geburtsstadt St. Petersburg ausgetragen werden, Skicrossrennen am Ural, ATP- und WTA-Tennisturniere in Moskau – alles ist auszusetzen.

Kein Halt durch den Sport

Heilende Wirkung werden derartige Sanktionen natürlich nicht haben, dafür sind die Wunden, die Putin nun auch in die Sportwelt gerissen hat, viel zu großflächig. Aber es sind notwendige operative Reaktionen. Die Putin allerdings zum Anlass nehmen dürfte, sie in seinem Sinne propagandistisch auszuschlachten.

Es ist ein wahrer Jammer, was da gerade in der Ukraine passiert, und es ist außerdem ein Jammer, dass der Sport im großen Weltgeschehen keinen Halt als Klebstoff entfaltet. So stark ist er nicht, Olympische Sommerspiele 2008 in Peking, Sommer-Universiade 2013 in Kasan, Winter-Olympia 2014 in Sotschi, Confed-Cup 2017 in Moskau, St. Petersburg, Kasan und Sotschi, Fußball-WM 2018 in Russland, Olympische Winterspiele 2022 in Peking. Deutsche Fußballprofis und prominente deutsche Trainer in China (Felix Magath, Roger Schmidt, Uli Stielike, Bernd Schuster) und aktuell vermehrt auch in Russland (Sandro Schwarz, Markus Gisdol, Daniel Farke) – und doch wächst nichts wirklich zusammen. Stattdessen genau das Gegenteil im Verhältnis vieler Demokratien zu Russland und China: Gräben, die zu Schluchten werden. Auch der Sport hat sich verhoben.

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