Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zwei Gewinner: Hansi Flick und Antonio Rüdiger. Foto: AFP
+
Zwei Gewinner: Hansi Flick und Antonio Rüdiger.

Nationalmannschaft

Von Gewinnern und Verlierern

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

Auf Hansi Flicks erster Dienstreise mit dem DFB-Team haben sich viele Spieler empfehlen können - manche sind aber auch in der Gunst des Trainers gesunken.

Pleiten, Pech und Pannen sollten im Deutschen Fußball-Bund eigentlich der Vergangenheit angehören. Am Mittwochabend lagen sie sich noch im unwirtlichen Regen von Reykjavik in den Armen. Das 4:0 (2:0) auf Island schmückte die Startbilanz des neuen Bundestrainers Hansi Flick auf 12:0 Tore und neun Punkte auf. Mehr als die halbe Strecke zur WM nach Katar sind absolviert. Aber Flick war es nicht nur ein besonderes Anliegen gewesen, Tore zu schießen und Punkte zu holen, sondern auch, dass seine Nationalspieler früh zurück bei ihren Vereinen sein würden. Als vormaliger Bayern-Chefcoach weiß er, wie sehr es die Klubs ärgert, wenn ihre hochbezahlten Angestellten auch nur eine halbe Nacht zu lange bei ihren Nationalmannschaften weilen.

Alles war präzise geplant, doch dann machte eine erst nach dem Start bemerkte technische Panne am Flugzeug die Reiseplanungen zunichte. Schaut man sich die Gewinner und Verlierer der ersten zwölf Tage unter Flick an, gehört die litauische Charterfluggesellschaft KlasJet zweifellos zu den Verlierern, die Bayern-Profis Manuel Neuer, Serge Gnabry und Joshua Kimmich und England-Legionäre zu den Gewinnern, weil sie mit eigenen Fliegern direkt in ihre Heimatorte geflogen wurden.

Sportlich sieht das Zwischenfazit so aus, sollte jedoch aufgrund der Dritt- und Viertklassigkeit der Gegner Armenien, Island und Liechtenstein in der gebotenen Nüchternheit interpretiert werden:

Hansi Flick darf sich durchaus auf Platz eins der Gewinnerliste einordnen, auch wenn der 56-Jährige das natürlich selbst nie tun würde. Sein rhetorisches Geschick mag ausbaufähig sein, sein Umgang mit den Spielern und Mitarbeitern und seine Idee eines aggressiven Angriffspressings ist es offenbar nicht.

Leon Goretzka und Joshua Kimmich haben eindrucksvoll bestätigt, dass sie in der Mittelfeldzentrale Rhythmus und Takt vorgeben können und sich perfekt ergänzen. Sowohl in der Balleroberung als auch als Vorbereiter bewegen sich die beiden Kumpels auf Topniveau. Hinzu kommt ein Maß an Intelligenz und Empathie auch für Themen abseits des Fußballplatzes, das Maßstäbe setzt.

Niklas Süle und Antonio Rüdiger sind freudlos aus der Europameisterschaft herausgekommen und freudvoll in die Fortsetzung der WM-Qualifikation eingestiegen. Vor allem dem Münchner Süle hatte man das nach langwierigen Verletzungproblemen nicht unbedingt zugetraut. Der stämmige Innenverteidiger hat sowohl im Defensivverhalten als auch in der Angriffsbewegung zurück zur Topform gefunden. Zusammen mit Rüdiger, der sogar fulminant per Kopfball gegen Island traf, war er ein Garant für null Gegentore.

Leroy Sané und Serge Gnabry gehörten zu den am härtesten kritisierten Mitgliedern des EM-Kaders. Ihre Leistungen und Körpersprachen bei der Europameisterschaft mündeten in brachialen Shitstürmen, Zwei Monate später traten sie auf, als sei nie etwas gewesen. Oder brauchten beide gerade diesen Anstoß der geballten Kritik, um ihre Leistungsgrenzen zu touchieren? Beim 6:0 gegen Armenien und auf Island gelang den beiden Supertechnikern das eindrucksvoll. Und zwar ausdrücklich nicht nur mit dem Ball am Fuß, sondern im gesamten Laufverhalten offensiv und defensiv..

Thilo Kehrer und Jonas Hofmann gehörten bislang allenfalls zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Nach ihren soliden Vorstellungen unter Flick als linker oder zentraler Verteidiger (Kehrer) und rechts hinten mit viel Drang nach vorn (Hofmann) dürfen sie sich konkret mit Stammplatzansprüchen beschäftigen.

Jamals Musiala, Florian Wirtz und Karim Adeyemi bestätigten das Vertrauen, das Flick in die Jugend gesetzt hatte. Technisch allesamt hochveranlagt, jeweils mit Drang zum Tor und ohne Furcht vor der nationalen Aufgabe.

Timo Werner schoss als einziger in jedem Spiel ein Tor, spielte als einziger in jedem Spiel durch. Die offenkundigen technischen Schwächen in zwei einfachen Abschluss-Situation gegen Island bleiben Werner-typisch.

Mads Buttgereit hat als Spezialtrainer für Standards den ersten Erfolg zu verzeichnen: Chip-Freistoß Kimmich, Kopfball Rüdiger. Tor. War im Training genauso eingeübt.

Wo Sieger sind, bleiben auch Verlierer zurück:

Ridle Baku agierte gegen Liechtenstein derart schwach, dass er sowohl seinen Platz als rechter Verteidiger an Hofmann als auch seinen Kaderplatz für den Trip nach Island verlor.

Kevin Trapp ist in der Torhüter-Hierarchie hinter Bernd Leno zurückgefallen, der Manuel Neuer gegen Liechtenstein vertreten durfte. Für den ehrgeizigen Trapp unter dem neuen Torwarttrainer Andreas Kronenberg ein deutliches Zeichen. Wenn André ter Stegen gesund zurückkehrt, droht dem Keeper von Eintracht Frankfurt die Nichtnominierung,

Mo Dahoud, Nico Schlotterbeck und Florian Neuhaus kamen in den knapp zwei Wochen jeweils zu keiner Minute Einsatzzeit. Besonders für den Mönchengladbacher Neuhaus ist das eine Enttäuschung. Der Mittelfeldspieler war schon bei der EM trotz guter Vorbereitung außen vor geblieben.

Marcus Sorg ist nicht mehr der erste Assistent an der Seite des Bundestrainers, sondern in dieser Rolle vom erst 32-jährigen Danny Röhl abgelöst worden. Sorg muss jetzt die Ersatzspieler beim Sprinttraining nach dem Spiel überwachen und die Auswechslungen anzeigen. Er sieht nicht glücklich aus.

Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng fehlten verletzt oder mit Trainingsrückstand. Ihre Namen fielen interessanterweise kaum einmal.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare