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Auch die DFL ist dieser Tage etwas in Schieflage geraten.

Bundesliga

Virenfreie Sonderzone gesucht

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Vor seiner ersten virtuellen Mitgliederversammlung setzt der Profifußball darauf, dass seine Argumente in der Politik Gehör finden und die Saison zu Ende gebracht werden kann. Doch Zweifel bleiben.

Das gab es in der mittlerweile ziemlich verwaisten Zentrale der Deutschen Fußball-Liga (DFL) im Frankfurter Westend auch noch nie: dass per Knopfdruck eine außerordentlichen Mitgliederversammlung auf virtuellem Wege veranstaltet wird. Der Startschuss über das Kommunikationstool Teams erfolgt um 10.30 Uhr, und vorausgesetzt, dass auch an Standorten wie Sandhausen stabile Internetverbindungen bestehen, sind auch Anmerkungen über die Chatfunktion erlaubt. Wäre ja lästig, würden die Vertreter der 36 Lizenzvereine sich gegenseitig ins Wort fallen. Wobei die DFL-Geschäftsführung mit Christian Seifert an der Spitze nicht mit kontroversen Debatten rechnet. Nur noch Formsache ist die Zustimmung, die Erste und Zweite Bundesliga mindestens bis zum 30. April pausieren zu lassen. Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, geht von einem 36:0-Beschluss aus.

Dem Vernehmen nach ist die DFL in dieser einmaligen Krise zu Zugeständnissen bei der Lizenzierung bereit, die jetzt vorgestellt werden. Jeder Klub war aufgefordert, sein Wort-Case-Szenario zu übermitteln. Ein Saisonabbruch würde 750 Millionen Euro kosten und dem Vernehmen bereits einige Erstligisten in Schwierigkeiten bringen. Der von Seifert ausgerufene „Kampf ums Überleben“ hat mancherorts bereits begonnen, wo Erkundigungen über Kreditlinien und Bürgschaften anlaufen.

„Der Fußball braucht eine Ausnahmegenehmigung“, ist aus DFL-Kreisen zu hören. So wie Seifert eingestand man stelle „ein Produkt“ her, möchte auch der Profifußball in absehbarer Zeit wie andere Produktionsstätten betrachtet werden, an der mehrere Menschen zusammenkommen dürfen. „Bundesliga mit Publikum und Fans wird mit das Letzte sein, was wir wieder öffnen“, sagte FDP-Chef Christian Lindner am Montag im Talk der „Bild“-Zeitung.

Zwei Argumentationsstränge verknüpfen die Ligamacher, um skeptische Politiker zu überzeugen: Die Verantwortung für einen Wirtschaftszweig mit fast fünf Milliarden Gesamtumsatz und 56 000 Beschäftigten, von denen das Gros die Angestellten auf der Geschäftsstelle oder im Fanshop, Teilzeitkräfte beim Catering, oder bei den Sicherheitsdiensten sind. Zum anderen wird die besondere soziale und gesellschaftliche Rolle angeführt, den Menschen mal wieder Ablenkung zu bieten, sollte die Zahl der Infizierten beherrschbar sein.

Nur wann kann das sein? „Vielleicht spielen wir auch erst im Juni“, hat Bobic gemutmaßt, der in der DFL-Kommission Fußball zu den einflussreichsten Mitgliedern gehört. Neueste Planspiele sehen offenbar einen Bundesligabetrieb bis Mitte Juli vor. Mit großem Wohlwollen hat die Liga die von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin angedachte Ausweitung der Saison bis in den Sommer aufgenommen. Demnach könnten Champions League und Europa League – im ureigenen Interesse des europäischen Dachverbandes – bis in den August gestreckt werden.

Vorher wird vom Weltverband Fifa erwartet, dass die Abstellungsperiode für Nationalspieler Anfang Juni ersatzlos entfällt. Auch eine einheitliche Regelung, die am 30. Juni auslaufenden Verträge auszudehnen, bräuchte es noch, sollte aber nach Dafürhalten renommierter Sportjuristen möglich sein.

Die DFL arbeitet nach eigenen Angaben „unter Hochdruck an Konzepten, Spiele zu gegebenem Zeitpunkt auch ohne Stadionzuschauer und mit einem Minimaleinsatz von Arbeitskräften durchzuführen“. Den Sitzungsteilnehmern werden jetzt verschiedene zeitliche und organisatorische Modelle vorgestellt; nicht auf der Tagesordnung steht ein Saisonabbruch. Notfalls sollen die Partien ohne Stadionzuschauer in kurzer Folge zur Prime-Time über die ganze Woche verteilt werden. Nachrangig ist bislang ein Szenario im Turniermodus, bei dem mehrere Spiele an einem Ort stattfinden und die Teams regelrecht kaserniert werden. Gleichwohl bestehen kaum Denkverbote. Ausgeschlossen ist nur, dass die am 25. Spieltag abgebrochene Saison über K.o.-Spiele, Elfmeterschießen oder Kleinfeldspiele entschieden wird.

Am schwierigsten dürfte es werden, die Behörden davon zu überzeugen, dass vom Kicker-Business keine neue Ansteckungsgefahr ausgeht. Eine Minimierung der Berührungspunkte soll helfen. Dafür müssten die Klubs an Spieltagen ihren Staff reduzieren, automatisierte Kameras könnten zum Einsatz kommen, Kommentatoren würden im Fernsehstudio sitzen. Der Ball würde quasi unter klinischen Bedingungen rollen, damit der Erreger kein Einfallstor vorfindet. Bliebe das Risiko, dass innerhalb der Mannschaft oder im Betreuerstab doch neue Fälle auftreten. Nachdem die Covid-19-Erkrankung selbst bei jüngeren Menschen teilweise schwere Verläufe nehmen kann, stehen alle Planspiele auf wackligen Füßen, der Pandemie mit der verbindenden Kraft des Fußballs zu trotzen.

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