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Vielfältige Visionen

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Von: Frank Hellmann

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Hört beim VfL Wolfsburg bald auf: Almuth Schult. imago images
Hört beim VfL Wolfsburg bald auf: Almuth Schult. imago images © imago images/Hübner

Torhüterin Almuth Schult hält sich ihre Zukunft ab Sommer offen - eine Option ist die USA.

Es ist gewiss ein Vorteil, dass Almuth Schult sich bis heute weigert, einen Account in den Sozialen Medien zu pflegen. Sie findet die virtuelle Welt zu stressig, zu schnelllebig, zu oberflächlich. „Wenn einer mal nicht direkt antwortet, ist das schon wieder der halbe Weltuntergang“, sagte die Nationaltorhüterin einmal im FR-Interview. Derzeit erspart sich die 30-Jährige mit der Absenz auf Instagram oder Facebook ausufernde Spekulationen über ihre Zukunftspläne. Entschieden hat die charismatische Persönlichkeit bislang nur, dass sie ihren Vertrag beim VfL Wolfsburg am Saisonende nach neun Jahren nicht mehr verlängert. Mitten in der Saison wolle sie nicht von Abschied sprachen, „dafür ist im Sommer Zeit“, ließ sie in der vom Verein verschickten Mitteilung verlauten. Ein Wechsel zum Meister FC Bayern oder ins europäische Ausland ist unwahrscheinlich – auch aufgrund ihrer privaten Verpflichtungen als Zwillingsmama.

„Das Glück ist, dass ich sehr viele Optionen habe“, insistierte sie zuletzt im Podcast „Female view on football“ und kokettierte durchaus mit ihren vielfältigen Visionen.

Das Ergebnis von Familiengesprächen sei gewesen, dass es eine Lösung A gebe, „die wir bevorzugen. Wenn die nicht funktioniert, haben wir noch B und C“. Spruchreif sei aber noch nichts. Ein Leichtes wäre, ihre Tätigkeit als TV-Expertin bei der ARD auszudehnen, zumal sie im EM-Sommer deutlich bessere Kritiken als beispielsweise Bastian Schweinsteiger erhielt. Oder lockt sie ein auf einige Monate beschränktes Engagement in der amerikanischen Profiliga NWSL?

Aus dem engeren Umfeld heißt es, dass die Torfrau, die mit dem Olympiasieg 2016 ihren größten Erfolg bei den DFB-Frauen feierte, durchaus noch Lust auf Fußball habe. Ein Abenteuer im Lande der Weltmeisterinnen könnte sie reizen.

Dritte Option ist ein verstärktes Engagement in der Frauen-Initiative „Fußball kann mehr“ unter Leitung von Katja Kraus. Die Gruppe will noch im ersten Quartal des Jahres in eine gemeinnützige GmbH aufgehen und dann ihre Tätigkeiten in organisierter Form bündeln – Schult könnte eines der wichtigsten Sprachrohre werden. Aber auch das muss keine hauptberufliche Tätigkeit sein.

Spannend wird ihre Zukunft im Nationalteam, in dem nach dem verlorenen WM-Viertelfinale 2019 gegen Schweden kein weiterer Einsatz hinzugekommen ist. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg betont, dass Merle Frohms von Eintracht Frankfurt die Nummer eins sei – und an diesem Status gibt es auch wenig zu rütteln.

Sollte Schult im Sommer nicht weiterspielen, macht es mit Blick auf die darauf folgende WM 2023 in Australien und Neuseeland kaum einen Sinn, die drei Jahre jüngere Frohms wieder ins zweite Glied zu versetzen. Schult muss insofern auch für sich entscheiden, ob sie noch mal als Ersatztorhüterin zu einem großen Turnier reist. Eigentlich hatte sie das für sich ausgeschlossen. Aber wo ändern sich Ansichten schneller als im Fußball?

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