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2015 kam der junge Mann von Gambia nach Deutschland.

Kommentar

Die Geschichte Jattas ist ein Musterbeispiel der Integration

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Bakery Jatta ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration, er kam mittellos, wurde freundlich aufgenommen und unterstützt. Und selbst wenn er nicht 21 wäre, sondern schon 23  – wäre der Betrug so fundamental, dass er seine Aufenthaltsberechtigung verwirkt hätte? Ein Kommentar.

Natürlich findet die Debatte über die Identität des Hamburger Fußballprofis Bakery Jatta ebenso auf dem Resonanzboden des Jahres 2015 statt, als nicht nur der junge Mann aus Gambia nach Deutschland kam, sondern mit ihm viele, viele mehr. Der gesellschaftliche Diskurs hat seitdem vor allem in den Sozialen Netzwerken eine zuvor unbekannte Schärfe erreicht, die niemandem guttut. Als die „Sportbild“ vor Wochenfrist in einem zweiseitigen Artikel tiefgreifende Zweifel an der Echtheit seines Namens und seines Alters äußerte, dauerte es nicht lange, bis sich Erika Steinbach, die ehemalige Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe (!) der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, äußerte. Via Twitter versendete die mit der AfD sympathisierende Flüchtlingskritikerin drei weinende Emojis zum Text: „In Deutschland ist inzwischen alles möglich.“

Aktuelle Entwicklungen: Bakery Jatta bedankt sich und kritisiert „Hexenjagd“

Ja, in Deutschland ist leider tatsächlich viel mehr möglich, seit Helfer, Ämter, Städte und Gemeinden vor vier Jahren die besondere Herausforderung meistern mussten, in aller Eile viele Hunderttausend Menschen aufzunehmen und zu versorgen. Seitdem werden, auch ohne dass die Fakten ausreichend seriös zusammengetragen worden wären, im Handumdrehen Stimmungen erzeugt und Meinungen gemacht.

Minderjährige besonders geschützt

Die „Bild“-Zeitung hat übers Wochenende vor Ort geforscht – und bislang keine sachdienlichen Hinweise veröffentlicht, welche die Geschichte des Jungen aus Gambia als große Lüge entlarven. Und selbst wenn Bakery Jatta nicht 21 wäre, sondern schon 23 und Bakary Daffeh hieße und nicht nur auf der Straße am Fluss, sondern in einem richtigen Klub gespielt hätte – wäre der Betrug so bedeutend und fundamental, dass er seine Aufenthaltsberechtigung verwirkt hätte?

Vermutlich gibt es eine Menge junger Menschen, meist Männer, zuvorderst aus afrikanischen Ländern, die vielleicht schon 18 oder 19 waren und sich als 16 oder 17-jährig ausgegeben haben, um in den besonderen Schutz Minderjähriger zu gelangen. Jatta würde nun gerade nicht dafür stehen, dass sein Fall als „Irrsinn der Asylpolitik“, wie von der AfD postuliert, interpretiert werden müsste.

Er könnte im Gegenteil zum Musterbeispiel eines Menschen gezählt werden, der mittellos kam, angemessen freundlich aufgenommen und unterstützt wurde und nun zum Vorteil des Gemeinwesens und des Finanzamtes bei uns lebt. Es gibt sicher Gegenbeispiele, die abwechselnd traurig und wütend machen können, aber es existieren viel mehr kleine Jattas, junge Männer, die gerade dabei sind, Fuß zu fassen, die erstmals kleine Steuern zahlen, als Altenpfleger, Handwerker, KFZ-Mechaniker. Mit einer Vita, die aus purem Selbstschutz nur sie selbst genau kennen.

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