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Viele Menschen, wenig Platz: Das Nadelöhr von Doha

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Von: Frank Hellmann

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Die Skyline von Doha.
Die Skyline von Doha. © AFP

Es wird eine Herkulesaufgabe, Ströme von Hunderttausenden für vier WM-Spiele an einem Tag durch eine Stadt zu lenken, die bis vor kurzem ganz auf den Autoverkehr ausgerichtet war.

Es hat schon seinen guten Grund, warum aufgereiht wie an der Perlenkette die Fernsehstudios mit ihren großen Glasfronten direkt am Souq Waqif stehen. Inmitten des hochmodernen Doha mit all seinen glitzernden Prachtbauten wird hier ein Hauch vom alten Orient erzeugt. Ein Markt mit unzähligen kleinen Gassen, vor dem Kamele Kinder herumtragen, deren Eltern Videos mit den leuchtenden Hochhäusern im Hintergrund erstellen. Mal abgesehen davon, dass selbst dieses klischeehafte Areal auch vor wenigen Jahren erst neu aufgebaut wurde, fällt noch etwas auf: das mitunter beängstigende Gedränge und Geschiebe.

Das geht schon damit los, dass viele Bewohner:innen Dohas es offenbar nicht gewohnt sind, Fahrgäste in der Metro vor dem Einsteigen erst aussteigen zu lassen. Das entsprechende Geschrei der vielen Anweiser in ihren himmelblauen Jacken vermittelte am Wochenende einen Vorgeschmack darauf, was in den tief im Wüstensand gebuddelten Schächten noch besser geregelt werden muss.

Angeblich 36 Milliarden Dollar war die Metro mit ihren fahrerlosen Zügen, vielen Rolltreppen und riesigen Gängen teuer: Sie wird die nächsten Tage die Lebensader für den Transport. Am Freitagabend vermischten sich interessierte Einheimische und neugierige WM-Tourist:innen zu einer riesigen Masse, die an einigen Stellen nicht mehr vor und zurück kam.

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat schon Recht, wenn er sagt, dass die vielen schönen Pläne das eine sind, die Praxis aber das andere. Engpässe drohen an der Verteilstation Msheireb, die goldene, grüne und rote Metro-Linie verbindet. Es wird eine Herkulesaufgabe, Ströme von Hunderttausenden Gästen für vier WM-Spiele an einem Tag durch eine Stadt zu lenken, die bis vor kurzem ganz auf den Autoverkehr ausgerichtet war.

Schlecht ist es, wenn Besucherinnen und Besucher in einem Hang von Überorganisation in vorgefertigte vergitterte Laufwege zur Metro gepfercht werden. Man musste schon über Barrieren klettern – und böse Blicke der Aufpasser hinnehmen – , wer einfach zu Fuß den Heimweg antreten wollte. So groß ist Doha nicht, dass sich alternativ auch ein längerer Spaziergang angeboten hätte. Anders als bei den Weltmeisterschaften in Südafrika oder Brasilien ist es in Katar nämlich kein Problem, spät in der Nacht noch alleine herumzuspazieren. Fühlt sich absolut sicher an. Und ist bald an manchen Tagen vermutlich auch schneller.

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