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Viel Glück mit Viktoria

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Von: Jana Ballweber

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Sechs Frauen und ein Mann: Verena Pausder, Katharina Kurz, Henner Janzen (Sportlicher Leitung), Tanja Wielgoß, Felicia Mutterer, Lisa Währer und Ariane Hingst (von links).
Sechs Frauen und ein Mann: Verena Pausder, Katharina Kurz, Henner Janzen (Sportlicher Leitung), Tanja Wielgoß, Felicia Mutterer, Lisa Währer und Ariane Hingst (von links). © dpa

Eine Frauengruppe um Ex-Nationalspielerin Ariane Hingst will den Regionalligisten Viktoria Berlin in die Bundesliga schieben.

Sechs Gesellschafterinnen übernehmen das Frauenfußball-Team von Viktoria Berlin. Das Ziel: Den Fußball gerechter machen, Sichtbarkeit schaffen – und in spätestens fünf Jahren die deutlich lukrativere Bundesliga erreichen.

Aktuell kicken Viktorias Frauen in der Regionalliga. Viele Spielerinnen haben dort nicht einmal einen Vertrag, von einem Gehalt ganz zu schweigen. Der deutsche Frauenfußball hat Professionalisierungsbedarf. Dafür braucht es Geld. Das hat das Team der Investorinnen, in dem neben der ehemaligen Nationalspielerin Ariane Hingst vor allem Unternehmerinnen zu finden sind. Und doch weckt die Übernahme eines bestehenden Vereins durch Personen mit wirtschaftlichen Interessen böse Erinnerungen an die Kommerzialisierung im Männerfußball. Projekte wie die TSG Hoffenheim und RB Leipzig werden– zurecht – immer wieder kritisiert.

Frauen- und Männerfußball schweben finanziell in ganz unterschiedlichen Sphären. Ein Investorinnen-Team, das laut eigener Aussage erst einmal dafür sorgen will, dass auch Spielerinnen in der drittklassigen Regionalliga ordentlich versichert sind, hat eine andere Berechtigung als ein österreichischer Weltkonzern, der seinen Energy-Drink bewerben will und sich dafür ein seelenloses Bundesligateam leistet.

Und doch ist es nötig, genau hinzuschauen, wohin die Reise von Viktoria Berlin geht. Sie wollen die Sportwelt nachhaltig verändern, sagen die Gesellschafterinnen. Doch für Nachhaltigkeit braucht es mehr als einen weiteren Profiverein, der auf Augenhöhe mit dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg in der ersten Liga mithalten kann. Es braucht mehr als eine Angleichung der Gehälter zwischen Männern und Frauen im Profibereich.

Besonders dringend wäre ein Stopp des Abwärtstrends beim Mädchenfußball. Es braucht Investitionen, damit die Existenz von Mädchen- und Frauenteams auch bei den Amateuren gesichert ist. Es braucht Sponsoren, die sich in unteren Ligen langfristig engagieren. Und es braucht Emotionen. Ginge es beim Fußball nur um den Sport, um die beste Taktik, das erfolgreichste Team, wäre Deutschland beim Männerfußball eine Nation von Bayern-Fans.

Es sind die Geschichten um den Fußball herum, Persönlichkeiten, Traditionen und regionale Verbundenheit, die Menschen in die Stadien locken. Die sie in große Euphorie und tiefe Trauer versetzen können. Wenn es den Akteurinnen bei Viktoria Berlin gelingt, diese Geschichten zu erzählen, könnte das Projekt eine Erfolgsgeschichte werden. Gelingt es nicht, wird der Verein zum reinen Investitionsobjekt. Die Fehler, die im Männerfußball gemacht wurden, könnten sich wiederholen.

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