Zwei der jungen Wilden bei Borussia Dortmund: Torjäger Erling Haaland (links) bejubelt mit Jude Bellingham das Tor zum 1:0 gegen den SC Freiburg.
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Zwei der jungen Wilden bei Borussia Dortmund: Torjäger Erling Haaland (links) bejubelt mit Jude Bellingham das Tor zum 1:0 gegen den SC Freiburg.

Fußball

Viel aufgebürdet

  • Jakob Maurer
    vonJakob Maurer
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In der Pandemie sehen sich auch Fußballer mit besonderen Einschränkungen konfrontiert – dabei sollte auf junge Spieler, die früh unter Druck stehen, Rücksicht genommen werden.

Borussia Dortmund macht es vor: Immer jüngere Spieler tragen im Fußball immer früher große Verantwortung. Giovanni Reyna ist 17 Jahre jung, Jude Bellingham ebenfalls, Erling Haaland und Jadon Sancho 20. Sie sind Leistungsträger, die beiden letzteren sogar die Zugpferde und Gesichter des Spitzenteams.

In der Pandemie gerät ihr Lebenswandel noch mehr in den Blickpunkt. Sie haben auch eine Vorbildfunktion zu erfüllen. Doch das klappt nicht immer.

Jungstar Sancho etwa reiste nach einer Teilnahme an einer Geburtstagsfeier mit englischen Teamkollegen am Montag nicht zur Nationalmannschaft. Er hatte gefeiert, obwohl er für die BVB-Partie gegen Freiburg krank abgemeldet war. Ärger droht nun auch, weil die Feier gegen Corona-Regelungen in England verstoßen haben soll. Private Treffen mit mehr als sechs Personen sind untersagt. Sancho hat sich via Instagram entschuldigt.

Sancho in der Kritik

Trotzdem gilt: Auch wenn derzeit vermehrt junge Menschen als Verbreiterinnen und Verbreiter des Virus unter Verdacht geraten, darf daraus kein Generalverdacht werden. Natürlich sind geltende Regeln zu befolgen, doch auch wenn es Fehltritte gibt, muss die Frage erlaubt sein, wie viel diesen jungen Menschen aufgebürdet werden kann. DFB-Chefmediziner Tim Meyer forderte vor den Länderspielen, alle Beteiligten müssten sich so verhalten, „dass das Virus nicht in die Mannschaft hineingetragen wird.“ Er appellierte an die „Individualverantwortung jedes einzelnen“. Doch gerade in Zeiten der Pandemie muss Rücksicht auf junge Spieler genommen und das richtige Maß zwischen Fürsorge und Strenge gefunden werden.

In China beendeten Ende September sämtliche Beteiligten der Profiliga eine 70-tägige Corona-Isolierung. Geschlagene zweieinhalb Monate gänzlich ohne echten Kontakt zu Familie, Umfeld und Außenwelt – welche mentalen Belastungen dies gerade für die Jungen zur Folge hat, ist schwer abzuschätzen.

Dass Toptalente immer fürstlicher entlohnt werden, darf da keine Rechtfertigung sein. Vielmehr werden sie schon in jungen Jahren, manchmal noch minderjährig, Teil einer überhitzten Maschinerie. Diese macht sie zwar zu Jungmillionären, stellt sie aber zugleich unter das Diktat des Geldes, aus dem nicht ausgeschert werden darf. Corona macht das noch mehr sichtbar.

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