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Viel Arbeit nach hinten, wenig Ertrag nach vorn

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Von: Jan Christian Müller

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Erwischte keinen guten Tag: Anton Stach (Mitte).
Erwischte keinen guten Tag: Anton Stach (Mitte). © AFP

Mainz 05 und Union Berlin machen sich das Leben erwartungsgemäß gegenseitig schwer und verzichten auf Tore

Hinterher wirkten sie alle miteinander glücklich. Spieler, Trainer, Fans, obwohl am Sonntagnachmittag zwischen dem FSV Mainz 05 und Union Berlin kein Tor gefallen war. 0:0 also. Beide Mannschaften wurden dennoch in ihren Kurven abgefeiert. Die Leute wissen halt, dass es wenig Spaß bringt, gegen Union Berlin Fußball zu spielen, anders herum: gegen Mainz 05. Beide Teams sind gut darin, ihren Gegnern das Leben so schwer wie möglich zu machen. Hinzu kam eine schwer erträgliche Hitze unten auf dem Platz, die jeden Spieler tunlichst überlegen ließ, welche Strecke er in welchem Tempo sich noch zumuten mochte.

„Bei dem Wetter“, interpretierte Union-Stopper Robin Knoche nüchtern, „ist es schwierig, eine Schippe draufzulegen.“ Ergo blieb die Schippe im Stall.

„Es war kein schönes Spiel“, räumte Union-Mittelfeldspieler Rani Khedira nach getaner Feldarbeit richtig ein. „Zum zuschauen ein bisschen zäh“, sekundierte der Mainzer Verteidiger Stefan Bell. Der Routinier sah dabei aber zufrieden aus, seine Abwehr hatte mal wieder sattelfest gewirkt, der aus Bochum verpflichtete Maxim Leitsch absolvierte seinen Job ebenso konzentriert wie Bell selbst und der zentrale Abwehrmann Alexander Hack.

Dagegen sucht Nationalspieler Anton Stach noch nach seiner Form der vergangenen Saison, die ihn zu Hansi Flick brachte. Von dem Mittelfeldspieler war nicht viel zu sehen, folgerichtig wurde er nach 65 Minuten ausgewechselt. „Ich fand nicht, dass Anton ein gutes Spiel gemacht hat“, sagte Trainer Bo Svensson gerade heraus. „Das sieht er sicher selber auch so. Das war weder mit noch gegen den Ball nicht so, wie ich ihn kenne. Aber ich mache mir gar keine Sorgen: Er wird wieder kommen.“

Stürmer Marcus Ingvartsen, überraschend von Svensson in der Startelf aufgeboten, konnte seine Nominierung nicht mit einer guten Leistung bestätigen. Svensson verteidigte seine Offensivspieler, auch deshalb, weil es wegen der Hitze „sehr schwer war“ zu spielen und weil sie zu wenig von Stach und Jae-sung Lee unterstützt worden seien. Was sicher stimmte, wiewohl die eingewechselten Angreifer Marlon Mustapha (75.) und Delano Burgzorg (85.) sofort für Schwung sorgten. Beide erhielten deshalb völlig zu Recht ein Sonderlob vom Trainer, der das mit Selbstkritik verband: „Ich hätte Delano eher bringen sollen.“ Stefan Bell fand einen weiteren Grund für die relative Offensivschwäche: „Wenn wir unsere Stürmer angespielt hatten, waren die oft alleine. Wir sind zu langsam nachgerückt.“ Bell meinte damit nicht nur seine Vorderleute, sondern auch die letzte Reihe: „Unser Ziel muss sein, höher zu stehen.“

Dennoch herrscht insgesamt Zufriedenheit in Mainz nach nur einem Gegentor in drei Pflichtspielen (inklusive dem Pokalsieg in Aue). Gerade auf die Abwehrarbeit ist augenscheinlich Verlass, da lässt sich niemand hängen. Dominik Kohr analysierte präzise: „Ich hatte nie das Gefühl, dass da was anbrennen könnte.“ Ganz ähnlich beurteilte auch 05-Sportdirektor Martin Schmidt das Gesehene: „Defensiv kann man ein Kränzchen drumbinden, offensiv haben wir noch Luft nach oben.“

Es sind also noch ein paar Aufgaben anzupacken bei den Nullfünfern, die sich vor einer geruhsamen Saison wähnen. Es wird ja auch bald wieder ein bisschen kühler.

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