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Steht auf Offensivfußball: Trainer Thomas Reis.
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Steht auf Offensivfußball: Trainer Thomas Reis.

FR-Bundesliga-Tipptabelle (10)

VfL Bochum: Der Preis ist Schweiß

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Der Klassenerhalt in der Bundesliga wird für den Auifsteiger VfL Bochum zum Kraftakt - er kann aber gelingen.

Bei all dem Jammer über den ganzen Traditionsabfluss Richtung zweite Liga, es gibt auch einen schönen Zugewinn für die Fußball-Bundesliga in diesem Sommer. Der VfL Bochum ist wieder da, nach elf Jahren Abwesenheit, und wie sehr er gefehlt hat, wird einem jetzt erst so richtig bewusst, im Moment seiner Rückkehr. Tief im Westen ist die Fußballwelt noch in Ordnung, das unterstellen wir jetzt einfach mal, und sollte es aus irgendeinem Grund anders sein, wollen wir es gar nicht wissen, nein, nein, bitte nicht.

Wie stark ist der Kader?

Der beste Spieler ist fortgegangen, das ist natürlich etwas ungünstig. Robert Zulj hatte mit 15 Toren und 15 Vorlagen einen gewichtigen Anteil am Aufstieg, was dem 29-Jährigen ein luxuriöses Angebot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten einbrachte. Jetzt spielt Zulj bei Al Ittihad Kalba Sports Club. In Bochum muss Trainer Thomas Reis deshalb nun mit den eher mittelguten Stürmern Silvere Ganvoula und Simon Zoller weitermachen, fürs zentrale Mittelfeld hat Sportdirektor Sebastian Schindzielorz von Hertha BSC Eduard Löwen ausgeliehen, aus Paderborn kam Flügelspieler Christopher Antwi-Adjei. Transfers, die zeigen, dass der VfL sich eher nicht auf individuelle Klasse verlassen kann, er muss auf Entwicklungen hoffen, mit denen niemand rechnet. Aber vielleicht zeigt ja der ehemalige Frankfurter Danny Blum, 30, dass noch ein paar spritzige Sprints in seinen tätowierten Oberschenkeln stecken.

Worauf steht der Trainer?

Im Internet erfährt man, Thomas Reis sei eine bizarre Mischung aus Kafka, Heine und Gene Kelly. Man erfährt, dass er in den Achtzigerjahren diverse Kleinkunstpreise abgeräumt hat, sogar jenen der Stadt Lüdenscheid, doch mit Bedauern stellt man fest, dass es sich hierbei um den falschen Thomas Reis handelt. Der richtige Thomas Reis, der aus Bochum, ist natürlich Fußballer durch und durch. Als Profi in den Neunzigern ein paar Jährchen in Frankfurt, vor allem aber in Bochum, wo er sich dann auch als Trainer in der Nachwuchsakademie hocharbeitete bis zu den Profis. In Liga zwei hat Reis einen selbstbewussten Offensivfußball spielen lassen. Damit auch eine Klasse höher zu bestehen, wird eine Kunst sein, die gar nicht klein ist.

Wo hapert es noch?

Zu- und Abgänge

Zugänge: Eduard Löwen (Hertha BSC, Leihe), Takuma Asano (Partizan Belgrad), Michael Esser (Hannover 96), Patrick Osterhage (Borussia Dortmund II) Christopher Antwi-Adjei (SC Paderborn), Luis Hartwig (eigene U19), Moritz Römling (Wuppertaler SV, Leihe endet), Lars Holtkamp (Wuppertaler SV, Leihe endet)

Abgänge: Robert Zulj (al-Ittihad Kalba SC), Patrick Drewes (SV Sandhausen), Thomas Eisfeld (Vertragsende)

Das Trainingslager in Südtirol lief nicht so toll. Trainer Reis reiste vorübergehend nach Hause, eine private Angelegenheit, dann sorgte der positive Coronatest von Abwehrspieler Herbert Bockhorn, 21, für Hektik. Der FC Turin sagte kurzfristig ein Testspiel ab, weil ihm die Sache mit Herbert Bockhorn irgendwie unheimlich vorkam. Doch von all dem lasse er sich nicht verunsichern, sagte Reis, als er wieder da war, und witzelte: „So ein Trainingslager soll ja auch die Mannschaft zusammenschweißen. Der Begriff hängt mit dem Schweiß zusammen, den man zusammen vergießt.“ Personeller Nachholbedarf besteht in erster Linie noch auf den defensiven Außenbahnen, wo Bockhorns Ausfall den Engpass weiter verschärfte.

Wer sticht heraus?

Armel Bella-Kotchap, 19 Jahre alt, könnte das nächste Bochumer Talent sein, das sich irgendwann auf den Weg in die weite Fußballwelt macht. Der Innenverteidiger, Sohn des früheren kamerunischen Nationalspieler Cyrille Florent Bella, war schon Stammspieler im Aufstiegsteam und bleibt es in Liga eins.

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Auch tief im Westen ist man vor Corona nicht sicher. Um flüssig zu bleiben in Zeiten drohender Zahlungsausfälle, mussten die Bochumer deshalb ein KfW-Darlehen in Höhe von sechs Millionen Euro aufnehmen im vergangenen Jahr. Die Saison 19/20 schloss der VfL schon mit einem Minus von drei Millionen ab, für 20/21 (Zahlen liegen noch nicht vor) geht der Klub vom Doppelten aus. Erst in 2022 und 2023 rechne man damit, das „Tal der Tränen nach und nach zu verlassen“, wie Finanzvorstand Ilja Kaenzig sagte. Die höheren TV-Einnahmen der Bundesliga kommen da gerade recht.

Was ist drin?

Liebe Bochumer. Es könnte sein, dass Ihr zu schlecht seid. Aber wir haben uns entschlossen, dass Ihr trotzdem den Klassenerhalt schafft. Platz 15, herzlichen Glückwunsch. Wie das gelingen soll, müsst Ihr allerdings selbst rauskriegen.

Die Bundesliga-Serie und alle veröffentlichten Tipptabellen finden Sie unter: fr.de/tipptabelle

FR-Tipptabelle

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