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VfL Bochum: Castroper Straßenfußball am Ende

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Von: Thomas Kilchenstein

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Abräumarbeiten: Bochums Asano Takuma, Torhüter Manuel Riemann und Simon Zoller.
Abräumarbeiten: Bochums Asano Takuma, Torhüter Manuel Riemann und Simon Zoller. © dpa

Der Bundesliga-Check, Teil 8: VfL Bochum Zu viele personelle Aderlässe und alte Weisheiten lassen ein Happyend nicht zu

Fangen wir mal mit einer Binsenweisheit an: Das zweite Jahr ist für Aufsteiger traditionell schwerer, oft zu schwer. 27 der 148 Absteiger in 60 Jahren Bundesliga waren Aufsteiger im zweiten Jahr. Verflogene Begeisterung, der Fluch der guten Tat, das Wegkaufen der besten Spieler - das sind Probleme im verflixten zweiten Anlauf. Der VfL Bochum hat sie zur Genüge.

Wie stark ist der Kader?

Deutlicher schwächer als im vergangenen Jahr. Warum? Siehe oben. Die besten Leute sind dem VfL weggekauft, Bella-Kotchap (für zehn Millionen), Polter, Leitsch, Pantovic, die Leihspieler Rexhbecaj und Löwen musste zurück zu ihren Klubs. Und, und, und.... Selbst Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz, der zum Kalenderjahr gekündigt hat, und Marketing-Chef Christoph Wortmann verlassen die Castroper Straße. Immerhin spülten die Abgänge 16 Millionen Euro an Transfererlöse in die Kasse, eine Summe „nie dagewesener Dimension“, wie Schindzielorz sagte. Mag sein, die sportliche Schwächung ist aber auch erheblich.

Worauf steht der Trainer?

Thomas Reis, seit 1995 - mit Unterbrechungen - in Bochum und seit September 2019 Coach, vertraut auf Kurzpassspiel, einer stabilen Abwehr, geschlossene, harmonische Mannschaftsleistungen, Mentalität, Charakter und das, was die vereinseigene Internetseite mit „Castroper Straßenfußball“ umschreibt: Kratzen, beißen, malochen - unter Mithilfe des fanatischen Publikums. Manchmal zu fanatisch, wenn Verbalinjurien und, schlimmer noch, Bierbecher Richtung Linienrichter und Gegenspieler fliegen.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Ivan Ordets (Dinamo Moskau), Konstantinos Stafylidis (TSG Hoffenheim), nach Leihe fest verpflichtet), Philipp Förster (VfB Stuttgart), Saidy Janko (Real Valladolid, Leihe), Jordi Osei-Tutu (FC Arsenal), Jacek Goralski (FK Kairat Almaty), Tim Oermann (eigene Jugend), Kevin Stöger (1. FSV Mainz 05), Philipp Hofmann (Karlsruher SC), Silvere Ganvoula (Cercle Brügge, Leihe beendet).

Abgänge: Armel Bella Kotchap (FC Southampton), Sebastian Polter (FC Schalke 04), Tjark Ernst (Hertha BSC), Milos Pantovic (1. FC Union Berlin), Saulo Decarli (Eintracht Braunschweig), Maxim Leitsch (1. FSV Mainz 05), Robert Tesche (VfL Osnabrück), Tom Weilandt (Greifswalder FC), Elvis Rexhbecaj (VfL Wolfsburg, Leihe beendet), Eduard Löwen (Hertha BSC, Leihe beendet), Danny Blum (Vertragsende), Herbert Bockhorn (Vertragsende), Jürgen Locadia (Vertragsende).

Wo hapert es noch?

Im Grunde überall. In Kevin Stöger, Konstantinos Stafylidis, Philipp Hofmann, Philipp Förster, der Ukrainer Ivan Ordets sind neue, alte Recken nach Bochum gekommen, ob sie die Abgänge kompensieren können, ist fraglich. Immerhin weiß Thomas Reis um die Schwere der Aufgabe: „Wir arbeiten am dritten Wunder nach Aufstieg und Klassenerhalt.“ Für Fußball-Romantiker gibt der VfL, zuvor elf Jahre lang in der zweiten Liga, viel her, der Underdog kämpfte gegen alle Widerstände im vergangenen Jahr erfolgreich gegen übermächtige Gegner, etwa beim 4:3-Triumph bei Borussia Dortmund, trotzte scheinbar fest stehenden wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten. Der 13. Tabellenplatz und 42 Punkte (so viele wie Europapokalsieger Eintracht Frankfurt) waren der Lohn einer „traumhaften Saison“, wie Reis sagte. Der Traum könnte bald zu Ende sein

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Wer sticht heraus?

Natürlich Torhüter Manuel Riemann, ein authentischer, unverbogener, noch dazu herausragender Torhüter. Gerrit Holtmann ist weiterhin dabei, der Schütze des Messi-Gedenktores und des Tores der Saison 2021, zudem seit kurzem philippinischer Nationalspieler. Und Simon Zoller. Oder besser seine bessere Hälfte, Laura Wontorra,

Was ist drin?

Ehrlich gesagt: nicht viel. Der VfL Bochum wird der 28. Aufsteiger, den es im zweiten Jahr erwischt. Zu groß sind die fußballerischen Aderlässe. Dummerweise sind dieses Mal, anders als letzte Runde, keine Leichtgewichte (wie Greuther Fürth oder Bielefeld) mehr dabei. Bei allem ehrlichen, sympathischen Kampfeswillen, es wird nicht reichen für den Klassenerhalt. Und einer schließlich muss Letzter sein.

Tipptabelle
Tipptabelle Bochum © FR

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