+
Thomas Hitzlsperger: Hinterher ist man immer klüger.

Kommentar

Eintracht Frankfurt könnte Vorbild für den VfB Stuttgart sein

  • schließen

Die Causa Weizierl zeigt: VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger muss lernen, auf seinen Bauch zu hören. Der Kommentar.

Als Thomas Hitzlsperger im Winter als Sportvorstand des VfB Stuttgart vorgestellt wurde, war unschwer zu erkennen: Der Neue mühte sich, den vorhandenen Trainer Markus Weinzierl zu stützen. Nicht, weil er vom Chefcoach überzeugt gewesen wäre, sondern schlicht deshalb, weil Weinzierl nun mal schon eher da war.

Jetzt ist der absolut überforderte Trainer abgeschlossene Vergangenheit beim VfB, und ja, natürlich kann man sagen, die Entwicklung sei absehbar gewesen. Christoph Metzelder etwa, der kundige Fachmann beim Pay-TV-Sender Sky, hatte schon vor Wochen den unbedingten Eindruck erweckt, er würde sich, wäre er verantwortlich beim VfB, eher heute als morgen von Weinzierl trennen.

Hitzlsperger, in seinem Vorleben ein durchaus geachteter Fernsehexperte bei der ARD, hat anders entschieden, und spätestens jetzt weiß er, dass es einfacher ist, vor der Kamera gefeierte Analysen abzugeben, als hauptverantwortlich einem schlingernden Fußballlehrer zur Seite zu stehen.

Lesen Sie dazu auch:  VfB Stuttgart und die Causa Weinzierl - Hitzlspergers gut gemeinter Fehler

Wahrscheinlich muss Thomas Hitzlsperger noch mehr lernen, auf seinen Bauch zu hören. Sein Verstand sagte ihm, dass es in Stuttgart endlich mal wieder etwas kontinuierlicher zugehen muss in entscheidenden Personalien. Was ja objektiv auch eigentlich stimmt, gleichwohl im Fall Weinzierl genauso objektiv auch falsch war. Wie Hitzlsperger jetzt weiß, wie Metzelder schon vorher wusste.

Eintracht Frankfurt als Vorbild für Stuttgart

Ohnehin kann man jenen Mann, den sie in England wegen seiner strammen linken Klebe ehrfurchtsvoll „The Hammer“ nannten, nicht an den Ergebnissen der ersten paar Monate unter seiner Verantwortung messen, wiewohl er, was die derzeitige Instabilität angeht, als ehemaliger Präsidiumsberater und Ex-Präsidiumsmitglied beim VfB nicht gänzlich außen vor ist. Denn es ist etwa davon auszugehen, dass er die vorzeitige humorlose Ablösung seines zuvor erfolgreichen Vorvorgängers Jan Schindelmeiser mitbetrieben hat. Für Schindelmeiser kam Michael Reschke, der viel vermeintlich besser wusste und wenig besser machte.

Hitzlsperger hat im Zuge der Fehleranalyse immerhin erkannt, dass es klug ist, sich nicht wie Reschke zuvorderst auf das eigene Urteil zu verlassen. Dass der VfB also in der kommenden Saison den bestens vernetzten ehemaligen Kaderplaner von Borussia Dortmund und des FC Arsenal, Sven Minslintat, mit im Führungsteam hat, sollte sich als gute Idee und Investition erweisen. Bestenfalls entwickelt sich die Zusammenarbeit ähnlich erfolgreich wie jene zwischen den Ex-Stuttgartern Fredi Bobic und Kaderplaner Ben Manga bei Eintracht Frankfurt.

Die infrastrukturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen am Traditionsstandort Stuttgart sind grundsätzlich ja nicht schlechter als jene in Frankfurt. Auch dort, die Erinnerungen sind in den Jubelorgien der vergangenen Wochen schon arg verblasst, zitterten sich Fans und Funktionäre vor gerade mal drei Jahren mühsam durch eine Relegation gegen den 1. FC Nürnberg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion