+
Tim Walter ist als Schuldiger in Stuttgart identifiziert und geschasst worden.

VfB Stuttgart

VfB Stuttgart: Unverdiente Zuneigung

  • schließen

Beim VfB Stuttgart scheinen die Verantwortlichen fast schon froh darüber, dass Tim Walter aus den letzten zehn Partien nur elf Zähler holte. Ein Kommentar.

Wer idealtypisch lernen will, wie sich ein Fußballklubs ebenso unplanmäßig wie unprofessionell abwirtschaftet, schaut am besten nach Stuttgart. Dort befindet man sich mal wieder auf Trainersuche. Die ortsansässige „Stuttgarter Zeitung“ hat anlässlich ihrer programmatischen Bestandsanalyse unter der Überschrift „Ein Jahrzehnt des Niedergangs“ binnen dieser Periode deren 16 Übungsleiter gezählt, und das, obwohl Bruno Labbadia unter Sportchef Fredi Bobic fast drei Jahre bleiben durfte. Mehr Trainer verschlang mit ähnlich durchschlagendem Erfolg nur der legendäre Hamburger Sportverein. Beide Klubs sind nicht vom Zufall überrollt worden, um sich derzeit in der zweiten Liga furchtbar unwohl zu fühlen. Dieses Unwohlsein ist vielmehr Ausfluss latenten Missmanagements und grober Fehleinschätzungen.

VfB Stuttgart: Trübsinnige Statistik

Während der punktgleiche Tabellennachbar HSV aber immerhin so demütig ist, die Verantwortung für zuletzt mickrige sieben Punkte aus sieben Spielen nicht vor allem an der Person des Trainers Dieter Hecking festzumachen, hat man in Stuttgart den inzwischen geschassten Chefcoach Tim Walter als Hauptschuldigen identifiziert und scheint deshalb fast froh, dass der zur Großmäuligkeit neigende Trainer aus den letzten zehn Partien ähnlich trübsinnige elf Zähler anhäufte.

Der Rauswurf von Walter wurde beim VfB bereits seit Wochen rhetorisch vorbereitet. Dass die Gespräche am Ende, worauf der VfB ausdrücklich Wert legte, „ergebnisoffen“ geführt worden seien, mutet daher eher wie ein neuerlicher Treppenwitz aus dem Schwäbischen an. Die beiden Verantwortlichen, Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und Sportchef Sven Minslintat, haben dabei sicher nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, aber das haben sie auch schon zu Saisonbeginn, als sie gerade diesen Trainer mit dessen riesengroßem Ego und dem Hang zu verbaler Großmannssucht ja unbedingt wollten. Insoweit steht die Trennung auch dafür, dass sich die in ihren Ämtern noch unerfahrenen Hitzlsperger und Minslintat fundamental in Walter getäuscht haben.

Der VfB steht, wie der HSV, in der Zweitligatabelle mit einem luxeriösem Kader noch immer so gut da, dass ein direkter Wiederaufstieg eher wahrscheinlich ist. Den gab es 2017 auch schon, ohne dass danach auch nur ein Anflug von Demut eingekehrt wäre. In der Folge trennte sich die Wege des Klubs und der Sportchefs Schindelmeiser und Reschke, der Cheftrainer Wolf, Korkut, Weinzierl, Willig und Walter und des unsäglichen Präsidenten Wolfgang Dietrich. Es gehört, in Hamburg wie in Stuttgart, zur Ironie des Schicksals, dass beide Zweitligaklubs europaweit zu den Top-20 der Zuschauertabelle gehören. Verdient haben sie sich diese Zuneigung wahrlich nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion