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Mit Wahrnehmungsproblemen in Köln: Mark Uth.

Mark Uth

Der verwirrte Held

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Mark Uth trifft den entscheidenden Elfmeter für Schalke 04, hätte aber vom Platz fliegen müssen.

Die abendlichen Laufwege von Mark Uth hatten klare Anzeichen einer Auftragsarbeit. Um 21.42 Uhr kam Schalkes Offensivspieler aus der Kabine des 1. FC Köln – und nur eine Minute später marschierte er aus den Umkleideräumen der Gast-Mannschaft auch schon wieder zurück. In der rechten Hand hielt er nun eines jener hellgrünen Trikots, das die Gelsenkirchener bei ihrem dürren Pokalsieg in der Domstadt – 1:1 nach Verlängerung, 6:5 im Elfmeterschießen – an den Leibern getragen hatten. Offensichtlich erfüllte der gebürtige Kölner mit der Übergabe des Kleidungsstücks den Wunsch eines der niedergeschlagenen Zweitligakicker. Und eine etwas beschämte Entschuldigung schwang da bei Uth vermutlich auch mit.

Denn als er vor der Kölner Südtribüne den entscheidenden Strafstoß verwandelte, hätte der Ex-Hoffenheimer eigentlich längst am Spielfeldrand schmoren müssen. Nach gut einer Stunde wegen eines Frustfouls an Dominick Drexler bereits verwarnt, stoppte Uth vier Minuten vor Ende der Verlängerung den Ball klar mit der Hand. Referee Harm Osmers entschied folgerichtig auf Freistoß für die Gastgeber, ließ die fällige Gelb-Rote Karte für den Schalker Handlanger aber aus unerfindlichen Gründen in der Gesäßtasche stecken. Der 33-Jährige Controller aus Hannover war in dem Moment nicht der einzige Verwirrte im Stadion: Auch Uth bekannte später, kurz bevor er das S04-Trikot als textiles Trostpflaster in die FC-Kabine trug: „Ehrlich gesagt hatte ich bis gerade eben nicht auf dem Schirm, dass ich schon Gelb hatte.“

Das wiederum brachte Cheftrainer Domenico Tedesco auf die Palme, der zürnte: „Das ist natürlich schlecht. Es wäre schön, wenn die Jungs mitkriegen, wenn sie verwarnt werden.“ Der Stolz der Königsblauen auf den frisch ergatterten Platz im Pokal-Achtelfinale war also angemessen überschaubar – passend zum kantigen Fußball, den der Bundesliga-15. auch in Köln wieder bot.

Erstes Tor anders vorgestellt

Nach der Führung für den Geißbockklub durch Jhon Cordoba kurz vor der Pause brachte ein von Rafael Czichos verursachter Handelfmeter den Algerier Nabil Bentaleb – der später beim Elfmeterschießen, vor seinem verschossenen Strafstoß, durch eine unsportliche Geste gegenüber FC-Akteur Marcel Risse negativ auffiel – überhaupt erst in die Lage, sein Team in die Verlängerung zu hieven. Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit.

Eine halbe Stunde später blieb Mark Uth dann kurioserweise die Ampelkarte erspart. „Die kann man da ruhig mal zeigen“, kommentierte er einsichtig. Und auch auf seinen siegbringenden Treffer bildete sich der bisherige Mister Ladehemmung des Revierklubs als letzter Elfmeterschütze des Abends nichts ein. „Mein erstes Tor für Schalke“, erklärte der 27-Jährige stattdessen, „habe ich mir natürlich etwas anders vorgestellt.“ Überhaupt hatten die durch den Herbst polternden Vizemeister sich den Start in diese Runde um einiges rosiger ausgemalt.

Tedesco lobte zwar die Wucht und die Mentalität, mit der sich sein Team der drohenden Pleite beim Spitzenreiter der zweiten Liga erfolgreich entgegen warf. Gegen den zentralen Makel, die mangelhafte Finesse in ihrem Offensivspiel, haben die knauserigen Schalker (fünf Tore in neun Bundesligaspielen) aber immer noch kein Mittel gefunden. „Das Ausspielen von Kontern haben wir sehr, sehr schlecht gemacht“, moserte Tedesco. Und seine nachfolgende Erklärung – „auch wenn wir es permanent ansprechen“ – machte deutlich, dass den 33-Jährigen der mäßige Lerneifer seiner Schüler langsam auf die Nerven geht.

 „Durch ein Elfmeterschießen haben wir glücklich gewonnen“, sagte Tedesco. Und das war Mark Uth, dem besonders Glücklichen, an diesem Abend schon mal einen dankbaren Botengang wert.

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