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Angezählt: Bayern-Trainer Niko Kovac.

Bayern München

Verunsicherte Solisten

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Nach dem 0:3 gegen Mönchengladbach zeigt sich, wie sehr es beim FC Bayern rumort ? die Spieler vermissen zündende Vorgaben.

Sogar der Blick in die nahe Zukunft fiel schwer. Der Oktoberfestbesuch am Sonntag nach der 0:3 (0:2)-Niederlage des Vorabends gegen Borussia Mönchengladbach sorgte eher für weiteres Grauen in der Belegschaft des FC Bayern. Ein Schaulaufen auf der Wiesn, das Lächeln und Zuprosten für die Fotografen und Kamerateams – den Münchner schien diese Aussicht wie eine Qual vorzukommen. Nach dem nächsten „Schlag ins Gesicht“, wie es Kapitän Manuel Neuer am Samstagabend zwar in Bezug auf das zweite Gegentor formuliert hatte, was aber auch übergeordnet für das uninspirierte Spiel der Bayern galt. Die heftige Niederlage gegen den neuen Tabellenzweiten durch die Tore von Alassane Plea (10.), Lars Stindl (16.) und Patrick Herrmann (88.) war das vierte sieglose Spiel hintereinander nach dem 1:1 gegen den FC Augsburg, der 0:2-Niederlage bei Hertha BSC und dem 1:1 gegen Ajax Amsterdam. Der jüngste Auftritt hinterließ dabei den Eindruck, dass der Abwärtstrend zunehmend an Fahrt gewinnt.

Vier Punkte beträgt der Rückstand nun auf Tabellenführer Borussia Dortmund. Und das, obwohl die Bayern mit einem 2:0-Auswärtserfolg beim FC Schalke, dem siebten Sieg im siebten Pflichtspiel der Saison, und mit vier Punkten Vorsprung auf den BVB in die fünfte Münchner Jahreszeit gestartet waren. 14 Tage später hat der Serienmeister der vergangenen sechs Spielzeiten zum Ende der Wiesn eine handfeste Krise. „Das ist natürlich nicht Bayern und auch zu wenig“, sagte Neuer noch über die seltenen Torchancen seiner Kollegen. Rechtsverteidiger Joshua Kimmich stellte schonungslos fest: „Es ist nicht so, dass wir so viele Chancen versemmelt haben. Wir hatten einfach keine.“

Der Blick richtet sich zu Beginn der Länderspielpause damit vor allem auf den neuen Trainer Niko Kovac, 46. Als er auf der Pressekonferenz saß, bekam er erstmals auch die Frage gestellt, ob er befürchte, dass seine Vorgesetzten das Vertrauen in ihn verlieren könnten. „Das kann ich nicht beantworten“, sagte Kovac und sprach über seine Kenntnis der „Mechanismen im Fußball und der Bundesliga“, wie er es ausdrückte. Er sagte: „Ich weiß, dass ich beim FC Bayern bin und die Zeit hier anders läuft.“

Aber er gehe davon aus, dass er weiterhin Rückhalt im Verein habe, sagte Kovac noch. Sicher ist er sich dessen nicht mehr. Das erzählt einiges über den markanten Abschwung, den seine Mannschaft zuletzt erlebt hat, nachdem ihn Präsident Uli Hoeneß in Bezug auf die Rotation schon vor dem Gladbach-Spiel mit dem Satz geschwächt hatte, am Ende müsse der Trainer „den Kopf hinhalten“.

Die unheilvolle Lage scheint sich selbst zu beschleunigen, zumal immer deutlicher wird, wie sehr es beim FC Bayern rumort. Die Mannschaft vermisst ganz offensichtlich bei der Suche nach Lösungen flexible Vorgaben und Impulse des Trainers, wie schon vor dem Spiel gegen Gladbach durch an die „Bild“ durchgesteckte Kritik und Interna klar wurde. „Wir müssen uns schon Gedanken machen, wie wir Chancen kreieren können“, sagte Kimmich nun. „Wir sind mit zu vielen Spielern in den ungefährlichen Räumen. Das heißt, wir haben zu wenige Leute da, wo es dem Gegner weh tut“, wurde Innenverteidiger Mats Hummels noch deutlicher. Bei Stürmer Robert Lewandowski zählten Statistiker zwölf Ballkontakte – im gesamten Spiel.

Ribéry und Robben verlieren an Schwung

Das lag auch daran, dass die Münchner oft ohne Tempo anliefen, mehr quer als tief passten. Hinzu kamen zum wiederholten Male individuelle Fehler in der Defensive, die Mönchengladbach effizient ausnutzte, ein oft nachlässiges Zweikampfverhalten und übergeordnet der Eindruck, dass die Mannschaft ohne klares Konzept vor sich hin spielt. Es war das Muster einer Ansammlung von verunsicherten Solisten, die ohne Glaube an die Vorgaben agieren und auf der Suche nach eigenen Lösungen sind. „Die Situation ist für uns brutal“, sagte Thomas Müller.

Der Blick richtet sich aber auch auf die Kaderkonstruktion, für die Kovac nichts kann. Die seit einem Jahrzehnt prägende Flügelzange Franck Ribéry, 35, und Arjen Robben, 34, scheint zunehmend an Schwung zu verlieren. Serge Gnabry, 23, kann beide noch nicht gleichwertig ersetzen, Tempodribbler Kingsley Coman, 22, kuriert noch seinen Syndesmosebandriss aus. Hinzu kommt zu den weiteren Ausfällen von Weltmeister Corentin Tolisso und Außenverteidiger Rafinha nun die Muskelblessur des Linksverteidigers David Alaba. „Jetzt ist genau das eingetreten, was ich befürchtet habe“, sagte Kovac und verwies auf die hohe Belastung seiner Außenverteidiger mangels Alternativen und damit durchaus kritisch auf die schmale Kaderarchitektur.

Immerhin der Blick in die mittelfristige Zukunft könnte für Zuversicht sorgen. Nach der Länderspielpause stehen in allen Wettbewerben Treffen mit Mittel- bis Unterklasseklubs an. Dann geht es zum VfL Wolfsburg, zu AEK Athen, zum FSV Mainz 05 und im Pokal zum Viertligisten SV Rödinghausen, ehe der SC Freiburg und Athen nach München kommen. Das letzte Spiel vor der folgenden Länderspielpause könnte allerdings maßgeblich darüber entscheiden, ob Kovac zugetraut wird, nachhaltig die Kurve zu bekommen. Dann wartet Borussia Dortmund auf den Besuch der Bayern.

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