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Eine Körperhaltung, die man kennt in Leverkusen: Florian Wirtz, geknickt.
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Eine Körperhaltung, die man kennt in Leverkusen: Florian Wirtz, geknickt.

FR-Bundesliga-Tipptabelle (12)

Bayer Leverkusen: Versprochen ist gebrochen

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der Bundesliga-Check, Teil 12: Bayer Leverkusen – Der Werksklub hat wie immer großes Potenzial, auch mit neuem Trainer. Das Ergebnis dürfte das gleiche bleiben.

Die schwere Explosion an der Sondermüllverbrennungsanlage am Leverkusener Chemiewerk Mitte dieser Woche hatte auch Auswirkungen auf die Profis. Eine Trainingseinheit musste wegen „akuter Gefahr“ abgesagt werden, was man angesichts der Katastrophe mit Todesopfern verschmerzen kann. Wie auch das ausgefallene Testspiel gegen Celta Vigo, die Spanier sagten wegen Corona ab. Ansonsten ist Bayer Leverkusen halt Bayer Leverkusen, großer Anspruch, wenig erreicht. Ein einziges Versprechen, das nie gehalten wird – selbst im letzten Jahr des Geschäftsführers Sport, Rudi Völler, wird das mit einem Titel nichts. Ist so drin in der Bayer-DNA, da kann man nichts machen, Vizekusen halt.

Wie stark ist der Kader?

Stark, wie immer in den letzten Jahren, das war ja noch nie das Problem. Große individuelle Klasse versammelt sich immer gern unterm Bayer-Kreuz, die Bedingungen sind hochprofessionell, viel besser geht es nicht, auch die Bezahlung der hochgradig befähigten Akteure ist fürstlich. Das ist so, weil viel sportliche Kompetenz und finanzielles Potenzial zur Verfügung steht, dazu spielt Bayer, wenn alle Lust haben, einen betörend schönen Offensivfußball. Indes: Wendell (nach Portugal) und Leon Bailey (Aston Villa) sind auf dem Sprung.

Worauf steht der Trainer?

Der neue Mann, Gerardo Seoane, ist hierzulande weitgehend ein unbeschriebenes Blatt, obwohl er Young Boys Bern als Nachfolger von Adi Hütter zu drei Meistertiteln geführt und Bayer Leverkusen in der Champions League aus dem Wettbewerb gekegelt hat. Er ist kein Selbstdarsteller, kein Mann für die Show, sondern ein gewissenhafter Arbeiter, der Wert auf Disziplin legt. Die Zeiten, da in Leverkusen, selbst in Trainingslagern, lediglich eine Einheit am Tag angesetzt waren, sind vorbei, jetzt holt der 42-Jährige zweimal täglich den Ball raus. Seine Ansagen formuliert der Schweizer wahlweise auf Deutsch oder Englisch, in Einzelgesprächen kann er auch Französisch, Portugiesisch, Spanisch. Manager Simon Rolfes hat Vorgaben: „Er soll eine Mannschaft formen, die Initiative übernimmt, die Hunger hat, die mit und ohne Ball aggressiv ist.“ Und die Defensive stärken.

Wo hapert es noch?

Zu- und Abgänge

Zugänge: Odilon Kossounou (FC Brügge), Mitchel Bakker (Paris St. Germain), Andrey Lunev (Zenit St. Petersburg), Joel Pohjanpalo (1. FC Union Berlin, Leihe endet), Panagiotis Retsos (AS Saint-Etienne, Leihe endet), Ayman Azhil (RKC Waalwijk, Leihe endet), Zidan Sertdemir (FC Nordsjaelland U19)

Abgänge: Demarai Gray (FC Everton), Aleksandar Dragovic (Roter Stern Belgrad), Lars Bender (Karriereende), Sven Bender (Karriereende), Tin Jedvaj (Lok Moskau), Santiago Arias (Atletico Madrid, Leihe endet), Cem Tuna Türkmen (Clermont Foot Auvergne 63), Samed Onur (Fatih Karagümrük), Yannik Schlößer (1. FC Nürnberg II).

In der Defensive. Nach dem Karriereende von Lars und Sven Bender, den Abgängen von Aleksandar Dragovic, Tin Jedvaj sowie dem längeren verletzungsbedingten Ausfall von Edmond Tapsoba fehlen ein paar Verteidiger. Immerhin hat Bayer für 30 Millionen Euro nachgebessert und Odilon Kossounou (FC Brügge) und Mitchel Bakker (Paris St. Germain) geholt. Und junges Blut: Zidan Sertdemir vom FC Nordsjaelland, er ist erst 16, ebenso alt wie Iker Branco vom FC Barcelona, beide könnten noch A-Jugend spielen, sollen sie aber nicht. Und der Iraner Sardar Azmoun soll von Zenit St. Petersburg losgeeist werden, aber der ist Stürmer. Und natürlich, das ist das Grundproblem seit Jahren: Am Ende fehlt es am letzten Biss, am Willen. Das Bayer-Phlegma ist nicht auszurotten.

Wer sticht heraus?

Der immer gut gelaunte Torwart Lukas Hradecky, Kerem Demirbay, Florian Wirtz und Moussa Diaby als Spieler, die das Grundgerüst der neuen Werkself bilden sollen. Auch mit Julian Baumgartlinger, dem mit 33 Jahren ältesten Profi im Kader, hat Coach Seoane bereits über eine Führungsrolle im Team gesprochen. Wirtz will zudem mehr Tore erzielen als die sechs in 36 Bundesligaspielen bisher. Hradecky sagt, er habe sich nach der EM „neu in den Fußball verliebt“. Und dann ist da noch ein vor Selbstvertrauen nur so strotzender EM-Schützenkönig Patrik Schick.

Wie geht´s dem Schatzmeister?

Mit Bayer im Rücken natürlich immer gut, besser jedenfalls als 90 Prozent der übrigen Bundesligisten, selbst wenn die Pandemie auch in Leverkusen Spuren hinterlassen hat. Aber eine angenehme Sicherheit gibt ein Werk in der Hinterhand schon.

Was ist drin?

Naja, wie immer. Bayer wird gut beginnen, sehr gut sogar, es werden Hoffnungen auf den ganz großen Coup geschürt. Zumindest die Champions League soll wieder erreicht werden, denn die Europa League, wo die Pillenkicker in dieser Runde spielen müssen, „ist nicht unser Anspruch“ (Hradecky). Dann kommen, warum auch immer, Phasen, in denen es schlecht läuft, unerklärbar, und Bayer gerät aus dem Tritt – und landet dann am Ende auf Platz fünf. Und ist enttäuscht, womöglich versucht, wieder den Trainer zu wechseln. Als machte es einen Unterschied.

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