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Will keine Extrawurst für den Fußball: DFL-Boss Christian Seifert.

Bundesliga in der Corona-Krise

DFL verschiebt Mitgliederversammlung

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Die Deutsche Fußball-Liga verschafft sich Zeit bei der komplexen Debatte, wann der Ball wieder rollen kann. Und Geschäftsführer Christian Seifert richtet einen dringenden Appell an die Klubs.

Die neuen Leitplanken für den deutschen Fußball setzt die Arbeit der Akademie der Wissenschaften, bekannt als „Leopoldina“. Auf Grundlage dieser Empfehlungen wird am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten über die Lockerung der Corona-Maßnahmen reden, die auch direkt auf die Deutsche Fußball-Liga (DFL) abstrahlen. Eigentlich sollte am Freitag die nächste virtuelle Mitgliederversammlung stattfinden. Aber der Zeitdruck scheint bei so vielen unberechenbaren Einflussfaktoren zu groß: Am Dienstagnachmittag teilte die DFL die Verschiebung um eine Woche auf den 23. April mit. Damit verschafft sich die Dachorganisation der 36 Profiklubs etwas Luft in der komplizierten Debatte.

„Ziel der Verschiebung ist es, Klubs und DFL zusätzliche Zeit zur weiteren intensiven Vorbereitung bevorstehender Entscheidungen zu geben“, hieß es in der Erklärung. Über das weitere Vorgehen in dieser Frage würden die 36 Lizenzvereine „auf Basis der dann aktuellen politischen Beschlusslage in Bund und Ländern in der kommenden Woche entscheiden“.

Gleichzeitig sandte die DFL nach FR-Informationen ein von Geschäftsführer Christian Seifert gezeichnetes Rundschreiben an die Klubs, in der nachdrücklich dazu ermahnt wurde, dass einzelne Funktionsträger bis dahin nicht mehr über ein Datum der Saisonfortsetzung öffentlich spekulieren oder sich in dieser Frage positionieren. Unter den Erstligisten war bereits ein ähnliches Schreiben von DFL-Vizepräsident Peter Peters im Umlauf. Seifert will die Liga auf eine einheitliche Linie einschwören. Zuletzt hatten sich Dirk Zingler (Union Berlin), Klaus Hofmann (FC Augsburg) oder Martin Kind (Hannover 96) teils sehr unterschiedlich geäußert. Seifert will unter allen Umständen den Eindruck vermeiden, als solle dem Profifußball eine Extrawurst gebraten werden. Zuletzt hatte der 50-Jährige betont: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, der Fußball ignoriere in seiner Selbstbezogenheit die Realität.“ Der Zeitgewinn könnte dem Chefstrategen auch helfen, Lösungen mit dem Pay-TV-Partner Sky oder Investmentbanken bis dahin noch konkreter zu fassen.

Der Fußball wird in der „Leopoldina“-Studie oben auf Seite drei erwähnt. Die renommierte Wissenschaftsakademie empfiehlt, dass „sportliche Veranstaltungen nach und nach wieder ermöglicht werden“ sollten. Doch der Rat lässt ungefähr so viel Interpretationsspielraum wie ein 0:0 in der Halbzeitpause zwischen Eintracht Frankfurt und Hertha BSC. Das liegt an einem Zusatz.

Schwammig formuliert

Denn die in Aussicht gestellten Lockerungen der Corona-Einschränkungen sollen „in Abhängigkeit von der möglichen räumlichen Distanz und den Kontaktintensitäten der Beteiligten“ geprüft werden. Das ist arg schwammig formuliert. Sind die erwähnten „Beteiligten“ vor allem Spieler? Dann ist die Debatte über einen Restart der Bundesliga Anfang Mai schnell beendet – und jeder Teamsport bis auf Weiteres eigentlich nicht durchführbar.

Wenn damit aber vor allem Zuschauer und Personen gemeint sind, die den Ablauf des Spielbetriebs gewährleisten, darf mehr denn je gehofft werden. Denn für Spiele unter solch einem Szenario arbeitet die von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer geleitete DFL-Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb unter Hochdruck.

Der in die DFL gut vernetzte Frankfurter Vorstand Axel Hellmann hatte am Dienstagmorgen in einer Telefonschalte zu verstehen gegeben: „Es wird irgendwann wieder Fußball gespielt. Ob am 2. oder 28. Mai oder irgendwann, ist nicht der kritische Punkt.“ Es sei nicht der Zeitpunkt, „um den schnellen Start herbeizureden.“ Die Eintracht werde „keine Präferenz für einen Zeitpunkt einnehmen“. Es gelte laut Hellmann uneingeschränkt nur eine Prämisse: „Es muss medizinisch vertretbar sein.“ Die Debatte um die Saisonfortsetzung geschehe im Rahmen, was „politisch verantwortlich“ ist – einher geht der gesellschaftliche Kontext.

Die Politik scheint sich vorläufig nicht einig zu sein: Während Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Ball „vielleicht absehbar“ wieder rollen sieht, hält der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) das für „keine gute Idee“. Mäurer hat ohnehin die DFL zum ersten persönlichen Feindbild erkoren. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kann sich hingegen sogar vorstellen kann, dass bereits im Herbst in vollen Stadien gespielt wird. Wenn politische Entscheidungsträger derart weit voneinander abweichen und auch noch persönliche Eitelkeiten einfließen, macht das nur deutlich, welch schwierige Entscheidungsfindung noch bevorsteht. Sich dafür bei der DFL mehr Zeit zu lassen, ist nur vernünftig. (mit sid)

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