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Bei einer EM, die in zwölf Ländern stattfinden soll, wäre das Risiko einfach viel zu groß

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Vernünftige Verschiebung

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Die Uefa hat entschieden, dass die EM in diesem Sommer nicht stattfinden kann. Präsident Ceferin beweist, dass er kein Betonkopf ist. Aber was wird die Fifa nun tun? Ein Kommentar.

Als Alexander Ceferin 2016 zum Uefa-Präsidenten gewählt wurde, gab es unter den europäischen Topklubs und Dachverbänden einiges an Misstrauen gegenüber dem Slowenen. Zu groß war der Schaden, den Vorgänger Michel Platini hinterlassen hatte, zu groß die Furcht, dass da wieder jemand an die Macht gespült wird, der sich vor allem neue Wettbewerbe ausdenkt, um die Kasse der Uefa noch weiter zu füllen und den Spielplan aufzublasen. Spätestens seit Ceferin sich vor einem Jahr offen gegen die Verkaufspläne der Klub-WM an arabische Investoren durch Fifa-Präsident Gianni Infantino gestellt hat, hat der Träger des schwarzen Karategürtels an Profil und Ansehen gewonnen. Auch wenn er zwischendrin mal vorgeschlagen hatte, das Champions-League-Finale auf anderen Kontinenten auszutragen.

Es wäre mehr als verwunderlich gewesen, wenn der 52-Jährige sich plötzlich als Betonkopf erwiesen und versucht hätte, die Fußball-Europameisterschaft in diesem Jahr auf Biegen und Brechen durchzudrücken. Die Verschiebung der EM auf das Jahr 2021 ist die einzige vernünftige Lösung in der Coronakrise. Sie gibt den Ligen und auch der Uefa in diesem Sommer den nötigen Puffer, ihre Wettbewerbe bestenfalls zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende bringen zu können. Falls in den nächsten Wochen der Fußball seinen Spielbetrieb überhaupt wieder aufnehmen kann.

Noch ist nicht abzusehen, wann die Pandemie eingedämmt sein wird – und schon gar nicht, wie unterschiedlich sie von Land zu Land verläuft. Bei einer EM, die in zwölf Ländern stattfinden soll, wäre das Risiko einfach viel zu groß, dass auch im Sommer immer noch ein Land mit dem Virus und dessen Folgen zu kämpfen hätte. Ganz abgesehen vom Terminchaos, das eine unliebsame EM für diese und auch nächste Saison bedeutet hätte.

Da die Uefa ihre Bilanz von EM zu EM in Vierjahreszyklen rechnet, wird der Umsatz am Ende des Jahres deutlich geringer als kalkuliert ausfallen. Allerdings fällt der Kontinentalverband dank der Einnahmen aus Champions League und Europa League weicher, als es der Fifa bei einer Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft ergangen wäre. Die Champions League ist und bleibt die größte Cashcow der Uefa. Diese Königsklassen-Spielzeit zu Ende zu bringen und auch für die nächste Saison durch die sportliche Qualifikation in den Ligen klare Verhältnisse zu haben, dürfte die oberste Maxime für die Uefa gewesen sein.

Die Europäische Fußball-Union wird sich nun mit der Fifa arrangieren müssen, die kommenden Sommer eigentlich die aufgestockte Klub-WM mit 24 Teams austragen wollte. Eigentlich müsste die Fifa ihrerseits ihren geplanten Wettbewerb auf den Sommer 2022 verlegen. Dafür spricht, dass die Weltmeisterschaft in Katar erst im Winter stattfindet. Dagegen spricht, dass die Ligen ihren Rahmenterminkalender anpassen und die Saison 2022/23 früher beginnen lassen wollten. Die vernünftigste Lösung wäre sicherlich, die Klub-WM komplett abzusagen oder sie noch einmal, wie bisher auch, mit sieben Teams stattfinden zu lassen.

Ob Gianni Infantino da tatsächlich mitmacht?

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