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Hamburgs Aaron Hunt (links) im Zweikampf mit Serdar Dursun.

2. Liga

Verlorene Liebesmüh

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Die Lilien haben beim 1:2 gegen den Hamburger SV lange viel zu wenig entgegenzusetzen.

Der Herbst und die Lilien werden fürs Erste keine Freunde mehr. Am Freitagabend setzte der Darmstädter Zweitligist seine Niederlagenserie fort, die verdächtig an die Krise zur gleichen Zeit in der vergangenen Saison erinnert. Das verdiente 1:2 (0:2) gegen den spielerisch klar überlegenen Hamburger SV war die vierte Pleite in Folge für den SVD, der sich nun erst einmal nach unten orientieren muss in der Tabelle. Bei solch einer Leistung ohnehin.

Trainer Dirk Schuster hatte nach der 2:4-Niederlage in Kiel beklagt, seine Spieler hätten mitunter „die Liebe zum Verteidigen“ vermissen lassen. Doch lange dauerte es nicht am Freitag, bis Schuster in seiner Coaching Zone in Richtung seiner Spieler zürnte. Keine zehn Minuten waren gespielt, und schon wieder sah er aus wie ein Mann, der keine Liebe findet. Da hatte er die Aufstellung seiner Mannschaft extrem auf die Defensive ausgerichtet, mit einer tiefstehenden Viererkette und den Abräumern Yannick Stark und Wilson Kamavuaka im zentralen Mittelfeld davor, doch zu Beginn konnte der eigentlich selbst kriselnde Favorit aus Hamburg tun, was er wollte. Die spielstarke HSV-Offensive mit Jann-Fiete Arp, Tatsuya Ito, Aaron Hunt, Lewis Holtby und Hee Chan Hwang wirbelte nach Lust und Laune, und die Lilien wussten nicht, wie ihnen geschah. „Wir waren zu vorsichtig am Anfang, haben dem HSV zu viel Raum gelassen“, gestand Verteidiger Marcel Franke.

Als Sinnbild für die ersten 20, 25 Minuten dieses irgendwie ungleichen Duells stand die Hamburger Führung durch Hunt, nach 13 Spielminuten war es passiert. Der 32-jährige Kapitän der Gäste steuerte völlig unbehelligt auf die zahlreichen Abwehrspieler der Darmstädter zu, vermutlich hätte er gerne abgespielt. Aber dann fiel ihm auf, dass das gar nicht nötig war. Unbedrängt wie beim Torschusstraining platzierte Hunt die Kugel flach ins lange Eck.

Es passte zu diesem vermurksten Abend für die Darmstädter, dass die Gäste in jener Phase das zweite Tor schossen, als die Lilien sie eigentlich in ein Spiel gezwungen hatten, dass der HSV nicht mag.

Später Druck der Lilien

Nach einer halben Stunde war die Partie nämlich in einem schleichenden Prozess zu einem unrhythmischen Kampfspiel geworden – weil die Darmstädter inzwischen in die Zweikämpfe fanden, und auch, weil der HSV in der scheinbaren Sicherheit krasser fußballerischer Überlegenheit nachgelassen hatte. Und dann, plötzlich, kurz vor der Pause: Lücken zwischen den Darmstädter Abwehrreihen, so groß, dass die Elbphilharmonie hineingepasst hätte. Holtby traf, auf Vorlage Khaled Nareys, 45 Spielminute. Narey war unmittelbar zuvor für den klitzekleinen Japaner Ito ins Spiel gekommen, denn auch Gästetrainer Christian Titz war aufgefallen, dass die Lilien sich irgendwie ins Spiel gezwängt hatten.

Weil die Bemühungen des HSV, in den zurückliegenden drei Spielen ohne eigenen Torerfolg geblieben, immer beliebiger wurden, je länger dieses Spiel dauerte, blieb die Chance auf einen Twist bestehen für den SVD. Eine Stunde lang hatte ein Hamburger für die gefährlichsten Situationen gesorgt; der Verteidiger Rick van Drongelen köpfte einmal knapp drüber (24.) und schoss einmal knapp vorbei (62.).

Dann scheiterten Tobias Kempe (63.) und Aytac Sulu knapp (71.), und als sich auf den Rängen schon das Gefühl durchsetzte, dass der Herbst also den Lilien den nächsten gebrauchten Abend angedreht hatte, läutete Serdar Dursun mit seinem Anschlusstreffer im Strafraumdurcheinander (89.) eine wildes Finale ein. Die Lilien bombardierten die Hamburger nun mit langen Bällen, Kempe setzte einen Freistoß knapp drüber, Marcel Hellers Versuch ging am Tor vorbei. Die Darmstädter bettelten den Zufall an, ihnen zu helfen. Vergeblich.

„Vielleicht“, sagte Heller, „ist es jetzt gut, dass ein Break kommt nach dieser Serie. Um Luft holen zu können.“ Was sich nach der Länderspielpause ändern muss? „Wir müssen einfach viel besser verteidigen.“ Fußball in Darmstadt kann so einfach sein.

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