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Verlängerter Arm von Trainer Akira Nishino: Der japanische Kapitän Makoto Hasebe (links).
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Verlängerter Arm von Trainer Akira Nishino: Der japanische Kapitän Makoto Hasebe (links).

Japan

Verklagt auf einen Yen

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der japanische Fußball hat gegen die eigene Etikette vorgehen müssen.

Irgendwie stand es ja für japanische Höflichkeit, was die kurz zuvor mit einem Charterflug aus Innsbruck in Kasan eingetroffene Delegation ihrer Nationalmannschaft am vergangenen Mittwoch tat: Die Spieler hatten sich in der großzügigen Trainingsanlage von Rubin Kasan noch gar nicht richtig vertraut gemacht, da öffneten sich die Pforten zum öffentlichen Training. Auch viele Einheimische nahmen vor gut einer Woche die Möglichkeit wahr, ansonsten streng bewachtes Terrain näher zu inspizieren. 

Die freundliche Atmosphäre eines lauen Sommerabends schien allen zu gefallen. Japans Nationaltrainer Akira Nishino ließ seine Assistenztrainer alsbald vier kleine Tore aufstellen, rosafarbene Leibchen verteilen und zwei Spieler direkt vor der Tribüne antreten. Ständig stürmten Yoshinori Muto (noch FSV Mainz 05) oder Yuya Osaka (bald Werder Bremen) auf ein anderes Mini-Gehäuse zu und erzielten Tor und Tor. Die einen klatschten sich für ihre Erfolgserlebnisse ab, die anderen knipsten Erinnerungsfotos.

Unverkrampft in der Mixed Zone

Damit auch die zahlreichen Pressevertreter etwas von der Veranstaltung hatten, schickte Kommunikationsdirektor Hiroshi Tada hernach alle 23 Spieler durchs Medienzelt. Keine Frage, die nicht gestellt werden durfte. Auch das ist in Zeiten zunehmender Abschottung – Achtung, Deutscher Fußball-Bund – möglich. Gewiss, jeden Tag veranstaltet die Japan Football Association (JFA) nicht solche Aktivitäten, aber Medien und Mannschaft begegnen sich täglich unverkrampft in der Mixed Zone. 

Umso ärgerlicher, dass die Schreckensmeldungen aus der Heimat mit einem Erdbeben in der Hafenstadt Osaka mit Toten und Verletzten die Vorbereitung zum Auftakt gegen Kolumbien in Saransk (Dienstag 14 Uhr MESZ/ZDF) stören. „Einige Spieler waren schockiert und besorgt um ihre Verwandten, als sie heute davon hörten. Mehrere Spieler sind betroffen“, sagte Nishino am Montag. „Das ist psychologisch nicht einfach für sie. Das macht mir Sorgen. Einige Spieler haben Freunde in der Region.“

Eigentlich wollte der 63-Jährige eine neue Lockerheit verordnen, damit Nippon bei der sechsten WM-Teilnahme zum dritten Male nach der Heim-WM 2002 und 2010 das Achtelfinale erreicht. Denn wie sagte der einst erfolgreiche Vereinstrainer bei seiner Beförderung vom Technischen Direktor zum Cheftrainer Anfang April: „Ich möchte den Spielern auch Freiheiten auf dem Platz geben, um das Maximale aus sich herauszuholen.“ 

Bei der WM-Generalprobe gegen Paraguay (4:2) wirbelten der Dortmunder Shinji Kagawa oder der ehemalige Frankfurter Takashi Inui bereits wieder wie zu besten Bundesliga-Zeiten. Auch der inzwischen in Mexiko gelandete Keisuke Honda könnte noch wichtig werden. Viele der erfahrenen Kräfte – der Kader hat einen Altersschnitt von 28,2 Jahren – wirkten wie befreit. JFA-Präsident Kozo Tajima sah sich bestätigt, die Trennung von Valil Halilhodzic durchgezogen zu haben. In einem Land und für ein Volk, das auch im Fußball auf gute Etikette achtet, glich die Entlassung des Nationaltrainers kurz vor einer WM fast einem Drama.

Noch immer fühlt sich der in seiner Ehre gekränkte Bosnier ungerecht behandelt und verklagte den Verband auf die Summe von einem Yen. Umgerechnet weniger als ein Bruchteil eines Cents. Ein Störfeuer mit Symbolkraft. Aber wer speziell einigen der sieben aus den Bundesliga berufenen Profis zuhörte, konnte zwischen den Zeilen lesen, wie unvermeidlich die Entlassung war. „Natürlich war das für uns eine schwierige Situation, aber ich bin sicher, dass wir es jetzt zusammen schaffen“, erklärte Kapitän Makoto Hasebe rückblickend.

Der 34 Jahre alte Routinier von Eintracht Frankfurt – der am Montag auch sein Mitgefühl an die Angehörigen der Erdbebenopfer richtete – kann in der Gruppe mit Kolumbien, Senegal und Polen keinen klaren Favoriten erkennen. „Wir haben drei ganz schwere Gegner.“ Gotoku Sakai vom Hamburger SV hob noch hervor, wie viel sich in kürzester Zeit auch taktisch verändert habe: „Wir versuchen, mehr auf Ballbesitz zu gehen, stehen defensiv sehr kompakt.“

Das muss das japanische Kollektiv heute auch tun, um kolumbianischen Künstler Radamel Falcao und James Rodriguez besser zu bändigen als bei der WM 2014: Damals unterlagen die Samurai Blues gleich mit 1:4. 

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