Werder Bremen

Verkeilt wie einst Hoeneß und Lemke

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Im Streit um Polizeikosten zeichnet sich keine Lösung ab / Hessen lehnt Bremer Modell ab

Es ist nicht zu vermuten, dass das Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und Werder am 14. Dezember ein solches Ballyhoo erfährt, wie der Nachgang der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga am Dienstag (die FR berichtete). Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsmitglied des FC Bayern, und Marco Bode, Aufsichtsratschef des von der Liga mit großer Mehrheit zur alleinigen Zahlung solcher Mehrkosten verdonnerten SV Werder, gerieten noch in ein Fernduell, das fast an die legendären Scharmützel zwischen Uli Hoeneß und Willi Lemke erinnerte, die sich einst aus Überzeugung erbittert bekämpften.

Rummenigge fuhr verspätet im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur schwere Geschütze auf: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass der SV Werder Bremen die DFL jetzt sogar verklagen will. In der 19-jährigen Geschichte der DFL stellt dieser Schritt ein absolutes Novum dar. Der Solidargedanke war immer eine Stärke aller Mitglieder der DFL, die Werder Bremen auch in dieser Angelegenheit nicht in Frage stellen sollte.“ Die Replik aus dem Norden ließ nicht lange auf sich warten.

Während sich die Bremer Geschäftsführer Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald auf der Rückreise befanden, konterte Bode über die Vereinshomepage. „Karl-Heinz Rummenigge und wir haben offensichtlich eine unterschiedliche Auffassung davon, was Solidarität bedeutet. Außerdem ist es nicht unsere Idee, sondern es wurde von allen Gerichten festgestellt, dass Werder und die DFL Veranstalter sind.“ Sein Verein wolle keinen Rechtsstreit mit der Liga, „aber es kann nicht sein, dass wir ohne eigenes Verschulden verantwortlich sein sollen.“

Man hat sich sogar mit dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) angelegt, der den Schlamassel erst angerichtet hat. So heißt es in einem Werder-Schreiben vom 4. November an die DFL: „Während des gesamten verwaltungsgerichtlichen Verfahrens standen wir eng an der Seite der DFL(…). Diese kompromisslose Haltung hat durchaus Spuren in unserem Verhältnis zur Bremer Landespolitik hinterlassen.“ Ob die Bremer nun wirklich die Liga verklagen, ist längst nicht sicher. Hess-Grunewald erwähnte zuerst den Gang vor das Ständige Schiedsgericht, ehe ein ordentliches Gericht angerufen werde.

Die DFL hat insofern geschickt auf Zeit gespielt, weil die zweite Hälfte der auflaufenden Kosten Werder Bremen gestundet wird. Klar ist: Der Fall muss zwangsläufig vors Bundesverfassungsgericht, um für Rechtssicherheit zu sorgen. Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig hatte zwar die grundsätzliche Erhebung solcher Gebühren für zulässig erklärt, die genaue Ausprägung aber an das Bremer Oberverwaltungsgericht zurückverwiesen. Es wird also noch viel Wasser die Weser herunter fließen, ehe der norddeutsche Bundesligist wirklich von dem befürchteten „Standortnachteil“ sprechen kann.

Beuth spricht Klartext

Der DFL ist wiederum daran gelegen, alternative Wege aufzuzeigen, um unnötige Polizeikosten für den Steuerzahler zu vermeiden. Als Beispiel wird das Pilotprojekt der „Stadionallianzen“ in Baden-Württemberg genannt, wo im Zusammenspieler aller Netzwerkpartner bei Reduzierung der Polizeikräfte und ihrer Einsatzstunden trotzdem größtmögliche Sicherheit geschaffen werden soll. Hier spielen die Fanprojekte in der Präventionsarbeit und Kommunikation eine wichtige Rolle. Was aber tun, wenn Gruppierungen, wie aktuell offenbar bei Eintracht Frankfurt, jede Kommunikation ablehnen?

Obwohl vom Frankfurter Anhang latentes Gefahrenpotenzial ausgeht, hat die Eintracht bei der Umlage von Polizeikosten nichts zu befürchten. Weil Hessen das Bremer Modell ablehnt, wie Innenminister Peter Beuth (CDU) bekräftigte: „Der Staat hat das alleinige Gewaltmonopol und muss dieser Aufgabe, die Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten, auch bei Fußballspielen nachkommen.“ Die DFL-Entscheidung verhindere aus seiner Sicht „die Mithaftung auch unbescholtener Vereine für falsche Entscheidungen der Bremer Politik“. mit dpa

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