Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kaum zu halten: Der Franzose Paul Pogba wird von Antonio Rüdiger (li.) und Robin Gosens in die Mangel genommen. dpa
+
Kaum zu halten: Der Franzose Paul Pogba wird von Antonio Rüdiger (li.) und Robin Gosens in die Mangel genommen. dpa

Auftaktniederlage gegen Frankreich

Vergeblicher Kampf der DFB-Auswahl

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

Trotz ordentlicher Leistung verliert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich - der Titelfavorit spielt abgezockter.

Der Auftakt hatte Endspielcharakter und phasenweise auch Finalniveau. Letztlich schaffte es die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei ihrem EM-Auftakt trotz einer zunehmend ansehnlicheren Vorstellung jedoch nicht, den Weltmeister zu bändigen. Frankreich gewann, ausgerechnet durch ein frühes Eigentor von Rückkehrer Mats Hummels, verdient mit 1:0 (1:0). Das DFB-Team steht damit am Samstag (18 Uhr) gegen Portugal nun schon unter enormen Zugzwang.

Vor dem rassigen Spiel wäre es fast zu einem folgenschweren Unfall gekommen. Ein Drachenflieger, der für Greenpeace demonstrierte, geriet in rund 50 Meter Höhe in eine Stahl-Aufhängung des Stadions und wäre um ein Haar verheerend auf die Tribüne gestürzt. Es hätte ganz sicher mehr als eine Verletzte gegeben, die behandelt werden musste, wenn der Mann sein Gerät nicht noch in letzter Sekunde unter Kontrolle gebracht hätte. Nur mit größter Mühe konnte er sich bei der Landung auf den Rasen retten und wurde umgehend abgeführt. Greenpeace entschuldigte sich für die misslungene Protestaktion.

Zum Sportlichen: Joachim Löw hatte zum Auftakt seines letzten großen Turniers als Bundestrainer folgende einprägsame Parole vorgegeben: „Zweikämpfe annehmen und sie gewinnen.“ Und bloß keine leichten Bälle verlieren. Denn: „Große Räume sind für Frankreich ein gefundenes Fressen.“ Der 61-Jährige war nach zweieinhalb Wochen schweißtreibender Vorbereitung sicher gewesen, dass seine Mannschaft vor Tatendrang sprühen würde: „Jeder bei uns ist sehr hungrig nach Erfolg.“ Den konnten Jonas Hofmann (verletzt), Leon Goretzka (Trainingsrückstand) und Jamal Musiala von vornherein nicht stillen. Sie gehörten nicht zum 23-Mann-Kader und saßen auf der Tribüne.

Schnellen Einlass zum deutschen Tor hatte das DFB-Team dem Weltmeister unbedingt verwehren wollen. Denn klar war: Ein Rückstand gegen diese Qualitätsmannschaft würde vieles schwieriger machen. Doch dann passierte genau das, und zwar vollkommen überflüssig. Denn Löw hatte oft genug und ausdrücklich davor gewarnt, Einwürfe in vermeintlich ungefährlichen Räumen unkonzentriert zu verteidigen.

Genau das tat die deutsche Mannschaft jedoch nach 20 Minuten, zudem war Joshua Kimmich rechts zu weit nach innen gerückt, das darf einer Fünferkette in dieser Art schlicht nicht passieren. Der überragende Paul Pogba erkannte das blitzgescheit, flinker Flügelwechsel von rechts nach links, Mats Hummels wollte in höchster Not die Hereingabe von Lucas Hernandez vor Kylian Mbappé klären – und traf ins eigene Tor. Unglücklich, aber passiert.

Das DFB-Team erholte sich von diesem Rückschlag nur schwer. Im Mittelfeld gewann vor allem Toni Kroos zwar immer wieder Zweikämpfe, aber die Nervosität war dem deutschen Spiel allzu sehr anzumerken. Vor allem Kai Havertz verlor Bälle, die ein Spieler seiner Klasse nicht verlieren darf, auch Ilkay Gündogan hat schon bessere Abende erlebt. Löw wurde in seiner Coaching Zone mehrfach ganz verrückt. Durchschlagskraft entwickelte sein Team zunächst jedenfalls nicht, die Franzosen wirkten selbstbewusster und präziser und zielstrebiger, einfach besser. Im deutschen Strafraum war immer wieder was los. Hinzu kam, dass Referee Carlos del Cerro Grande sicher kein Heimschiedsrichter war. Im Zweifel bevorzugte der Spanier den französischen Weltmeister, die Deutschen haderten mehrfach nachvollziehbar.

Auch die frühe Gelbe Karte gegen den anfangs eher schwachen und später immer stärker werdenden Kimmich war eine breite Spur zu hart. Links tat Robin Gosens viel nach vorn, aber zu viele Aktionen im deutschen Angriffsspiel verpufften gegen einen abgezockten Gegner. Die französischen Umschaltaktionen liefen wie auf Schienen, einmal klärte Matthias Ginter spektakulär, nachdem Mbappé leichten Fußes Hummels weggelaufen war, ein 0:2 nach 36 Minuten wäre wohl einer Vorentscheidung gleichgekommen.

Nach der Pause versuchte die Heimmannschaft, mehr Zug in die Aktionen zu bekommen. Den Pfosten traf nach 52 Minuten aber zunächst Adrien Rabiot. Glück für das deutsche Team! Kurz darauf verpasste Serge Gnabry mit der ersten klaren Chance das Tor nur knapp. Gleich darauf noch einmal. Das Spiel wurde rasanter. Deutschland kämpfte. Frankreich blieb gefährlich. Mbappés Tor wurde zurecht wegen Abseits nicht gegeben (66.).

Löw brachte erst nach 74 Minuten Timo Werner für Gnabry und Leroy Sané für den nicht überzeugenden Havertz. Der Endspurt sollte eingeleitet werden, denn die zwischenzeitliche Energie war aus dem deutschen Spiel wieder etwas gewichen. Die Konter schnitten wie ein Messer ins deutsche Fleisch. Mbappé rannte Hummels davon, konnte von diesem aber noch mit einer Monstergrätsche gestoppt werden (77.). In der 85. Minute wurde Karim Benzemas vermeintliches 2:0 wegen eines Millimeter-Abseits aberkannt.

Deutschland packte mit zunehmender Verzweiflung die Brechstange aus, Emre Can und Kevin Volland legten in den finalen Minuten noch Fuß an, Flanke um Flanke segelte in den Strafraum, prallten aber an Frankreichs Coolness und Klasse ab. Und auch die achtminütige Nachspielzeit überstand der mit Mann und Maus verteidigende Weltmeister unbeschadet. Es war ein verdienter Sieg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare