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Das verflixte "fünfte Spiel"

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Von: Frank Hellmann

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Bisher nur mit einem Kurzeinsatz: Regisseur Marco Fabian.
Bisher nur mit einem Kurzeinsatz: Regisseur Marco Fabian. © afp

Mexiko bleibt in schöner Regelmäßigkeit bei einer WM im Achtelfinale hängen: Gegen Brasilien wird es schwer, daran etwas zu ändern. Eintracht-Profi Marco Fabian war beim letzten Sieg gegen die Südamerikaner mit von der Partie

Es ist nun wahrlich nicht zu behauptet, dass sich die direkte Umgebung der Kosmos-Arena von Samara als besonders sehenswert erweist. Liegt der Neubau doch in einem gesichtslosen Areal einer Schnellstraße nördlich der Millionenstadt, die sich ohnehin auf 50 Kilometer Länge entlang der Wolga schlängelt. Unzählige Hektar sind hier dem Boden gleich gemacht worden, damit das mit einer riesigen Glaskuppel versehene Raumschiff landen konnte. Im Niemandsland. Spötter behaupten: Hier ist Mexiko zum Achtelfinale gegen Brasilien (16 Uhr/ZDF) genau richtig. Regelmäßig sind die Mittelamerikaner bei den vergangenen WM-Turnieren zwischen Gruppen-Baum und Viertelfinal-Borke steckengeblieben. Ausgeschiedene Achtelfinalisten schreiben aber keine WM-Geschichte. Für das fußballverrückte Mexiko schwer zu ertragen.

Wie bei Olympia

Das so genannte „fünfte Spiel“ ist schon fast zur Obsession für das 125-Millionen-Volk geworden. Weil es nämlich nicht mehr stattfinden will. Sechsmal hintereinander endete die Fiesta an diesem Punkt. Seit 1994 nacheinander gegen Bulgarien (1:3 im Elfmeterschießen), Deutschland (1:2), die USA (0:2), zweimal gegen Argentinien (1:2 nach Verlängerung und 1:3) und zuletzt 2014 gegen die Niederlande (1:2). Damals in Fortaleza führten die Mexikaner bis zur 88. Minute mit 1:0, ehe Wesley Sneijder, Elfmeterschinder Arjen Robben und Klaas-Jan Huntelaar in Koproduktion das Aus besiegelten. Nur 1970 und 1986, bei den beiden Weltmeisterschaften in der Heimat, schafften es die Mexikaner ins Viertelfinale.

„Wir sind gekommen, um Geschichte zu schreiben, es liegt ganz in unseren Händen“, hat der Führungsspieler Andrés Guardado nun trotzig verkündet. Der 31-Jährige, den sie immer noch den „kleinen Prinzen“ nennen, trägt die Kapitänsbinde, wenn Oldie Raphael Marquez nicht auf dem Rasen steht. Zusammen mit Torwart Guillermo Ochoa haben sie die letzten drei Teile des Traumas allesamt durchlitten. Selbst der eigene Verband, die Federación Mexicana de Fútbol Asociation, sonnt sich nicht länger darin, dem Weltmeister Deutschland eine lange Nase gedreht zu haben, sondern teilt über seine sozialen Plattformen mit, „noch einmal Geschichte schreiben“ zu wollen. Um den Fluch der Vergangenheit zu begegnen, wurde flugs ans Olympiafinale 2012 erinnert, bei dem es in London ja tatsächlich gelang, gegen Brasilien mit 2:1 zu gewinnen. Damals auf dem Feld im Londoner Wembleystadion: Neymar bei Brasilien und Marco Fabian bei Mexiko.

Marco Fabian als Mutmacher

Obwohl der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt derzeit bei Nationaltrainer Juan Osorio nur 25 Minuten im letzten Gruppenspiel gegen Schweden (0:3) eingesetzt wurde, betätigt er sich jetzt als Mutmacher. „Bei drei Dingen können wir uns sicher sein: Erstens haben wir aus Fehlern gelernt. Zweitens gibt es keine unschlagbaren Gegner. Drittens werden wir unsere Seele auf dem Spielfeld lassen“, schrieb der 28-Jährige auf Twitter. Vor allem dürfte das auf dem von einem deutschen Unternehmen verlegten Rasen für seinen Klubkollegen Carlos Salcedo gelten, der bisher in jeder Partie von Anfang bis Ende gebraucht wurde. Der 24-Jährige wird sich voll ins Zeug legen müssen, denn über seine Abwehrseite stößt meist Superstar Neymar vor.

Dem Virtuosen mit dem Frisurentick gilt  im Vorlauf viel Aufmerksamkeit, weil von mexikanischer Seite seine Fallsucht gefürchtet wird. „Wir wissen, dass er bei Fouls gerne übertreibt und sich gerne auf den Boden wirft“, sagte Guardado. „Das ist sein Stil, aber das müssen wir nicht unterbinden, sondern der Schiedsrichter.“ Der heißt Gianluigi Rocchi und kommt aus Italien. Der Chef der Fifa-Schiedsrichterkommission, Pierluigi Collina, wird schon wissen, warum er die Leitung heute einem Landsmann anvertraut, den viele auch im Finale erwarten. Wenn vorher in der futuristischen Arena von Samara etwas Historisches zwischen dem Rekordweltmeister und dem Team mit dem Achtelfinal-Albtraum passiert, soll nicht der Referee die Hauptrolle gespielt haben.

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