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Verfälschtes Weltbild

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Von: Frank Hellmann

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Wes Geistes Kind? Man weiß es nicht. Fest steht: Im Gegensatz zur WM 2018 in Russland kaum noch Frauen mit geschminkten Gesichtern und offenen Haaren auf den Tribünen zu sehen.
Wes Geistes Kind? Man weiß es nicht. Fest steht: Im Gegensatz zur WM 2018 in Russland sind kaum noch Frauen mit geschminkten Gesichtern und offenen Haaren auf den Tribünen zu sehen. © afp

Rund ums Stadion sollen Iranische Fans, die Solidarität für die getötete Mahsa Amini zeigen wollten, massiv eingeschüchtert worden sein. Und die Fifa kuscht. Der Kommentar.

Natürlich hat es hinterher im Stadion Al Thumama die Bilder gegeben, die beim Ausscheiden eines Nationalteams stets entstehen: enttäuschte iranische Spieler, die auf dem Rasen liegen. Morteza Pouraliganji, Verteidiger von Persepolis Teheran, der mal für Al-Arabi Doha gespielt hat, wollte gar nicht mehr aufstehen. Der 30-Jährige hatte kurz vor Schluss vorbeigeköpft. Sein Nationaltrainer Carlos Queiroz haderte mit einem himmelschreiend ungerechten Resultat. Zugleich wetterte der Portugiese gegen jene anonymen Quellen, die von der Einschüchterung seiner Spieler berichtet hatten. Das sei ja wohl eine Schande, schimpfte der 69-Jährige. Geht’s noch, Carlos?

Der mit den Verhältnissen in der Islamischen Republik bestens vertraute Weltenbummler sollte aus seiner ersten Amtszeit zwischen 2011 und 2019 doch selbst wissen, wie lang der brutale Arm der Machthaber in den Fußball hineinreicht. Das Regime wollte diese WM massiv für ihre Zwecke missbrauchen – und vor allem die Protestbewegung im eigenen Land kleinhalten. Die Audienz vor der Abreise beim Staatspräsidenten Ebrahim Raisi war erzwungen, von Repressalien nach dem verweigerten Mitsingen der Nationalhymne beim ersten Spiel gegen England (2:6) die Rede. Die Spieler sollten kicken und gehorchen. Und bloß keine Solidarität mit den Demonstranten zeigen.

Es ist nur zu erahnen, unter welchem unmenschlichen Druck aufgeklärte Profis wie Sardar Azmoun von Bayer Leverkusen standen. Wer fürchten muss, dass seine Familienangehörigen geschlagen, gefoltert oder eingesperrt werden, der bewegt zumindest die Lippen. Zum dritten Gruppenspiel gegen den Erzfeind USA (0:1) hatte die Regierung aus Teheran Abertausende regimetreue Anhänger nach Katar gekarrt. So waren ganz im Gegensatz zur WM 2018 in Russland kaum noch Frauen mit geschminkten Gesichtern und offenen Haaren auf den Tribünen zu sehen. Dass das Weltbild fürs Fernsehen genau die wenigen Ausnahmen zeigte, grenzt an Betrug.

Gängelung von Iraner:innen

Statt die Täuschung zu befördern, müsste der Weltverband Fifa die Vorfälle auf dem Stadiongelände untersuchen. Dort wurde ein Mann, offenbar ein Exil-Iraner, massiv von aggressiven Landsleuten bedroht, die sich wie Sittenpolizisten aufführten, weil er das T-Shirt „Women! Life! Freedom!“ trug. Das Vorbringen dieser Botschaft wurde laut Augenzeugenberichten an vielen Stellen gewaltsam unterbunden. Die Säuberungsaktionen hatten die Herrscher eingeleitet, die auch mit massiver Einschüchterung gegenüber Journalisten oder Fotografen aus dem Iran arbeiteten. Künftig muss die Fifa das Eintreten für Grundrechte viel besser absichern.

Auflage muss werden, dass Länder wie der Iran nur dann bei einer WM mitspielen können, wenn Frauen uneingeschränkten Zugang in ein Fußballstadion haben. Das ist mal das Mindeste. Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte sich auch hier weggeduckt. Sein fadenscheiniges Argument: Im Iran würden nicht 80 Millionen Monster leben. Mag richtig sein. Aber es sind einige „Monster“ zu viele unter den Mullahs, sonst hätte es unter den Hunderten Toten bei den Protesten nicht schon so viele Frauen und Kinder erwischt.

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