1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Verengung im Keller

Erstellt:

Von: Jakob Böllhoff

Kommentare

Schon am Ende mit seinem Latein? Foto: dpa
Schon am Ende mit seinem Latein? © dpa

Da waren es nur noch drei: Hertha, Bielefeld und Stuttgart machen den Abstieg unter sich aus - wenigstens verspricht das einen Hauch Spannung. Ein Kommentar.

Die Erwartungen an den Tabellenkeller sind groß in der Fußball-Bundesliga. Dieser Keller soll etwas leisten, was das andere Ende der Tabelle schon lange nicht mehr zu leisten vermag: Er soll Spannung liefern. Volten. Unerwartete Ereignisse. Der Kampf um die Meisterschaft ist so langweilig wie nie, weil der FC Bayern zwar relativ schusselig daherkommt, zum Teil nicht mal in der Lage, die korrekte Anzahl an Spielern aufs Feld zu stellen; die nächstbeste Mannschaft in Deutschland ist aus irgendeinem Grund aber auch in dieser Saison Borussia Dortmund, und wenn der FC Bayern ein kleiner Schussel ist, dann ist Borussia Dortmund ein ausgewachsener Chaot, der ständig über sich selbst stürzt und dabei komische Geräusche macht. Honk, honk!

Nichts geht im Meisterkampf, weshalb die neugierigen Blicke in den Keller wandern. Verglichen mit den letzten Jahren ist dieser Keller auch nicht ganz das, was er mal war, die großen Namen fehlen, weil schon abgestiegen, Hamburger SV, Schalke 04, Werder Bremen, und mit ihnen die stimmungsvollen Dramen untergehender Fußball-Großmächte.

Letztlich sind es ja die Einzelschicksale, die den Spannungsbogen hochhalten. Auch der diesjährige Abstiegskampf war da mit viel Potenzial gestartet. Er hatte zwischenzeitlich Borussia Mönchengladbach im Programm, mit dem teuren Trainer Adi Hütter und dem netten Manager Max Eberl, der plötzlich fortging, weil er nicht mehr konnte, und mit zum Teil absurden Niederlagen, die Schwindsucht vermuten ließen. Der Abstiegskampf schien auch den VfL Wolfsburg für sich begeistern zu können, wo Trainer Florian Kohfeldt zur gleichen tragischen Figur zu werden drohte wie einst bei Werder Bremen. Ja, reizvolle Geschichten hätten das sein können fürs Saisonfinale. Doch die Gladbacher und Wolfsburger zogen es vor, rechtzeitig in die Langeweile jener Tabellenzone zu verschwinden, die als Niemandsland bezeichnet wird.

Für die Spannung im Keller ist das ein Verlust. Der Abstiegskampf hat sich fünf Spieltage vor Saisonschluss auf drei Namen verengt (den Tabellenletzten Fürth klammern wir aus Gründen völliger Chancenlosigkeit aus): VfB Stuttgart (Tabellen-15., 27 Punkte), Arminia Bielefeld (16., 26), Hertha BSC (17., 26). Wer sich die Entwicklung der vergangenen Wochen anschaut, könnte meinen, dass die Verengung schnell fortschreiten wird. Die Stuttgarter sehen nämlich aus, als würden sie sich rechtzeitig fangen, während die Bielefelder von einer Verlegenheit in die nächste stürzen, ganz zu schweigen von der Hertha, die sich wünschte, sie dürfte mal wieder in etwas harmloses wie eine Verlegenheit stürzen. Der Sturz in eine Verlegenheit klingt für die stabil neben sich stehende Hertha gerade wie der reinste Segen.

Hertha oder Bielefeld. Einer wird direkt absteigen, der andere in die Relegation müssen und sich einem der zahlreichen Zweitligamonster stellen. Wenn man ganz leise ist, drunten im Tabellenkeller, hört man sie schon stöhnen und poltern. Aber vielleicht ist das auch nur Felix Magath, der schon wieder die Medizinbälle aus dem Schuppen holt.

Auch interessant

Kommentare