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Verdruss im Käferzelt

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Von: Jakob Böllhoff

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Keinmal lächeln, bitte! Kahn (r.), Nagelsmann (2.v. li.) und Salihamidzic (li.) mit Begleitung auf dem Oktoberfest.
Keinmal lächeln, bitte! Kahn (r.), Nagelsmann (2.v. li.) und Salihamidzic (li.) mit Begleitung auf dem Oktoberfest. dpa © dpa

Der Fehlstart des FC Bayern München weckt Erinnerungen an alte Zeiten.

Irgendwann ist es Julian Nagelsmann und Oliver Kahn dann nicht mehr gelungen, gut gelaunt auszusehen, man könnte auch sagen: gute Miene zum schlechten Spiel zu machen. Ein Lächeln ist eine endliche Ressource, wenn es nicht von Herzen kommt, und so blicken der Trainer des FC Bayern und der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern sehr verdrießlich drein auf diesem Bild aus dem Käferzelt auf dem Oktoberfest, während sie ihre Maßkrüge in die Kamera halten. Immerhin: Den Frauen an ihrer Seite scheint es gut zu gehen. Und dem Sportvorstand an ihrer Seite irgendwie auch, Hasan Salihamidzic. Der schien sich noch ein Lächeln aufgehoben zu haben.

Der FC Bayern München auf dem Oktoberfest, das ist Folklore, das muss sein. Auch wenn man nicht will. Auch wenn man in der Krise steckt oder etwas dieser Art. Trainer Nagelsmann hatte nach dem bitteren 0:1 beim FC Augsburg eindeutig formuliert, keine Lust zu haben auf den traditionellen sonntäglichen Ausflug der Fußballer auf die Wiesn, aber dann hatte er sich halt doch die Lederhosen angezogen und war aufgetaucht, mit seiner Lebensgefährtin, der „Bild“-Reporterin, die als solche genau weiß, dass man bei solchen Anlässen immer noch ein Lächeln in der Tasche haben sollte. Das sieht sonst komisch aus in der Zeitung.

Schlecht wie 2001

Andererseits, wem will man was vormachen. Den Bayern geht’s halt nicht gut. Zu den versteinerten Mienen passen Zahlen wie in Stein gemeißelt, so weit reichen sie zurück. Zum ersten Mal seit 2001 haben sie in der Bundesliga vier Spiele nacheinander nicht gewonnen. Damals war Franz Beckenbauer der Präsident und Ottmar Hitzfeld der Trainer, Hitzfeld sah so alt aus wie danach nie wieder, und im Olympiastadion hielten Fans ein Plakat hoch, auf dem stand: „Franz und Ottmar, seid nicht traurig! Bald ist wieder Weihnachtsfeier!“ Erinnerung an eine einfachere Zeit, in der der FC Bayern noch der FC Hollywood war, ab und zu wenigstens.

Neun Jahre später hieß der Präsident nicht mehr Franz Beckenbauer, der Trainer dafür aber Louis van Gaal, ein Holländer, der auf der Wiesn mal eine Treppe hinunterfiel, lächelnd. Auch das gehört zur Einordnung der aktuellen Bayern-Misere: Schlechter als jetzt unter Nagelsmann (Platz fünf, zwölf Punkte) startete der Rekordmeister zuletzt eben 2010, unter van Gaal, nur acht Punkte nach sieben Spieltagen. Meister wurde später Borussia Dortmund, Pokalsieger wurde Borussia Dortmund, und als der FC Barcelona die Champions League gewann, war van Gaal schon nicht mehr Trainer des FC Bayern.

Fürs Erste muss Julian Nagelsmann nicht fürchten, auf der Wiesn eine Treppe runterzufallen (zu jung, zu fit) oder seinen Job in München zu verlieren (zu viel Kredit). Oliver Kahn sagte am Sonntag auf dem Weg ins Bierzelt, man beschäftige sich nicht mit „irgendwelchen anderen Trainern. Wir sind total überzeugt von Julian.“ Nachfragen, ob er sich mit Thomas Tuchel beschäftige, der nach seiner Entlassung beim FC Chelsea Zeit hätte und eher nicht zur Kategorie „irgendwelche Trainer“ zählt, erreichten Kahn allerdings nicht mehr.

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