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Gruppenbild mit Henkelpott: Die Bayern feiern den Champions-League-Sieg.

Triple-Sieger

Verdacht auf Unbesiegbarkeit

  • vonManuel Bonke
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Die Münchner Titeljäger wirken gefestigt. Sie wirken so gefestigt, dass sich eine erschütternde Frage stellt: Wer soll dieses Team in der nächsten Saison überhaupt schlagen?

Das Penha Longa Ressort glich einem roten Palast. Mit Laser- und Lichteffekten wurde die Bayern nach ihrem 1:0-Sieg im Champions-League-Finale gegen Paris St. Germain im Mannschaftshotel empfangen, wo die interne Triple-Feierlichkeit (Meisterschaft, Pokal, Champions League) stattfand. Über der Bühne, wo die Spieler ausgelassen tanzten, prangten abwechselnd das Bayern-Logo und der Henkelpott. „Willkommen, Champions von Europa“ war auf der Wand zu lesen, als Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit seiner Rede begann: „Ich möchte eigentlich nur Danke sagen. Danke für das, was wir in den zehn Tagen erleben durften. Das war das größte Spektakel, das ich jemals erleben durfte – und ich bin ja schon lange im Geschäft. Ich habe selten einen verschworeneren Haufen erlebt als diese Truppe.“ Und die Frage, die sich nach dem Münchner Königsklassen-Triumph stellt: Wer soll diesen Haufen eigentlich stoppen? In Deutschland, in Europa?

In Bierlaune: Trainer Hansi Flick (li.) und Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Trainer Hansi Flick lässt es an der Säbener Straße wieder menscheln – und sorgt somit neben fachlicher Kompetenz für die passende Atmosphäre rund um die Mannschaft. Kein Wunder, dass Rummenigge seinen Trainer bei den Feierlichkeiten auf die Bühne zitierte, um ihm den Hof zu machen: „Du bist immer so ein bescheidener Mensch. Du hast einen Wahnsinns-Job gemacht. Du kannst stolz darauf sein.“ Und Flick gab die Blumen umgehend an seine Spieler weiter: „Mein Dank, unser Dank gilt ganz besonders der Mannschaft. Was sie in den letzten Monaten geleistet hat, war sensationell. Im Training hast du sehen können, wie sich das Ganze entwickelt. Es war einfach sensationell. Ich habe noch nie so eine Mannschaft trainiert wie euch – na gut, das war auch nicht so schwer.“

Das Problem für die europäische Konkurrenz: Die Entwicklung dieser Mannschaft scheint noch nicht zu Ende – und sie spielt noch lange Zeit großteils so zusammen. In München trainierte noch Leroy Sané (24), während seine Teamkollegen in Portugal das Triple jagten. Gesellschaft leisteten Sané dabei Torwart Alexander Nübel (23) und Nianzou (18), die den Münchner Kader in der Breite noch stärker machen. Zwar müssen die Verantwortlichen um Sportvorstand Hasan Salihamidzic die Zukunft von David Alaba (28), Thiago (29), Javi Martinez (31), Jerome Boateng (31) und Inter-Leihgabe Ivan Perisic (31) in den nächsten Tagen noch klären, doch das Gerüst der nächsten Jahre steht.v

Oder, wie es der künftige Vorstandschef Oliver Kahn formuliert: „Die Zusammensetzung eines Kaders kann man nie als abgeschlossen betrachten. Wichtig ist, dass man eine stabile Achse langfristig unter Vertrag hat. Das ist im Moment sicherlich gegeben.“ Sportvorstand Salihamidzic bemüht sich derweil, die Qualität weiterhin hoch zu halten, wie er jüngst verriet: „Das ist meine Aufgabe: dem Trainer auch für die neue Saison eine Mannschaft zu stellen, mit der er Titel gewinnen kann, aber keine Transfers zu machen, die unsere wirtschaftliche Gesundheit gefährden. Deshalb werden wir weiter darauf achten, Spieler zu finden, die vielseitig einsetzbar sind. Und wir müssen Spieler finden, die das Trainerteam entwickeln kann.“ Das Triple könnte der Beginn einer Erfolgsära gewesen sein.

Spezielles Betthupferl: Robert Lewandowski wacht neben dem Pokal auf.

Doch am Sonntag mochte in Lissabon noch niemand an die Zukunft denken, zu stark war der Moment. „Es fühlt sich unglaublich an. Wir haben eine Reise hinter uns“, sagte Thomas Müller, der vielleicht stärkste Münchner bei diesem Finalturnier. „Der Haufen ist Wahnsinn von A bis Z. Wir kamen von relativ weit unten im Herbst.“ Er selbst war ja vom alten Trainer Niko Kovac mehr oder weniger aussortiert worden, bevor Flick ihn wieder aufpäppelte, ihm zur alten Stärke verhalf. „Natürlich freue ich mich, dass ich nochmal zeigen konnte, dass ich nicht auf den Altglas-Container gehöre, sondern dass ich noch ein bisschen was im Tank habe“, sagte der 31-Jährige, dem „ein bisschen schummrig“ wurde, als er den Weg bis zum Gipfel rekapitulierte.

Da war Müller nicht allein. Siegtorschütze Kingsley Coman offenbarte: „Das ist ein unglaublicher Tag für mich, der schönste Tag meines Lebens, was den Fußball angeht“, berichtete der französische Nationalspieler, der von der Uefa zum „Man of the Match“ gekürt wurde. Coman, 1996 in Paris geboren, in der Jugendabteilung von PSG ausgebildet, plagte seinen Ex-Klub, vor allem den deutschen Nationalspieler Thilo Kehrer, wieder und wieder mit starken Dribblings.

Coman, wie jeder Münchner, suhlte sich im Augenblick. Kein Gedanke an die Pariser Vergangenheit, keiner an die Zukunft, die in seinem Fall ein paar Härten aufweist. Weil Königstransfer Sané jetzt da ist, droht Coman die Ersatzbank. Und die ist beim Triple-Sieger FC Bayern genauso unbequem wie anderswo. mit böl/sid

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