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Urs Fischer gibt vor: Mut, Mut, ganz viel Mut

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Von: Jan Christian Müller, Hanna Raif

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Trainer und Führungsspieler: Urs Fischer (rechts) gibt Christopher Trimmel Anweisungen.
Trainer und Führungsspieler: Urs Fischer (rechts) gibt Christopher Trimmel Anweisungen. © dpa

Wie Union Berlin im Spitzenspiel gegen den FC Bayern bestehen will. Beeindruckende Ökonomie bei der Chancenverwertung.

Ob es jetzt gut oder schlecht ist, dass Matthias Sammer auf den FC Bayern tippt, ist Auslegungssache. Der ehemalige Sportvorstand des FC Bayern traut Union Berlin durchaus zu, dem Tabellenführer aus München an diesem Samstag (15.30 Uhr, Sky) in der Alten Försterei das Leben schwer zu machen, geht aber von einem Favoritensieg aus. Günstig für die Tabellenzweiten aus Berlin ist jedoch, dass Sammer seiner Prognose noch einen Zusatz hinterherschickte: „Ich liege beim Tippen immer falsch.“

Vorgeplänkel um ein Spiel, das vor der Saison nicht unbedingt als Topspiel erwartet worden war – das die Fußballrepublik aber nun interessiert. „Bayern-Jäger“ wird Union Berlin ja aktuell genannt. Es schmeichelt natürlich, beflügelt. Und tatsächlich haben die Verantwortlichen aus der Hauptstadt zuletzt auch gar nicht daran gedacht, sich kleiner zu machen, als sie sind.

„Was braucht es? Mut, Mut, viel Mut“, sagt Trainer Urs Fischer, der weiß: „Wenn du nur dem Ball hinterherläufst gegen sie, dann kann man das fast nicht lösen.“ Der Schweizer sieht das Duell der noch ungeschlagenen Mannschaften als „tolle Aufgabe“. Das Selbstvertrauen ist nach saisonübergreifend elf Ligaspielen ohne Niederlage groß. Letztmals als Verlierer ging Union im März vom Platz. 0:4 – Ironie des Schicksals: in München.

Dass sie gegen große Teams bestehen können, haben die Eisernen erst vor zwei Wochen beim Sieg gegen Leipzig gezeigt. Während des 2:1-Erfolgs ließen sie zwar RB das Spiel gestalten, standen aber hinten top-organisiert und kamen durch blitzschnelle Konter zu Toren.

Das Offensivduo Sheraldo Becker und Neuzugang Jordan Siebatcheu harmoniert prächtig, hat gemeinsam bereits sechs Bundesligatreffer auf dem Konto. Beim 6:1 auf Schalke eine Woche später gelang Union wahrlich Besonderes, man kann das auf understat.com nachlesen. Laut der Internetplattform erzielten die Ostberliner sechs Tore, wiewohl sie nach den herausgespielten Chancen lediglich auf 1,07 Treffer hätten kommen sollen. Das jedenfalls war der sogenannte Wert der Expected Goals. Will heißen: Die Eisernen sind extrem ökonomisch unterwegs.

Heißer Herbst steht bevor

Noch jedenfalls, denn der Herbst wird nicht nur für die Bayern in der schweren Vorrundengruppe der Champions League mit den Gegnern FC Barcelona und Inter Mailand heiß, sondern auch für Union in der Europa League. 18 Spiele in 70 Tagen stehen bis zur Winter-WM auf dem eng getakteten Programm.

Auch Fischer kann aber ein bisschen rotieren. Auf Schalke ließ er Kapitän Christopher Trimmel und Offensivmann Genki Haraguchi draußen, ohne dass deshalb ein Leistungsabfall erkennbar gewesen wäre. U-21-Nationalspieler Jamie Leweling, für vier Millionen Euro aus Fürth verpflichtet, ist noch nicht recht auf Touren gekommen, hat seine Bundesligatauglichkeit aber bereits nachgewiesen. Ebenfalls nur Nebendarsteller sind Männer wie Levin Öztunali und Kevin Möhwald, nachdem Rick van Drongelen noch eilig an Hansa Rostock abgegeben wurde.  Selbst dem zu Recht hochgelobten Sportchef Oliver Ruhnert gelang also nicht jeder Transfer astrein.

Sogar vom Tegernsee gab es gleichwohl zuletzt Lob. „Sehr sympathisch“ sind die Berliner Bayerns Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß: „Die machen einen super Job!“ Fischer macht seine Arbeit so gut, dass eine Verlängerung bevorsteht. Darauf, dass der Kontrakt des Coaches bald über 2023 hinaus ausgedehnt wird, könnte sogar Sammer wetten. Dann läge er mal richtig.

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