Durchsetzungsstark: Mats Hummels im Kopfballduell mit Goncalo Paciencia.
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Durchsetzungsstark: Mats Hummels im Kopfballduell mit Goncalo Paciencia.

Derby

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  • vonPeter Schwennecker
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Mats Hummels feiert sein erstes Derby-Tor im Trikot des BVB und spricht sich nach dem deutlichen Erfolg für Trainer Lucien Favre aus.

Für Mats Hummels war es offensichtlich ein ganz besonderer Moment. Deshalb verbreitete der 31-Jährige am Samstag gerade einmal eine Viertelstunde nach dem 3:0 (0:0) im Bundesliga-Derby gegen den FC Schalke 04 einen Tweet: „Ein hochverdienter Sieg und endlich mein erstes Derbytor. Come ooooon.“ In seinem 19. Punktspiel im BVB-Trikot gegen die Königsblauen hatte er mit einem wuchtigen Kopfball in der 72. Minute zum Endstand getroffen. Vor der leeren Südtribüne jubelte er anschließend so emotional, als wäre es der alles entscheidende Treffer gewesen. Dabei hatten bereits zuvor Manuel Akanji (55.) und Erling Haaland (60.) die Weichen zum Sieg gestellt. „Das Derby-Tor war etwas, was mir noch gefehlt hat. Ich bin sehr froh, dass das geklappt hat. Tor und ohne Gegentor – das ist für einen Verteidiger ein Traumtag“, jubelte Hummels.

Der Dortmunder Abwehrchef ist ein Mann der klaren Worte und inzwischen auch die Persönlichkeit in der Mannschaft, die großen Einfluss ausübt. Auch wenn er wenige Sekunden vor seinem Derby-Tor die Kapitänsbinde an den eingewechselten Marco Reus weiterreichen musste. So berichtete der Routinier nach dem Spiel darüber, dass zuvor Gesprächsbedarf mit Trainer Lucien Favre bestand, wie die Schwächen, die bei der 1:3-Pleite zum Auftakt der Champions League bei Lazio Rom deutlich wurden, abgestellt werden könnten. „Es war klar, dass wir gegen so eine massierte Deckung einen offensiven Spieler mehr benötigen“, berichtete Hummels. „Darüber hat der Trainer mit uns und sehr intensiv auch mit mir gesprochen.“ Nicht zuletzt durch den Corona bedingten Ausfall von Emre Can entschied sich Favre schließlich für die Viererkette, die der BVB bereits seit Februar in einem Pflichtspiel nicht mehr praktiziert hatte.

Tasmania-Jäger

Ein Schalker Fan hatte sich am Samstagabend unter die nur 300 Zuschauer im Vereins-Trikot auf die Tribüne des Signal Iduna Parks gewagt. Doch nach dem zweiten Dortmunder Treffer durch Erling Haaland verließ er nach gut einer Stunde das Stadion. Offensichtlich beraubt von jener Hoffnung, dass die Königsblauen nach dem Trainerwechsel von David Wagner auf Manuel Baum in absehbarer Zeit die Kletterpartie aus dem Bundesliga-Keller beginnen können.

Saison übergreifend sind die Schalker jetzt schon seit 21 Spielen ohne Sieg und wandeln auf den Spuren von Tasmania Berlin, das in der Saison 1965/66 gleich 31 Mal ohne Erfolg blieb und damit Rekordhalter ist. Eine Tordifferenz von minus 17 nach fünf Begegnungen ist allerdings das Schlechteste, was das Fußball-Oberhaus seit der Gründung zu bieten hat. ps

Der Erfolg gab Favre Recht. Der Borussia gelang mit dem klaren Erfolg über den Revier-Rivalen der erste Teil der geplanten Wiedergutmachung, dem Teil zwei am Mittwoch (21 Uhr) in der Champions League gegen Zenit St. Petersburg folgen muss. Und mit dem auch die zuletzt lauter gewordene Kritik am Dortmund Trainer vorerst verstummen könnte. Eine Situation, die die Mannschaft offenbar nicht mehr berührt. „Ich hab mich daran gewöhnt“, meinte Mittelfeldspieler Julian Brandt, der gegen die Schalker in die Startformation gerückt war. „Nach einem schlechten Spiel entsteht hier schnell Unruhe. Bei uns intern habe ich nicht das Gefühl, dass es unruhig wird. Es funktioniert doch. Wir werden mit dem Trainer noch einen guten Weg gehen.“

Doch Lucien Favre ist es immer wieder selbst, der mit ungeschickten Äußerungen neue Angriffsflächen bietet. Selbst nach dem Derby-Sieg, als er die Frage, ob Schlussmann Roman Bürki jetzt wieder die Nummer eins im Tor sei, nicht beantworten wollte. „Es reicht. Ich mag diese Fragen nicht. Ich werde nichts mehr dazu sagen. Wir haben Konkurrenz im Tor“, wetterte der Schweizer Fußball-Lehrer. Für Michael Zorc stellte sich die Situation allerdings ganz anders dar: „Wir haben es mehrfach erklärt, dass Roman erst krankheitsbedingt gefehlt hatte und dann etwas an der Hüfte hatte“, betonte der Sportdirektor. „Für mich ist die Sache klar. Roman war die letzten Jahre die Nummer eins. Es gibt aus meiner Sicht nicht viel Grund dazu, das zu ändern.“ Dennoch schränkte Zorc ein: „Aber am Ende stellt immer der Trainer auf.“

Ran an die Bayern

Daraus jetzt aber Differenzen zwischen Trainerstab und Vereinsführung herzuleiten, würde zu weit gehen. Zumal der Großteil der Mannschaft offenbar hinter Favre steht. „Wir arbeiten gerne mit ihm zusammen. Ich halte ihn für einen sehr guten Trainer“, beteuerte Hummels, der Verständnis für Favres Zurückhaltung zeigte. „Er möchte der Öffentlichkeit nicht so viele Infos geben, das ist völlig legitim“, sagte Hummels. „Wir waren diesbezüglich mit Jürgen Klopp gesegnet. Mit ihm war es wie eine Late-Night-Show. Für Unterhaltung muss man wohl dann eher Pro7 einschalten.“ Mehr wollte Hummels zum Thema Trainer nicht sagen, um keine Schlagzeilen zu produzieren. Ihm geht es in erster Linie darum, die Schwächen abzustellen. „Wir reden viel darüber. Wir wissen, woran es liegt, aber wir kriegen es nicht behoben“, meinte Hummels. „Da müssen wir jetzt noch an die Top-Teams wie Bayern rankommen.“ In zwei Wochen gastieren die Überbayern in Dortmund.

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