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Unter Aufstiegsverdacht

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Von: Daniel Schmitt

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Ideale Mischung aus Willen und Qualität: Der Darmstädter Mittelstürmer Phillip Tietz bejubelt sein spätes Siegtor in Karlsruhe. dpa
Ideale Mischung aus Willen und Qualität: Der Darmstädter Mittelstürmer Phillip Tietz bejubelt sein spätes Siegtor in Karlsruhe. dpa © dpa

Die Indizien mehren sich: Darmstadt 98 bezwingt auch Karlsruhe und führt die zweite Liga an.

In der Nachbesprechung dieses Erfolges von Karlsruhe baten die Darmstädter Fußballer um Zurückhaltung. Ja, es sei schon schön, solch ein mit dezimiertem Kader erkämpfter Dreier auf fremden Geläuf. Ja, auch der Ungeschlagen-Lauf von mittlerweile elf Partien am Stück stärke das eigene Selbstvertrauen exorbitant. Und ja, selbst der nächste Gegner, die Bundesliga-Borussia aus Mönchengladbach am Dienstag in der zweiten Pokalrunde, müsse sich auf siegeswillige Südhessen einstellen. Aber nein, wirklich nein, lasst uns doch bitte, bitte alle mit diesem Aufstiegsgefasel in Ruhe. Nicht jetzt, nicht nach erst zwölf absolvierten Zweitligaspiele, selbst dann nicht, wenn sich die Indizien mehren, die Darmstadt 98 eben ganz objektiv unter dringenden Aufstiegsverdacht stellen.

Mit 2:1 (0:1) setzten sich die Lilien am Samstagmittag beim Karlsruher SC durch und profitierten vom Stadtderby-Ausrutscher des Hamburger SV tags zuvor auf St. Pauli. Darmstadt zog vorbei in der Tabelle am HSV und ist nun Erster, 27 Punkte, acht Siege, drei Remis, nur eine Niederlage am ersten Spieltag der Saison, dem 16. Juli, laaange her. „Es ist eine herausragende Situation, dass wir bereits 27 Punkte eingefahren haben“, sagt der Darmstädter Trainer Torsten Lieberknecht, schiebt dann aber gewohnt demütig hinterher: „Das hilft uns dabei, weiter ruhig zu arbeiten. Und ich bitte alle darum, mit uns zusammen weiter ruhig zu bleiben.“

Das beste Team der Liga

Aber weil sich etwa die Bundesligaabsteiger aus Fürth und Bielefeld, zwei vor der Spielzeit als Mitfavoriten auf die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus gehandelte Teams, längst in niedere Tabellenregionen verabschiedet haben, ebenso wie der 1. FC Nürnberg und der FC St. Pauli; und weil auch Karlsruhe und Fortuna Düsseldorf bereits zehn Punkte Rückstand auf die Darmstädter aufweisen, ist es eben doch legitim, sich zumindest mal die Chancen der Lieberknecht-Truppe bewusst zu machen. Denn, ganz klar, die sind gar nicht mal so gering. Die sich abzeichnende Aufstiegskonkurrenz lautet namentlich: Hamburger SV, SC Paderborn, FC Heidenheim, Hannover 96. Mannschaften, die zumindest in Teilen sicher nicht besser besetzt sind als die Lilien. Der letztjährige Tabellenvierte wird nicht umsonst von manch Konkurrent als derzeit bestes Team der Liga bezeichnet - wobei die Betonung auf dem Begriff Team liegen sollte. Trotz allerlei Ausfälle von Leistungsträgern im Saisonverlauf, derzeit fehlen etwa die Stabilisatoren Klaus Gjasula und Fabian Schnellhardt, rauft sich die Mannschaft immer wieder zusammen, sie steht eng beieinander, jeder gönnt dem anderen das persönliche Erfolgserlebnis. Von Neid ist nichts zu vernehmen, selbst wenn es ihn in homöopathische Dosen geben sollte. Trainer Lieberknecht darf allemal stolz sein auf diesen verschworenen Haufen.

Grüße gen Gladbach

„Wir müssen aktuell mit wenigen Jungs auskommen. Doch die, die da sind, haben ihr Herz auf dem Platz gelassen“, lobt Lieberknecht seine Elf, die im Karlsruher Wildpark auf eine durchschnittliche erste Hälfte samt 0:1-Rückstand – KSC-Torschütze Fabian Schleusener in der 19. Minute - mit einer deutlich besseren zweiten Hälfte reagierte. Erst köpfte Patric Pfeiffer einen Eckball von Tobias Kempe, dessen siebter Assist, zum Ausgleich ins Tor (49.), dann vollendete Stürmer Phillip Tietz mit seinem sechsten Saisontor einen Konter auf Vorlage von Marvin Mehlem zum verdienten Endstand (88.).

„Wir wollen von Woche zu Woche die bestmögliche Punktzahl holen – egal, wie der Gegner heißt“, gibt Matchwinner Tietz die Losung aus und richtet schon mal ein paar Grüße gen Gladbach: „Wir wollen am Dienstag eine Runde weiterkommen, da bin ich ganz offen und da muss man kein Geheimnis draus machen.“ Favorit sind die Darmstädter dann sicher nicht, aber was heißt das schon? Es ist ihnen in diesen Tagen alles zuzutrauen, auch das zwölfte ungeschlagene Spiel am Stück. Genügend Indizien dafür gibt es allemal.

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