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Mehr denn je braucht der BVB, braucht Favre dann die Inspiration seiner Einzelkönner.

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Unsichtbar in Messis Welt

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Die Partie in Barcelona taugte nicht zu bemessen, ob Lucien Favre noch der richtige Trainer für Borussia Dortmund ist. Die in der Bundesliga gegen Berlin wird es hingegen schon. Ein Kommentar.

An solch einem Abend liegt die Aura des Unvermeidlichen über dem Camp Nou in Barcelona, und man weiß: Es wird jetzt wieder magisch. Borussia Dortmund war am Mittwoch nur Gast in Lionel Messis Fußball-Zauberwelt, die in nun 700 Pflichtspielen für Barça nichts an Intensität eingebüßt hat. Wenn das argentinische Kerlchen an den Ball kommt, scheint sich die Zeit zu beschleunigen und doch zu verlangsamen, der Raum sich zu weiten und doch zu verengen, und so stürzten ihm die Dortmunder Spieler hinterher, als jage man sie besoffen durchs Spiegelkabinett. Wer ist hier eigentlich wer und wann und wo? Und wieso ist Messi schon wieder fort?

Aber das eine ist halt das eine, und das andere ist das andere, auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Dass schwer bemühte Dortmunder zu Beginn einer Woche, die, wenn man das richtig verstanden hat, für den Trainer Lucien Favre schicksalhafte Züge trägt, dass diese Mannschaft also ein wichtiges Fußballspiel bestreiten musste, in dem Lionel Messi beim Gegner mitmacht, war in erster Linie Pech. In zweiter Linie war es Glück.

Natürlich haben die BVB-Profis im Camp Nou unvorteilhafte Bilder produziert, die Favres Position nicht stärken im Rahmen dieser bemerkenswert öffentlichen Trainerdiskussion, die um den Schweizer tobt. Andererseits war es halt Messis Abend in Messis Welt, ein Tor, zwei Vorlagen und viele kleinere Momente, die die historische Ausnahmestellung dieses Mannes im Fußball bestätigten. So bitter es klingt: Die Partie in Barcelona taugte nicht zu bemessen, ob Favre noch der richtige Trainer für den BVB ist. Da wird der Samstagnachmittag schon aufschlussreicher werden, wenn die Borussia in der Bundesliga spielt, in Berlin bei der Hertha, die keinen Messi hat, sondern höchstens Marius Wolf, woran auch Jürgen Klinsmann nichts ändern kann.

Mehr denn je braucht der BVB, braucht Favre dann die Inspiration seiner Einzelkönner. Dass Kapitän Marco Reus in der Champions League gegen einen großen Gegner, auf dem Niveau also, auf dem seine Ansprüche zu Hause sind, einen nahezu unsichtbaren Auftritt zeigte, ist kein gutes Zeichen – für Dortmund und übrigens auch für die deutsche Nationalmannschaft im Hinblick auf die kommende EM.

Aber wenn man hört, dass der so wichtige Individualist Jadon Sancho in Barcelona nicht in der Dortmunder Startelf stand, weil der vor dem Spiel zu spät zur Mannschaftssitzung erschienen war, ahnt man, dass Favre die Situation längst entglitten ist. Nehmen die Spieler ihn noch ernst?

Erst zur Pause kam Sancho rein ins Spiel, schoss später ein wunderbares Tor zum 1:3. Ein geradezu messimäßiger Moment, wie zu Ehren des großen Meisters. Mehr nicht.

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