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Hält sich mit Torprognosen zurück: Neuzugang: Jhon Cordoba.

1. FC Köln

Unruhiger Sommer beim 1. FC Köln

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Beim 1. Köln hat mancher drei Kreuze geschlagen, als Modeste weg war. Nun steht das europäische Abenteuer bevor.

Den 20. Mai hat auch Jhon Cordoba noch in guter Erinnerung. Als die Fans des 1. FC Köln nach dem 2:0 gegen Mainz am letzten Spieltag den Platz fluteten, stand der bullige Kolumbianer noch auf der anderen Seite. Im Trikot der 05er erlebte er mit, wie Zehntausende die Rückkehr ihrer Mannschaft auf die kontinentale Bühne feierten. Ein Spektakel mit Seltenheitswert, fand Cordoba – der sich dachte: Wäre schön, Teil dieser fröhlichen Gesellschaft zu werden. 

Sehr gut traf es sich, dass in der Domstadt in den darauffolgenden Wochen ein Transfertheater sondergleichen Fahrt aufnahm – mit Anthony Modeste in der Hauptrolle. Nach dem Mainz-Spiel trugen die FC-Gläubigen den 25-Tore-Mann noch auf Händen durchs Stadion. Die Berater des Franzosen aber hatten da längst die Geldtöpfe der chinesischen Liga als nächstes Ziel für ihren Klienten im Blick. 

Erleichterung über Modestes Abgang

Bis der 30 Millionen Euro schwere Transfer zu Tianjin Quanjian über die Bühne war, ging allerdings enorm viel kölsches Porzellan zu Bruch. Im Trainingslager im steirischen Bad Radkersburg machten Modestes einstige Kollegen drei Kreuzzeichen, als alles erledigt war. Und freuten sich auf Cordoba, der in der vergangenen Saison bei den Rheinhessen nicht annähernd so treffsicher war wie sein Vorgänger. Schmale fünf Tore gelangen ihm da, auf eine Quote für die neue Runde legt sich der 24-Jährige lieber nicht fest. 

Fix notiert ist am Geißbockheim dagegen der 25. August. Dann werden in Monaco die Gruppen für die Europa League ausgelost. Und mit in der Trommel liegt das Kärtchen 1. FC Köln – ein Vierteljahrhundert nach dem bislang letzten Europacupauftritt der Rheinländer, einem 0:3 bei Celtic Glasgow. FC-Manager Jörg Schmadtke schaffte es seither mit Alemannia Aachen und Hannover 96 ins internationale Geschäft. Der Mann kennt sich also aus – und deutete bereits an, dass die Kölner nach Auswärtsspielen auf dem Kontinent immer schon abends den Rückflug antreten. 

„Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht“, sagt Schmadtke. Seinem Kompagnon auf dem Cheftrainersessel scheinen die Erlebnisse der letzten zwölf Monate dagegen fast schon zu viel des Guten. Die Abschlussparty nach dem hochemotionalen Sieg über Mainz verließ Peter Stöger viel früher als gedacht – weil er mit seinen Kräften am Ende war. Das Gefühl von Stolz auf das Erreichte stellte sich bei ihm auch den Sommer über nicht ein. Der 51-jährige Wiener spürte, wohl auch wegen des unrühmlichen Hickhacks um Modeste, eher eine gewisse Leere. Und als seinen Spielern beim zweiten Trainingslager in Kitzbühel 50 Paar Fußballschuhe und dazu 20 Bälle geklaut wurden, sagte Stöger geknickt: „Ich fühle mich nicht wohl dabei, dass das in meinem Heimatland passiert ist.“ 

Die Vorfreude auf die anspruchsvolle nächste Spielzeit muss sich beim Österreicher also noch breitmachen. Womöglich beschleicht den kauzigen Coach nach vier Jahren in Köln ja auch die Vorahnung, dass der kontinuierliche Aufwärtstrend beim FC mit Platz fünf aus der Vorsaison seinen Höhepunkt erreicht hat. Dem Abflug seines zuverlässigen Torfabrikanten ins Reich der Mitte kann der frühere Spielmacher trotzdem viel Gutes abgewinnen. „Mir kamen die anderen Spieler zuletzt zu kurz“, sagt Stöger. „Es ist schön, wenn sie jetzt wieder im Mittelpunkt stehen.“ 
Für das bevorstehende internationale Abenteuer wünscht sich der Coach den AC Mailand als Gegner – den Fans zuliebe, die den Besuch beim berühmten Klub aus Norditalien über die gesamte Rückrunde hinweg in ihrem Europapokal-Liedchen herbei gesungen haben. Und seinen Ex-Klub Austria Wien. Milan hat nach dem 1:0 bei Uni Craiova vor dem Rückspiel am Donnerstag beste Chancen auf einen Platz in der Europa League. Austria hingegen wankt in der dritten Qualifikationsrunde nach dem Hinspiel-0:0 gegen AEL Limassol vor dem entscheidenden Duell am Mittwoch auf Zypern. 

Die Kölner selbst haben ihre Einnahmen aus dem Modeste-Deal derweil komplett in die Mannschaft reinvestiert: Allein 17 Millionen Euro flossen für den potentiellen Modeste-Erben Cordoba rheinaufwärts. Jeweils gut sieben Millionen Euro kosteten die beiden 20-jährigen Verteidiger Jannes Horn (aus Wolfsburg) und Jorge Meré, der aus Gijon kam. 

„Die beiden sorgen dafür, dass wir in der Defensive noch mehr Möglichkeiten haben“, betont Manager Schmadtke und denkt dabei auch an die Dreierkette, die zuletzt intensiv einstudiert wurde. „Es gibt im Fußball so viele verschiedene Ideen“, ergänzt Stöger. „Davon wollen wir uns so viele wie möglich aneignen.“ Und da klingt der nachdenkliche Trainer schon wieder richtig unternehmungslustig.

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