1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Union Berlin: Nur für einen geht es bergab

Erstellt:

Von: Jan Christian Müller

Kommentare

Turmhohe Freude: Sheraldo Becker (oben) und Kollegen.
Turmhohe Freude: Sheraldo Becker (oben) und Kollegen. © AFP

Union Berlin klettert mit dem Sieg gegen Schalke 04 auf Rang zwei. Derweil stürzt der fleißigste Reporter im Stadion.

Für Matthias Koch, den alle nur „Matze“ nennen, hätte es ein wunderschöner Nachmittag werden können. Doch statt den fulminanten 6:1-Sieg von Union Berlin bei Schalke 04 schildern zu können, wurde der für seinen Fleiß und seine Hingabe bekannte Berliner Reporter und Fotograf selbst zum Gegenstand der Berichterstattung. Denn Koch war nach dem unmittelbar vor seinem Objektiv bejubelten Führungstreffer der Eisernen zum 2:1 in den Graben zwischen Tribüne und Spielfeld gestürzt. Er musste umgehend in die Klinik befördert werden und meldete sich von dort via Twitter und Facebook: „2 gebrochene Rippen und eine Kopfwunde“,

So kam es, dass Koch, der in der Regel keine Millisekunde der Partien von Union Berlin auslässt, vier weitere Treffer seines Herzensklubs verpasste. Bis zum Spitzenspiel nächsten Samstag gegen Tabellenführer Bayern München dürfte der ständige Begleiter des neuen Zweiten wieder hergerichtet sein. Es wird brummen an der Alten Försterei.

11., 7., 5., 2.

Bei den Ostberlinern ist man es gewohnt, dass auf eine erstaunlich gute Saison eine noch erstaunlichere, bessere Spielzeit folgt. Nach dem Aufstieg unter Urs Fischer 2018 folgten im Oberhaus die Plätze 11, 7 und 5, die nun durch Rang zwei zumindest übergangsweise nach oben abgerundet werden. Und das, obwohl der findige Manager Oliver Ruhnert Jahr für Jahr bedeutende Abgänge kompensieren muss. Im Januar Abwehrchef Marvin Friedrich und Angreifer Max Kruse, im Sommer Führungsspieler Grischa Prömel, der gerade in Hoffenheim nahtlos an die Topform aus dem Vorjahr anknüpft, und Stürmerstar Taiwo Awoniyi, für den Nottingham Forest 20 Millionen Euro berappte. Linkspolitiker Ruhnert, dessen Klub gerade ungleich besser unterwegs ist als die Partei, wühlte sich durch, bis er Ersatz gefunden hatte. So kommt es, dass statt Awoniyi jetzt der US-Nationalspieler mit französischen Wurzeln, Jordan Siebatcheu, für Union stürmt. Siebatcheu kostete weniger als ein Drittel dessen, was Union für Awoniyi erlöste und fügte sich neben dem Top-Torschützen Sheraldo Becker nahtlos ein. Das tun auch Danilho Doekhi, ein hünenhafter Verteidiger, ebenso ablösefrei gekommen wie Jannik Haberer aus Freiburg, und die hierzulande wie Jordan und Doekhi weitgehend unbekannten Diogo Leite, Portugiese, und Morten Thorsby, Norweger. Alles Leute zwischen 24 und 28, die schon ein bisschen was erlebt haben und wissen, wie schnörkelfreier unangenehmer Fußball funktioniert.

Urs Fischers Realismus

Das weiß natürlich auch Trainer Urs Fischer, der dem begeisterungsfähigen Publikum mit seinem angeborenen Realismus immer schön zurück zur Bodenhaftung verhilft. Kommentar des Schweizers nach dem 6:1 bei maximal demoralisierten Schalkern: „Zum Schluss war es ein zu hohes Resultat.“ So kann man es natürlich auch sehen.

Fischer und Ruhnert, die beiden Hauptmänner von Köpenick, machen also schon geraume Zeit viel mehr richtig als falsch. Auch die vormaligen Zweitligaspieler Kevin Behrens und Sven Michel, beide schon jenseits der 30, sind dafür wunderbare Beispiele. Beide machen als Joker gute Jobs. Am Samstag auf Schalke traf der eingewechselte Michel wie selbstverständlich doppelt. Matze Koch hätte es gern gesehen.

Auch interessant

Kommentare