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Elfmeter-Rekordschütze: Max Kruse.

Union Berlin

Erfrischend gelassen

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Trainer Urs Fischer coacht das Bundesliga-Team aus Berlin-Köpenick überraschend erfolgreich durch die Runde. Weil er den Spielstil etwas verändert hat - und Max Kruse in Ruhe lässt.

Just in dem Moment, als am Samstag der finale Pfiff des Fußballspiels in Berlin-Köpenick ertönte, waren die TV-Kameras auf Urs Fischer gerichtet. Sie fingen ein: nichts. Nun gut, ehrlicherweise fingen sie schon ein wenig mehr ein, Urs Fischer halt, den Trainer des 1. FC Union, doch dessen Reaktion auf den 5:0-Bundesligasieg seiner Truppe gegen Bielefeld war dann auch wirklich nur ein Bruchstück weit weg vom reinen Nichts. Eine Sekunde verging, zwei, drei, dann ein Biss aufs Kaugummi, gefolgt vom Höhepunkt, dem Ruckler an der schwarzen Schirmmütze. Jubelorgien sind nun wahrlich nicht das Ding von Urs Fischer.

Dabei hätte der Schweizer Fußballlehrer dieser Tage genügend Gelegenheiten, um sich und seine kickenden Mitstreiter kräftig zu feiern. Die Berliner sind seit sechs Spielen ohne Niederlage (drei Siege, drei Remis), stehen in der Tabelle so weit oben wie noch nie in ihrer Historie, auf einem Europapokalplatz, sind derzeit gar vor der Hertha die klare Nummer eins der Hauptstadt und spielen erfrischenden Fußball – all das auch dank einer bemerkenswerten Trainerleistung.

Urs Fischer ist seit Sommer 2018 bei den Berlinern angestellt, zuvor hatte er zweimal in der Schweiz mit dem FC Basel den Meistertitel geholt und war dennoch rausgeflogen. Der Grund: eine zu unspektakuläre Spielweise. Und tatsächlich: Wer die Berliner in den ersten beiden Jahren des Fischer-Wirkens spielen sah, konnte sich das vorstellen.

Der unaufgeregte Pragmatiker verlangt stets genau das von seinen Spielern, was sie auch können. Und das war, so schrieb die FR im vergangenen Sommer rückblickend auf den Klassenerhalt: „Einfacher Fußball, die Gegner in Zweikampfschlachten verwickeln, gerne mit langen Bälle nach vorne spielen.“ Gepaart mit wilden Fans, die an der Alten Försterei eigentlich überlegene Kontrahenten so lange anschreien, bis diese selbst nicht mehr glauben, überlegen zu sein. Hat funktioniert – und wäre für eine zweite Saison in der deutschen Eliteklasse wohl doch zu wenig gewesen. Nicht nur weil die Fans coronabedingt fehlen, sondern auch, weil sich die Gegner in der Endphase angepasst hatten an den Union-Stil.

All das hat Urs Fischer erkannt und gemeinsam mit dem eifrigen und einfallsreichen Manager Oliver Ruhnert eine interessante Mannschaft geformt. So früh wie fast kein anderes Team hatten die Hauptstädter die wichtigsten Transfers getätigt. Torhüter Luthe, Verteidiger Knoche, Stürmer Pohjanpalo, und allen voran Max Kruse, versteht sich. Gegen Bielefeld leitete der Instinktfußballer drei der fünf Berliner Tore ein, eins schoss er selbst, den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 4:0, mit dem er zusätzlich einen Rekord einstellte: 16 Strafstöße hat Kruse nun ohne Fehlschuss verwandelt, das war zuvor nur Jochen Abel (VfL Bochum, Schalke 04) gelungen. Urs Fischer, der Meister der Gelassenheit, bewertet das auf seine ganz eigene Art: „Man sieht die Qualitäten von Max.“

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