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Ralf Rangnick glaubt an ein brisantes Spiel.

Leipzig-Salzburg

Ungutes Gefühl

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Trondheims Manager stört sich massiv daran, dass Leipzig und Salzburg in einer Europa-League-Gruppe aufeinandertreffen.

In Bremen nannten sie ihn einst den „Elch“. Eine ehrenvolle Anspielung auf die Herkunft von Rune Bratseth, der in den 80er und 90er Jahren zum besten Exportartikel wurde, den der norwegische Fußball zu bieten hatte. Nicht nur beim SV Werder wussten sie diesen tadellosen Sportsmann zu schätzen, der seine Rolle als moderner Libero fast ohne Foulspiel interpretierte. Ein Mann, der seine Meinung nicht zurückhält, wenn es etwas anzuprangern gibt. 

Im aktuellen Fall stört sich Bratseth massiv an der Konstellation, die durch welche Fügung auch immer in der Europa-League-Gruppenphase zustande gekommen ist: RB Leipzig spielt gegen den FC Salzburg (Donnerstag 21 Uhr/RTL Nitro). „Als ich die beiden Vereine in unserer Gruppe gesehen habe, habe ich mich gefragt: Ist das erlaubt?“, sagte Bratseth im Interview mit dem WDR-Magazin „Sport inside“. Das Aufeinandertreffen zweier Klubs aus dem Red-Bull-Hause, die der Brausemilliardär Dietrich Mateschitz aus der Taufe hob und deren Logos sich zum Verwechseln ähnlich sehen, hat für Bratseth einen bitteren Beigeschmack.

Als Vorstandsmitglied des Gruppengegners Rosenborg Trondheim befürchtet der 57-Jährige beim Rückspiel des Dosenduells eine Wettbewerbsverzerrung. „Was passiert dann, wenn beide am vorletzten Spieltag einen Punkt brauchen? Das man überhaupt den Verdacht hat, ist für die zwei Vereine nicht gut.“ In Leipzig und Salzburg sehen die Protagonisten das naturgemäß entspannter; sie müssen es auch anders sehen, nachdem die Uefa bereits vor drei Jahren einen Entflechtungsprozess anordnete, der gar nicht so einfach zu handhaben war, aber formell abgeschlossen ist. 

„Die Klubs waren mal eng verzahnt, das ist nicht mehr der Fall“, sagte der Leipziger Vorstandschef Oliver Mintzlaff. Ralf Rangnick verspricht sogar für den direkten Leistungsvergleich: „Da wird so viel Brisanz und Feuer drinstecken, wie in kaum einem anderen Spiel.“ 

Der Trainer und Sportdirektor des 2016 in die Bundesliga aufgestiegenen Marketing-Vehikels RB Leipzig – die Initialen RB stehen offiziell für „RasenBallsport“ – zählte einst gerne auf, dass er ständig zwischen Salzburg, Leipzig und seiner schwäbischen Heimat pendeln würde. Der frühere Rangnick-Berater Mintzlaff war mit dem Titel als „Head of Global Soccer“ zeitweise für sämtliche Fußball-Aktivitäten der Red Bull GmbH zuständig. Für Leipzig, Salzburg und New York. 

Viele weichgespülte Aussagen

Für den Kritiker Bratseth ist bis heute klar, „dass die zusammenarbeiten“. Als Experte fürs norwegische Fernsehen habe er häufig genug den Werdegang der Spieler studiert, um festzustellen, dass ein Karriereweg unter dem Brause-Dach eben sehr oft über die Mozartstadt Salzburg in die Messestadt Leipzig führt: „Davon kommt man nicht weg.“

Zwischen 2012 und 2018 folgten allein 17 Spieler dem Rangnick-Ruf. Mit Mittelfeldspieler Amadou Haidara soll im Winter der nächste Hochbegabte in die deutsche Bundesliga wechseln. Nicht nur einmal wirkte die Stallregie fragwürdig, ja sogar anrüchig. Etwa als Rangnick im Sommer 2014 seinen heutigen Leistungsträger Marcel Sabitzer von Rapid Wien zum damaligen Zweitligisten Leipzig lotste, um ihn dann umgehend nach Salzburg zu verleihen. Mit Torwart Petar Gulacsi, Abwehrass Dayot Upamecano, Abräumer Stefan Ilsanker, Allrounder Kevin Kampl oder Konrad Laimer hat fast die halbe Stammelf der Sachsen eine Vergangenheit im österreichischen Spitzenklub, der in schöner Regelmäßigkeit die Champions-League-Zulassung versiebt. 

Der inzwischen für den FC Augsburg verteidigende Martin Hinteregger hat mal unverblümt angeprangert, dass Red Bull Salzburg – so heißt der Klub in der österreichischen Bundesliga übrigens immer noch – durch den Aderlass in Richtung Sachsen unnötig geschwächt werde. „Die Art und Weise, wie Leipzig Salzburg kaputtmacht, ist nicht schön anzuschauen“, sagte der gebürtige Salzburger. Ansonsten sind zu diesem Verschiebebahnhof eher weichgespülte Aussagen zu vernehmen. Wer Klartext hören will, landet bei Rune Bratseth. Sein Fazit: „Was juristisch recht ist, heißt nicht, dass es moralisch richtig ist. Vom Gefühl ist es nicht gut.“

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