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Ungleiches Duo

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Von: Daniel Schmitt

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Ein Vorbild für alle? Max Kruse. Foto: AFP
Ein Vorbild für alle? Max Kruse. Foto: AFP © AFP

In München hat der Trainer Kovac Thomas Müller noch rasiert, jetzt in Wolfsburg preist er ihn als Vorbild. Was ist mit dem Disziplinfanatiker geschehen? Eine Glosse

Lang ist’s her, bald vier Jahre, da schaffte es Lisa Müller ganz nach oben in die Gazetten: Die kluge Frau, Gattin des Münchner Fußballstars Thomas Müller, ansonsten eher zurückhaltend, giftete entgegen ihres Naturells: „Mehr als 70 Minuten, bis der mal nen Geistesblitz hat.“ Ein Eintrag in den Sozialen Medien, der Wellen schlug, große sogar, weil sich Lisa Müller mal eben den Chef ihres Mannes vorknöpfte: Niko Kovac, den damaligen Trainer des FC Bayern, der ihren Göttergatten vermeintlich zu spät eingewechselt hatte. Es war ja nie leicht zwischen den Müllers (vor allem Thomas) und Kovac. Sie fanden nicht zueinander. Einmal sagte der Trainer über den Spieler: „Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen“. Mehr aber halt auch nicht.

Warum es lohnt, diese Episode jetzt aufzuwärmen? Weil Kovac mittlerweile in Wolfsburg am Erfolg werkelt, und weil er dort in Max Kruse einen besonderen Unterschiedsspieler in seinen Reihen weiß, den er nun ausgerechnet mit Müller verglich. Kovac‘ Wortmeldung: „Max ist ein Spieler, der trotz seiner 34 Jahre pro Saison immer 15 Tore schießen und fünf bis zehn auflegen kann. Immer! Die Qualität hat er, die haben nicht viele in der Bundesliga. Wenn er fit ist und körperlich alles herausholen kann, hat er Fähigkeiten wie ein Thomas Müller.“ Fähigkeiten, die Kovac einst nicht mehr zu schätzen wusste.

Zudem: Max Kruse ist eben immer nur so fit, wie ein Max Kruse fit sein kann - unteres Bundesliganiveau, wenn überhaupt. Der Angreifer macht dieses Defizit durch andere Vorzüge wett, seine fußballerische Klasse, seine Schlitzohrigkeit, sein Talent. So ist er halt, so muss man ihn nehmen.

Weiter so, Herr Kovac!

Dass Trainingsweltmeister Kovac nun genau das vorhat, erstaunt auf den ersten Blick schon. In der Vergangenheit jedenfalls hatte der 50-Jährige durchaus so seine Problemchen mit nicht mehr ganz taufrischen Fußballern. Alex Meier zum Beispiel, den verehrten Fußballgott aus Frankfurt, degradierte der Fußballlehrer zum Ersatzmann. Im Pokalfinale 2018 reichte es nicht mal für die Bank. Später dann folgte noch die Causa Müller in München. Auf den zweiten Blick jedoch ist das Vertrauen des Neu-Wolfsburgers in Max Kruse logisch, auch nötig. Denn der fußballerische Freigeist ist einfach zu gut, zu wichtig fürs Team, um auf ihn verzichten zu können. Kovac und Kruse - ein ungleiches Duo, das zusammen funktionieren soll und muss.

Außerdem, glaubt man der FR-Tipptabelle, wird der VfL am Saisonende ja auf Rang fünf einlaufen. Allemal eine mutige These, die ohne Max Kruse deutlich schwieriger zu halten wäre. Insofern: Weiter so, Herr Kovac!

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