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Leon Bailey, Lucas Alario und Kevin Volland (v.l.n.r.) feiern den dritten Treffer gegen den Hamburger SV. Im Hintergrund nähern sich Julian Baumgartlinger und Julian Brandt.

Bayer Leverkusen

Ungestillte Sehnsucht

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Leverkusen reist zum Auswärtsspiel nach Frankfurt. Die Werkself will nach einem Jahr ohne Europapokal wieder oben anklopfen.

Wer an die besten Zeiten von Bayer Leverkusen denkt, dem kommen automatisch die großen Namen in den Sinn. Michael Schade, dem Geschäftsführer der Bayer 04 Fußball GmbH, geht es dabei gar nicht anders als dem gemeinen Fan. „Weltstars haben das Kreuz auf der Brust getragen – Spieler wie Lucio oder Dimitar Berbatov, wie Emerson oder Ulf Kirsten, wie Bernd Schuster oder Michael Ballack zeigten einst in Leverkusen ihre große Kunstfertigkeit am Ball oder ihre kompromisslose Siegermentalität“, schrieb Schade kürzlich im „Werks11-Magazin“. Und erinnerte sich gerne an „ein bisschen Zirkusluft“ dieser Generation, die allerdings immer kurz vor der Krönung scheitern sollte.

2002 war dann ein besonders trauriges Jahr: Bevor der heutige Bayer-Sportdirektor Rudi Völler als Teamchef die deutsche Nationalmannschaft bis ins WM-Endspiel von Yokohama führte, hatte die Werkself tatsächlich in allen Wettbewerben auf der Zielgeraden knapp den Kürzeren gezogen. Als „Vizekusen“ wurde der mit dem Mutterkonzern Bayer untrennbar verbundene Standort verspottet – und der Name später sogar noch markenrechtlich vom Werksverein geschützt.

Turnaround mit Heiko Herrlich

Ob es daran liegt, dass den Bayer-Kickern bei Auswärtsfahrten immer noch der Singsang „Ihr-werdet-nie-Deutscher-Meister“ entgegen gebracht wird? Fakt ist es, dass seit 1979 in der ersten Liga spielende Leverkusener den großen Wurf nie zustande brachten; das Potenzial war dazu fraglos in einigen Spielzeiten vorhanden. Nur nicht mehr in jüngerer Vergangenheit. Die Vorsaison missriet mit einem schwachen zwölften Platz vollends. Trainer Roger Schmidt musste gehen, Tayfun Korkut erwies sich als Notlösung, der auch keine wirkliche Besserung brachte.

Mit Trainer Heiko Herrlich sollte der Turnaround und vielleicht wieder der Angriff auf die Champions-League-Plätze gelingen, schließlich war der Standort davor viermal in Folge auf dieser Bühne vertreten. Und vom Selbstverständnis sieht sich Bayer Leverkusen als internationaler Klub, der am liebsten in der Königsklasse antritt.

Umbruch: Bender und Retsos für Kampl und Calhanoglu

Aber so einfach ist der Schalter eben nicht umzulegen. Licht und Schatten wechselten bislang noch zu oft: Nach einem sehenswerten 2:2 gegen RB Leipzig am vergangenen Samstag liegt Bayer Leverkusen mit 17 Punkten auf Rang neun. Herrlichs Handschrift wirkt in Teilen vielversprechend, aber ein echtes Spitzenteam ist sein Ensemble noch nicht. Schade wollte den Blick in dieser Spielzeit aber „ambitioniert nach vorn“ richten. Erst einmal kam es im Sommer allerdings zum großen Umbruch, nachdem die Verkäufe von Hakan Calhanoglu, Kevin Kampl, Chicharito oder Ömer Toprak Rekorderlöse einbrachten. Mit Einnahmen von fast 82 Millionen Euro lag Bayer Leverkusen europaweit auf Rang 14. Letztlich betrug das Transferplus fast 25 Millionen.

Aber: Sven Bender von Borussia Dortmund (12,5 Millionen Euro Ablöse), Panagiotis Retsos von Olympiakos Piräus (17,5 Millionen) und auch Lucas Alario von River Plate (19 Millionen) besitzen auf der anderen Seite auch stolze Preisschilder. Bei Bender war die Zusammenführung mit Zwillingsbruder Lars ein Teilaspekt, der 28-Jährige kam als Führungsspieler. Schade: „Ein Mann, der gerne groß denkt, um Großes zu erreichen.“ Allerdings bleibt ihm das Verletzungspech treu: Zuletzt musste der Allrounder wegen seiner in Augsburg erlittenen Rippenbrüche passen.

Retsos und Alario noch in der Findungsphase

Auch die anderen teuren Neuzugänge sind teilweise noch in der Findungsphase. Aber wen wundert’s? Der erst 19-jährige Retsos war zwar mit 18 der jüngste Kapitän in der bewegenden Vereinsgeschichte von Olympiakos, aber er muss sich erst in einer Spielklasse zurechtfinden, die mehr Qualität in höherer Intensität einfordert. Zuletzt gegen Leipzig kam der griechische Defensivspezialist erst in der 90. Minute zum Einsatz.

Zum unumstrittenen Stammspieler hat es auch Alario noch nicht gebracht, dem zum Ablauf der Transferperiode tagelang die Schlagzeilen gehörten. Sein argentinischer Arbeitgeber weigerte sich hartnäckig, den Wechsel seines Torjägers gegen die festgeschriebene Ablöse zu akzeptieren. Letztlich ging der Clinch zwischen den Klubs bis vor die Fifa-Gremien und erst am sechsten Spieltag konnte der 25-Jährige in der Bundesliga auflaufen. Zwei Treffer in sechs Einsätzen sind ihm bislang gelungen, aber auch die Nummer 13 hat noch Luft nach oben. Und will Lucas Alario mal in den Status der alten Helden gelangen, hat er noch sehr viel vor sich.

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