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Wer sprayt, sorgt für Ordnung.
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Kommentar

Ungebremster Schaum

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Das Freistoßspray Heine Allemagne hat sich im Fußball bewährt. Der brasilianischer Klein-Unternehmer darf auf eine hohe Entschädigungszahlung hoffen. Ein Kommentar.

Allein der Name schon: Heine Allemagne. Natürlich stand der deutsche Romantiker Pate beim Vornamen, natürlich hat Senhor Allemagne, ein Brasilianer, seinen Sohn Matheus genannt, nach Lothar Matthäus. Dummerweise ist Senhor Allemagnes Liebe zu Deutschland vor einiger Zeit auf eine harte Probe gestellt worden, denn das von ihm vor gut 20 Jahren erfundene Freistoßspray scheiterte hierzulande zwischenzeitlich schnöde an einem Verein, keinem Fußballverein, sondern: am Technischen Überwachungsverein. Aber das nur am Rande.

Heine Allemagne aus dem Städtchen Ituiutaba im Bundesstaat Minas Gerais hat dieser Tage einen sehr viel größeren Sieg errungen, gegen den größten Gegner, den es auf diesem Planeten gibt und der nicht Corona heißt: Gianni Infantino, der allmächtige Präsident des Fußballweltverbands Fifa. Es geht um den Freistoßschaum, den Heine Allemagne ertüffelt und entwickelt hat, der zuerst in Brasilien und seit einiger Zeit weltweit versprüht wird, um wacklige Mauern zu zementieren, und Tatorte zu lokalisieren. Und es geht um viele Millionen. Der brasilianische Selfmade-Fabrikant hat gerade im Streit gegen die Fifa um die Patentrechte für die im Fußball längst gängige Spraydose obsiegt. Ein Gericht in Rio hat nämlich dem 50 Jahre alten Erfinder Recht gegeben: Für die „Verwendung der Freistoßspray-Dosen auf nationalem Territorium, müsse die Fifa ab 2012, als sie sich der Erfindung annahm, nun Entschädigung zahlen, heißt es ein wenig sperrig.

Das Patent für die weiß gesprühten Linien auf grünem Grund liegt also bei Heine Allemagne, seit 2014 ist die Spray-Dose auf allen Fußballfeldern im Einsatz – und seitdem hätte die Fifa, hätte Gianni Infantino zahlen müssen. 40 Millionen US-Dollar soll er seinerzeit dem Brasilianer versprochen haben, dummerweise ist seinerzeit kurz vor der WM in Brasilien nichts schriftlich fixiert worden, geflossen ist - nichts. Obwohl Heine sein famoses Produkt in 50 Ländern patentrechtlich hat schützen lassen. Und im Grunde hat die Fifa das „Espuma para punicao“, das Bestrafungsspray, wie es offiziell heißt, unerlaubterweise eingesetzt.

In Zürich schlägt das Urteil vermutlich einige Blasen, Infantino, der locker 18 Millionen Euro in die Entwicklung des Chips im Ball gesteckt hat, sträubt sich mit Händen und Füßen, lässt seine Ethikkommission aufmarschieren, um dem ungebremsten Schaum Herr zu werden. Juristisch scheint seine Position eher schwach zu sein.

Ob Heine Allemagne allerdings zu seinem Recht kommt, ist bei einem wie Gianni Infantino sehr ungewiss. Manche sagen, der Mann kenne sich bestens mit Schaumschlagen aus.

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