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Ungarische Hooligans
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Vor demm EM-Gruppenspiel Ungarns gegen Deutschland versammelten sich Hooligans in der Münchner Innenstadt.

Nach EM 2021

Ultrarechte Hooligans: UEFA bestraft Ungarn für homophobe und rassistische Gesänge

  • VonMirko Schmid
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Die UEFA bestraft Ungarn für homophobe und rassistische Ausfälle seiner Fans. Ungarns Regierung verurteilt die Strafe scharf. Kritik gibt es auch von anderer Seite.

Budapest/München – Das Verhalten ungarischer Hooligans während den EM-Spielen gegen Portugal, Frankreich und Deutschland hat Konsequenzen. Der europäische Fußballverband UEFA sanktioniert den ungarischen Fußballverband Magyar Labdarúgó Szövetség (MLSZ) mit einer Strafe von drei Geisterspielen sowie 100.000 Euro.

Zur Begründung nennt die UEFA rassistische und homophobe Schlachtrufe und Plakate, die vor allem in Reihen der ultrarechten ungarischen Hooligan-Gruppierung „Carpathian Brigade“ während allen drei Vorrundenspielen vor- bzw. mitgebracht wurden. Dabei handelt es sich laut Bálint Josá, Gründer einer NGO, die eng mit dem Netwerk „Football Against Racism in Europe“ zusammenarbeitet, um eine „paramilitärische Gruppe, die aus Neonazis besteht“.

EM 2021: UEFA bestraft Ungarn für homophobe und rassistische Fangesänge

Als schwarzer Block getarnt, stand die „gewalttätigste und auch einflussreichste“ (Josá) ungarische Hooligan-Gruppe während der EM 2021 ganz vorn in Ungarns Fanblock. Zu Hause in Ungarn sieht das anders aus. Aufgrund einer Null-Toleranz-Linie gegenüber antisemitischem und rassistischem Gedankengut, welche der MLSZ seit 2012 fährt, wirkt die rassistische Gruppe im Inland weniger in den Stadien, dafür verstärkt auf den Straßen.

Leon Goretzka zeigte den ungarischen Hooligans nach seinem Vorrundentor demonstrativ das „One Love“-Herzchen.

Anders während der EM. Im Gegensatz zum ungarischen Fußballverband unternahm die UEFA während den Spielen der EM-Vorrunde nichts gegen die „Carpathian Brigade“, obwohl diese schon während des ersten Vorrundenspiels gegen Frankreich mit Affenlauten gegenüber französischen Auswahlspielern und anderen rassistischen Ausfällen auffällig wurde.

Ungarns Außenminister Szijjártó nennt UEFA nach Strafe „erbärmlich und feige“

Erst im Nachhinein schaltete sich nun die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer (CEDB) des EM-Ausrichters ein und verfügte zusätzlich zu den Geisterspielen und der Geldstrafe, dass während der Auseinandersetzungen vor leeren Rängen ein Banner mit der Aufschrift „#EqualGame“ deutlich sichtbar sein muss.

Verband Magyar Labdarúgó Szövetség
KürzelMLSZ
Gründung1901
PräsidentSándor Csányi

Keinerlei Verständnis für die Strafe der UEFA zeigte der ungarische Außenminister Péter Szijjártó. Der Politiker der rechtspopulistischen Orbán-Partei Fidesz bezeichnete den mit einer Geldstrafe verbundenen Zuschauerausschluss als eine Handlung eines „erbärmlichen und feigen Gremiums“. Der UEFA warf Szijjártó vor, Spitzel zu beschäftigen, welche „nichts anderes zu tun“ hätten, als „Berichte darüber zu schreiben, was im Publikum gesagt (oder nicht gesagt) wurde“.

„Schlechter Witz“: Kritik an der UEFA – Strafe gegen Ungarn nach rassistischen und homophoben Ausfällen

Kritik gibt es auch von der anderen Seite. Eine Twitter-Nutzerin schreibt beispielsweise: „Drei Geisterspiele als Strafe sind ein schlechter Witz angesichts rassistischer und homophober Beleidigungen. Schade, Uefa, das passt mal wieder voll ins Bild.“ Sonja Schwetje, Chefredakteurin des TV-Senders n-tv twittert als Antwort auf Szijjártós „Spitzel“-Vorwurf: „Erschreckend, wie weit sich die ungarische Regierung von demokratischen Werten entfernt hat. Verbale Gegenschläge statt klarer Distanzierung von Rassismus und Diskriminierung. Auch um die Pressefreiheit steht es leider schlecht in Ungarn.“

Ungarn war während der EM nicht nur durch seine rassistischen und homophoben Hooligans negativ aufgefallen. Zusätzlich wird die Regierung des europäischen Binnenlandes dafür kritisiert, während der EM-Spiele 55.000 Zuschauer im Ferenc-Puskas-Stadion zugelassen zu haben.

Gerade niederländische Fans nutzen diesen Umstand für eine kleine Völkerwanderung und nahmen Budapest in Beschlag. Im Nachgang der Feiern von Menschenmassen, die fast komplett auf Abstand und Masken verzichteten, stieg die Corona-Inzidenz im deutschen Nachbarland zuletzt drastisch an, weswegen die Rutten-Regierung zuvor verfügte Lockerungen nun wieder aufheben will. (Mirko Schmid)

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