So reicht es nicht: Der Mainzer Daniel Brosinski in Augsburg.
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So reicht es nicht: Der Mainzer Daniel Brosinski in Augsburg.

FSV Mainz 05

Unfreiwilliger Gehaltsverzicht

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Mainz 05 spart sich auch im sechsten Saisonspiel komplett die Punktprämien. Nach der Niederlage in Augsburg geht es kommenden Samstag gegen Schalke.

Das Thema freiwilliger Gehaltsverzicht ist in keinem anderen Bundesligaklub so negativ belastet wie bei Mainz 05. Viele Spieler der Rheinhessen taten sich seltsam schwer, coronabedingt drei Monate lang 15 Prozent ihrer Grundgehälter weniger auf dem Konto aufzufinden. Öffentlich nahezu unbeachtet blieb dabei der noch viel unfreiwilliger dargebotene Gehaltsverzicht: Mainz 05 spart seit Saisonbeginn hunderttausende Euro an Punktprämien. Auch nach dem 1:3 (0:1) beim FC Augsburg muss Finanzchef Jan Lehmann die Klubkasse nicht um einen einzigen Cent erleichtern: sechs Spiele, null Punkte. Tabellenletzter. Aber klar ist auch: Wenn es so weitergeht, werden sich die Auswirkungen zukünftig noch viel, viel tiefer in das ohnehin erwartete 14-Millionen-Loch für dieses Saison graben.

Die Gesamtvorstellung von Augsburg macht wenig Hoffnung auf mehr. „Erste Halbzeit nicht bundesligatauglich“, interpretierte Verteidiger Daniel Brosinski unbarmherzig, „da hätte man alle elf auswechseln können.“ Nach der Pause, vor allem nach der Auswechslung von Mittelstürmer Jean-Philippe Mateta gegen Karim Onisiwo, kam zwar übergangsweise mehr Zug ins Mainzer Spiel, Onisiwo traf gar zum Ausgleich. Bald aber war die Herrlichkeit wieder vorüber. Eine Episode, mehr nicht, zu kurz, um auf diesem Niveau zu bestehen. André Hahn, der Ex-Offenbacher, machte mit einem Doppelpack den Deckel zu.

Der historische Fehlstart für Mainz 05 ist nun perfekt. Das bisschen Mut, dass sie unter dem Bis-auf-Weiteres-Trainer Jan-Moritz Lichte bei ordentlichen Auftritten trotz Niederlagen gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach zusammengeklaubt hatten wie welke Herbstblätter, ist schon wieder perdu. „Wenn du Woche für Woche siehst, dass du nichts mitnimmst, fällst du in ein Loch und beschäftigt dich viel zu viel mit dir selber“, erklärte Kapitän Danny Latza vollkommen bedient.

Sportchef Rouven Schröder - nach Halbzeit eins noch „brutal enttäuscht“ - suchte nach den guten Momenten dieses Nachmittags und fand einen: „Jan-Moritz hat in der Halbzeit sehr gute Worte gefunden und an die Ehre appelliert.“ Deshalb die Steigerung danach, die sich aber auch wieder auflöste. So reicht es nicht für den Klassenerhalt, das wissen sie alle miteinander in Mainz, Schröder als Allererster, und so wird es auch für den nach der vierten Niederlage im vierten Spiel unter seiner Anleitung bedauernswerten Lichte nicht reichen, seine Chance auf die Chefposition zu wahren.

Nächsten Samstag kommt Schalke 04, die nach Mainz zweitschwächste Mannschaft bisher. Es wäre Unsinn zu behaupten, dieses Spiel wäre eines wie jedes andere. Danach ist Länderspielpause. Weniger als ein Sieg würde die Tristesse bei den Nullfünfern stabilisieren und die nächste Personaldebatte um den Chefcoach befeuern. Der Druck für alle Beteiligten könnte kaum größer sein. Aber Schalke ist natürlich auch eine Chance.

Schon 18 Gegentore

Gerade aber sieht es so aus, als sei zu viel kaputtgegangen in einem Kader, dem schon beim mühsamen Klassenerhalt der Klebstoff fehlte. Gemeinsam hatten Management und längst geschasster Trainer Achim Beierlorzer das erkannt und wollten gegensteuern, mehr Integrationskraft entwickeln, mehr Zusammenhalt. Heraus kam ein Spielerstreik, ein Miteinander, das sich falsch kanalisierte. Aus der Mannschaft war zu hören, das sei nötig gewesen, zu viel hätte sich aufgestaut. Aber seitdem ist nichts besser geworden. Auch Lichtes Zwischenziel, die Flut an Gegentoren aufzuhalten, ist vorerst verfehlt worden. 18 sind es nun schon. Das Abwehrverhalten bei den ersten beiden Gegentreffern in Augsburg bietet immerhin Stoff für die Videoanalyse.

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