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Erik Stoffelshaus lebt seit über einem Jahr in Moskau.

Champions League

"Unfassbares Gefühl"

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Erik Stoffelshaus, Manager von Lokomotive Moskau, spricht im Interview über das Wiedersehen mit Schalke 04.

Erik Stoffelshaus lebt seit über einem Jahr in Moskau, doch zum großen Wodkatrinker ist er nicht geworden. Zumal: „Das Wodkatrinken ist ein typisches Klischee“, sagt der 47-jährige mit einem Lächeln. Stoffelshaus begann seine Karriere im Profifußball 1998 als Jugendtrainer beim FC Schalke 04, seit Januar 2017 ist der diplomierte Sportlehrer Sportdirektor beim russischen Spitzenklub Lokomotive Moskau, bei dem auch die Ex-Schalker Benedikt Höwedes und Jefferson Farfan unter Vertrag stehen. Vor dem Aufeinandertreffen mit seinem alten Klub in der Champions League am Mittwoch (18.55 Uhr, Dazn) sprach Stoffelshaus über das besondere Duell.

Herr Stoffelshaus, was haben Sie gedacht, als Ihre Mannschaft der Schalker Gruppe zugelost wurde?
Stoffelshaus (lacht): Man denkt sich ja vorher immer: Mensch, da gibt es tatsächlich die Chance, dass wir in eine Gruppe kommen. Als es dann wirklich passiert ist, war es ein unfassbares Gefühl. Weil es mein absolutes Wunschlos war. Es war eine tiefe innere Freude, nicht nur für mich: auch für Bene und Jeff. Es ist außergewöhnlich.

Mit wem haben Sie sich auf Schalker Seite als erstes ausgetauscht?
Mit Bodo Menze natürlich, der auch bei der Auslosung in Monaco vor Ort war. Er saß drei Reihen über mir. Auf dem Weg zur Auslosung waren wir zuvor noch die Rolltreppe gemeinsam heruntergefahren. Da habe ich noch geflachst und zu ihm gesagt: „Das hättest Du Dir vor 20 Jahren auch nicht vorstellen können, als Du mich als Jugendtrainer auf Schalke eingestellt hast, dass wir nun gemeinsam zur Champions-League-Auslosung gehen, oder?“ Da mussten wir beide lachen. Nach der Ziehung haben wir uns dann in den Arm genommen. Es war für uns beide ein besonderer Moment. Bodo hat mich als Leiter der Schalker Jugendabteilung damals eingestellt. Er hat mir unheimlich viel beigebracht, er war mein größter Mentor. Und er ist auch heute noch ein wichtiger Ansprechpartner für mich.

Wie haben Benedikt Höwedes und Jefferson Farfan reagiert?
Die beiden haben sich auch unheimlich gefreut, das ist doch klar. Bei Bene ist die Geschichte natürlich noch ein bisschen frischer, er ist ja in diesem Sommer erst von Schalke weggegangen. Er freut sich wahnsinnig auf die beiden Spiele. Das Rückspiel auf Schalke wird sicherlich sehr emotional für ihn, die Arena war schließlich für den größten Teil seiner Karriere sein Wohnzimmer.

Wie hat sich Höwedes bei Lokomotive eingelebt?
Bestens. Für ihn ist es wichtig, dass er spielt. Er hat jetzt Fuß gefasst und am Samstag ein richtig gutes Spiel gemacht gegen Grosny. Da stand er in der Innenverteidigung wie eine Mauer. Wenn er noch mehr in den Rhythmus kommt und mehr Praxis bekommt, wird er wieder überragend spielen.

Wie bewerten Sie den Ligastart von Lok in der russischen Liga? Derzeit steht man mit drei Siegen, drei Remis und drei Niederlagen auf Rang sechs ...
Wir wussten, dass es nach dem Titelgewinn in der vergangenen Saison holprig werden könnte. Wir hatten zudem neun WM-Starter. Der ein oder andere fällt nach einem so großen Turnier ein bisschen ins Loch. Aber nach dem Sieg am Samstag denken wir, dass es bei uns wieder in die richtige Richtung geht. Wir rechnen uns am Mittwoch gegen Schalke schon etwas aus. Und am Wochenende haben wir dann das Derby gegen ZSKA Moskau. Das sind wichtige Spiele für uns.

Welche Bedeutung hat die Champions League für den Klub?
Eine enorme Bedeutung, schließlich war der Verein 14 Jahre lang nicht dabei. Lokomotive ist ein großer Klub hier in Russland, da war die Sehnsucht nach der Königsklasse groß.

Und wie haben Sie den Schalker Saisonstart verfolgt?
Schalke ist in einer der stärksten Ligen der Welt Vizemeister geworden. Deshalb wissen wir schon, was da am Mittwoch auf uns zukommt. Wir haben zwar keine Furcht, aber den nötigen Respekt. Wir lassen uns nicht vom schlechten Saisonstart der Schalker blenden. Weil jeder weiß, dass das Team da unten nicht hingehört.

Interview: Jens Greinke

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